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Region macht Druck beim Wohnungsbau

Neue Zuschüsse Region macht Druck beim Wohnungsbau

Die Region will angesichts der Knappheit auf dem Wohnungsmarkt ihr Förderprogramm erweitern. „In Stadt und Umland werden viel zu wenig neue Wohnungen für Menschen mit wenig Geld gebaut“, sagt Sozialdezernent Erwin Jordan (Grüne). Von den Zuschüssen sollen auch Privateigentümer profitieren.

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Weil Menschen mit geringem Einkommen derzeit nur schwer eine Wohnung finden, will die Region ihr Förderprogramm erweitern.

Quelle: dpa/Symbolbild

Hannover. Ärgerlich sei, dass das Landesförderprogramm falsche Anreize setze und Wohnungsbau für Mittelschichtfamilien fördere. Dabei sei der Bedarf insbesondere bei Studenten und Menschen hoch, die auf staatliche Transferleistungen angewiesen sind. „Die haben in Linden oder der Nordstadt derzeit keine Möglichkeit, auf dem normalen Wohnungsmarkt etwas zu finden“, sagt Jordan.

Die Region ist unter anderem für die Beobachtung des Wohnungsmarkts in Hannover und den 20 Umlandkommunen zuständig. Jordan sagt: „Der Anstieg der Mietkosten um rund 2 Prozent ist an sich nicht alarmierend - aber die enorme Verknappung im unteren Segment wird zum echten Problem.“ Frauenhäuser könnten keine von Gewalt bedrohten Frauen mehr aufnehmen, weil die Bewohnerinnen am Wohnungsmarkt keine Angebote fänden. Ehemalige Obdachlose mit Schufa-Einträgen oder Menschen mit Handicap seien chancenlos bei der Wohnungssuche.

Sowohl die Stadt als auch die Region haben Förderprogramme aufgesetzt, die auch mit Landesprogrammen kombinierbar sind. Im HAZ-Interview allerdings bemängelt Jordan, dass das Landesförderprogramm Wohnungsbau mit Quadratmeter-Kaltmieten von 7 Euro fördere: „Das ist eine echte Mittelschichtförderung.“ Wichtiger sei, dass Wohnungen zum Quadratmeterpreis von 5,40 Euro gebaut würden, von denen Familien mit geringerem oder gar keinem Einkommen profitierten.

Die Region schlägt ihren Kommunalpolitikern morgen vor, das Wohnungsförderprogramm um Studentenwohnen zu erweitern und auch Belegrechtsverträge mit privaten Immobilieneigentümern in Hannover und Umland zu schließen. Damit können Wohnungseigentümer einen Zuschuss über die amtlich festgestellte Durchschnittsmiete hinaus erhalten, wenn sie der Region Wohnraum zur Verfügung stellen.

Ein weiteres Problem sei es, dass es vor allem im Umland oft zu wenig Bauland für Mietwohnungsbau gebe. „Wir müssen mit den Kommunen in Verhandlungen treten, denn wir brauchen mehr Flächen.“ Jordan betont, dass es dabei nicht nur um die Unterbringung von Flüchtlingen gehe. „Aber wir müssen dafür sorgen, dass es nicht durch weitere Verknappungen am Wohnungsmarkt zu Ressentiments zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen kommt.“

„Es wird immer noch viel zu wenig gebaut“

Herr Jordan, offiziell heißt es immer, es gebe keine Wohnungsnot, aber vom Bund über das Land, Region und Stadt legen alle Institutionen Wohnungsförderprogramme auf. Sie wollen morgen den Kommunalpolitikern sogar die Erweiterung des Regionsprogramms vorstellen. Wie passt das zusammen?

Von einer allgemeinen Wohnungsnot sind wir glücklicherweise weit entfernt. Aber es gibt einen spürbaren Mangel, und der führt inzwischen dazu, dass es für bestimmte Gruppen auf dem Wohnungsmarkt kaum Chance mehr gibt, überhaupt noch eine Wohnung zu finden.

Sie reden von Singles, die keine kleinen Wohnungen finden, und Familien, die keine großen Wohnungen finden?

Ja, auch die haben es schwer. Aber ich rede insbesondere davon, dass in den Frauenhäusern kein Platz für Neuaufnahmen mehr ist, weil die derzeitigen Bewohnerinnen nicht ausziehen können – sie finden schlicht keine Wohnung. Ich rede von Menschen mit Handicap – seien es psychische oder physische Behinderungen –, die keine Chance auf dem Wohnungsmarkt mehr haben. Und ich rede von ehemaligen Wohnungslosen, die wegen Schufa-Einträgen ebenfalls keine Wohnungen mehr finden.

Wie wollen Sie diesen Gruppen helfen?

Wir werden den Regionspolitikern morgen vorschlagen, das bestehende Wohnungsförderprogramm zu erweitern. Einerseits wollen wir einen zusätzlichen Schwerpunkt Studentenwohnen einführen, denn auch in dem Segment herrscht großer Mangel. Es gibt zwei konkrete und förderwürdige Projekte, mit denen rund 100 Wohnplätze für Studierende geschaffen werden können. Und dann wollen wir als Region Belegrechte erwerben, um Wohnungen für die genannten Gruppen zu mieten – und das auch von privaten Vermietern.

Wie soll das funktionieren?

Wir wollen auf Vermieter zugehen und ihnen ein ganz konkretes Angebot machen: Für jeden Quadratmeter Wohnraum, den sie uns zur Verfügung stellen, zahlen wir 1,50 Euro mehr, als der Mietspiegel vorsieht. Der ermittelt ja sehr präzise für bestimmte Wohnlagen und Ausstattungsmerkmale die aktuellen Durchschnittsmiethöhen – und wir legen etwas obendrauf.

Und was erwarten Sie im Gegenzug?

Im Gegenzug dürfen wir festlegen, wer in die Wohnung einzieht. Solche Kooperationen gibt es schon mit einzelnen Wohnungsunternehmen. Wir denken aber, dass sie auch für Privateigentümer attraktiv sind, die vielleicht nur eine oder zwei Wohnungen haben. Wir kümmern uns um die Vermietung – und wenn etwa für Menschen mit Handicaps Umbauten nötig sind, dann finanzieren wir das auch.

Aber dafür verliert man als Eigentümer den Einfluss auf die Zusammensetzung im Haus ...

Niemand muss an dieser Stelle Konflikte fürchten. Wir stellen über einen Vertrag Einvernehmen mit dem Eigentümer her. Der Vertrag hat dann zwar eine festgelegte Laufzeit – wenn aber der Eigentümer feststellt, dass es nicht funktioniert, dann kann er kündigen.

Reicht das denn aus, um die Wohnungsengpässe zu beheben?

Nein, natürlich nicht. Aber das ist einer der beiden Bausteine, mit denen wir unser bestehendes Förderprogramm ergänzen. Weiterhin zahlen wir seit 2014 bei Neubauten von Wohnungen 22 Prozent der Baukosten als Zuschuss bis zu einer Höhe von 2600 Euro pro Quadratmeter, und bei Modernisierungen zahlen wir ebenfalls 22 Prozent Zuschuss, gedeckelt bei 1500 Euro pro Quadratmeter. Die Eigentümer müssen sich aber verpflichten, ihre Wohnung danach für maximal 5,40 Euro pro Quadratmeter zu vermieten.

Und wird das abgefragt?

Viel zu wenig.

Warum?

Wir glauben, dass das Förderprogramm des Landes ein Grund ist. Das setzt leider falsche Anreize. Dort kann man zwar auch eine Förderung für den Bau von preisgünstigen Wohnungen mit der 5,40-Euro-Grenze beantragen, aber noch mehr Geld gibt es, wenn man für einen Mietpreis von 7 Euro pro Quadratmeter baut. Für die Wohnungsbranche scheint das attraktiver zu sein. Es ist aber nicht attraktiv für die, die derzeit Probleme am Wohnungsmarkt haben. Was das Land macht, ist eine echte Mittelschichtförderung, dabei müssen wir vor allem Wohnraum für Leute mit niedrigem Einkommen fördern. Wir hoffen, dass das Land bald seine Bedingungen ändert.

Wenn dann die Nachfrage bei Bauherrn und Eigentümern steigt – haben Sie überhaupt ein ausreichendes Budget?

Unser Etat für die Wohnungsbauförderung beträgt gut 17 Millionen Euro, verteilt auf mehrere Jahre. Derzeit wird er bei Weitem nicht ausgeschöpft. Aber Sie können sicher sein: Wenn die Nachfrage nach Förderung steigt, wird es an unserem Etat nicht liegen. Wir stocken ihn gerne auf – Hauptsache, es werden mehr Wohnungen geschaffen für Menschen, die ihn derzeit dringend brauchen.

Interview: Conrad von Meding

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