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Neonazis

Die Region ringt mit den Rechtsradikalen

Von Tobias Morchner

In Hannover und der Region existiert eine aktive wachsende Neonazi-Szene. Regelmäßig ermittelt die Polizei gegen Personen aus dem rechten Lager. Und der Rechtsstreit um die Demonstration am 1. Mai ist noch nicht entschieden.
© Norbert Millauer/ddp

Den Offiziellen ist das Thema unangenehm. „Mir wäre lieber, die Öffentlichkeit würde unsere Stadt mit anderen Dingen in Verbindung bringen“, sagt Wunstorfs stellvertretender Bürgermeister Felix Becker. Doch seit den Vorfällen in der Nähe des linken Jugendzentrums „Wohnwelt“ muss er sich immer wieder den Fragen zum Neonazi-Problem in seiner Stadt stellen.

Am 15. März hatten etwa 20 Rechtsradikale eine 19-jährige Besucherin der „Wohnwelt“ und ihren 21-jährigen Begleiter durch Schläge und Tritte verletzt. Der mutmaßliche Haupttäter Marco S. (27), ein wegen Körperverletzung und Beleidigung schon einmal zu 14 Monaten Haft verurteilter Aktivist der Neonazi-Szene, sitzt deshalb in Untersuchungshaft. Die Schläger sollen zuvor an einer Geburtstagsfeier in einem anderen Jugendzentrum teilgenommen haben. Zu der Party hatte ein Mitglied der vor einem halben Jahr gegründeten rechtsextremen „Autonomen Nationalisten Wunstorf“ eingeladen.

Anhänger dieser Gruppe sorgen seit einiger Zeit für Unruhe unter den 41.000 Einwohnern. So sprühten sie im Februar am Rathaus und an einer Schule den Namen „Horst Wessel“ an Wände und veranstalteten Schulungsabende unter dem Motto: „Wir reden nicht mit Bullen“.

Nach dem Angriff der Rechtsextremen sieht sich die Stadtverwaltung mit dem Vorwurf konfrontiert, nicht genügend gegen die Neonazis getan zu haben. Becker weist dies zurück. „Wir sind nicht auf dem rechten Auge blind“, beteuert er. „Wir werden versuchen, die Jugendlichen aus diesem Umfeld anzusprechen“, kündigt er an. Die Stadt sieht er jedoch nicht allein in der Pflicht: „In erster Linie sind Polizei und Justiz gefragt.“

Deren Vertreter halten die öffentliche Aufmerksamkeit im Moment für größer als die Schlagkraft der Gruppe. Die „Autonomen Nationalisten“ bestünden in Wunstorf zurzeit lediglich aus fünf Personen und rund zehn Sympathisanten, erklärt Frank Lochte, Leiter des Fachkommissariats Rechts- und Linksextremismus der Polizeidirektion Hannover. „Die Gruppe hat keine festen Strukturen. Es gibt lediglich die Internetseite und hin und wieder ein paar spontane Aktionen“, sagt der Beamte.

In Antifa-Kreisen wird diese Einschätzung der Polizei allerdings stark angezweifelt. „Die Mitglieder der ‚Autonomen Nationalisten‘ kleiden sich ganz bewusst im Stil der Linken, also zum Beispiel mit Che Guevara-T-Shirt und Palästinensertuch. Man kann die beiden Gruppen äußerlich kaum auseinander halten“, so ein Kenner der Szene. Er glaubt, dass die Wunstorfer Neonazis über gute Verbindungen zu Gleichgesinnten der „Nationalen Offensive Schaumburg“ unterhalten. Mitglieder dieser militanten Neonazigruppierung waren in der Vergangenheit immer wieder durch extreme Gewalttaten aufgefallen.

Doch nicht nur in Wunstorf existiert eine aktive wachsende Neonazi-Szene. Egal ob in Langenhagen, Misburg oder Barsinghausen – regelmäßig ermittelt die Polizei gegen Personen aus dem rechten Lager. „Insgesamt stellen wir aber fest, dass es bei uns noch lange nicht so schlimm ist, wie beispielsweise in Verden oder im Harz“, sagt Frank Lochte.

In Seelze-Dedensen dient die Gaststätte „Zum Deutschen Hause“ jedoch seit Jahren Mitgliedern der NPD sowie militanten Neonazi-Gruppierungen als Treffpunkt. Dort soll auch mehrfach der „Stammtisch Nationaler Kräfte“ zusammengekommen sein. Die Treffen werden von den „Freien Nationalisten“ dienen der Vernetzung der Neonazi-Aktivisten. Bei den Stammtischen, zu denen durchschnittlich 50 bis 100 Teilnehmer anreisen, gibt es Vorträge und Diskussionsrunden, teilweise „mit Musikbegleitung“, wie es in der Szene heißt.

So soll unter anderem die „nationale Liedermacherin“ Annett Müller in Dedensen aufgetreten sein. „Die letzten zwei Veranstaltungen, die in Gaststätten in der List und in Buchholz geplant waren, mussten jedoch vorzeitig beendet werden, weil die Wirtsleute etwas bemerkt und die Polizei informiert hatten“, erinnert sich Lochte.

In Hannover verhält sich die Neonaziszene nach Darstellung der Ermittler zurzeit ruhig. Die Polizei registrierte in den vergangenen Monaten weder Konzerte der Rechtsrockbands „Nordfront“, „Territorium“ oder „Division Wiking“, deren Mitglieder in der Landeshauptstadt gemeldet sind, noch irgendwelche Aktionen der „Autonomen Nationalisten Hannover“. Möglicherweise wollen die Rechtsradikalen vor der geplanten Demonstration am ersten Mai die Aufmerksamkeit der Ermittler nicht auf sich lenken.

1000 Neonazis werden sich am Tag der Arbeit auf dem zentralen Omnibusbahnhof treffen – vorausgesetzt, die Organisatoren gewinnen den Rechtsstreit, der vor dem Verwaltungsgericht anhängig ist. Polizeipräsident Uwe Binias hatte den Aufmarsch verboten. Es sei nicht absehbar, dass man für den Einsatz genügend Einsatzkräfte zur Verfügung hat, argumentiert er. Deshalb sei eine Situation mit gewalttätigen Ausschreitungen, wie es sie bei der Neonazi-Kundgebung vor einem Jahr in Hamburg gegeben habe, „nicht beherrschbar“, so die Begründung des Beamten.

Die Einschätzung teilt ein Aussteiger aus Hannovers rechter Szene. Der ehemalige Anführer der „Autonomen Nationalisten Hannover“, der 22 Jahre alte Kai B., der unter anderem an den Ausschreitungen vor der Diskothek „Scum-Club“ beteiligt war, wo es im vergangenen Jahr zu Auseinandersetzungen zwischen Rechtsradikalen und linken Demonstranten gekommen war, hatte sich im Dezember 2008 von seinen ehemaligen Kameraden abgewandt. In einem Interview mit der Tageszeitung „taz“ beschreibt er die Gewaltbereitschaft der „Autonomen Nationalisten“ so: „Die wollen zuschlagen, Respekt vor der Antifa hat da keiner, auch nicht vor der Polizei.“ B. ist auch bei der 1. Mai-Demonstration vor einem Jahr in Hamburg dabei gewesen: „Hamburg war eine Initialzündung“, erklärt er – und prognostiziert Alarmierendes für Hannover: „Das soll DER Event für die Kameraden werden“, glaubt der Aussteiger.

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  • Kai B. Nazis die Räume nehmen – 22.11.09
    Dieser Kommentar wurde von der HAZ.de-Redaktion gelöscht. Bitte beachten Sie unsere Nutzungsbedingungen: www.haz.de/nutzungsbedingungen
  • Wohnwelt Opfer??? wunstorfer – 17.04.09
    Das es in Wunstorf rechte gibt lässt sich nicht verheimlichen. Nur von wem die wahre Gewalt ausgeht das wird verschweigen. Diese "Autonomen Nationalisten Wunstorf" machen hier viel Propaganda(Sticker,Plakate, Graffitis,...). Nur wenn es um Gewalt geht ist die Wohnwelt deutlich "aktiver" von dort aus werde regelmäßig menschen bepöbelt, beleidigt und verletzt nur anscheinend ist die Presse hier wieder auf dem linken Auge blind wie es doch so schön heisst. Gut finde ich keine von beiden, nur solten man lieber mit den Fakten hantieren anstatt sich mal wieder ganz "demokratisch"(das beinhaltet auch das es anderer Meinungen gibt) oder eher faschistisch(andere Meinungen verbieten oder defamieren)über irgendwelche Geschehnisse zu äußern.
  • PresseDreher Hannover – 16.04.09
    Guten Abend,
    ob rechts oder links, alles nicht das Wahre.
    In einem Artikel der Wunstorfer Presse war die Darstellung übrigens eine andere: Linke aus dem Umfeld der "Wohnwelt" stürmen die Party der Rechten. Die verfolgen die Angreifer und hauen den was auf die Nase. Ehrlich gesagt, wo ist daran das Problem? AUSSER, dass die Presse mal wieder tendenziös berichtet.
    Gruss
  • Unverständniss ein Leser – 16.04.09
    gerade wenn du/deine Familie diese Erfahrung machen musstest, ist es für mich ums unverständlicher, dass du genau diese Mittel anwenden willst, um Andersdenkende zum Schweigen zu bringen...

    Du begibst dich doch dann genau auf die Ebene der Menschen, die du zu verachtest. Und das erscheint mir auch nicht besser oder hilfreicher zu sein.

  • No Pasaran reckless68 – 16.04.09
    Ich mache keine Scherze mit Themen, die meine Familie am eigenen Leib erfahren musste. Meine halbe Familie wurde von den Nazis in Bergen Belsen vernichtet.
    Kuschel Pädagogik mit Glatzen passt da nicht in mein Weltbild.
  • "Idee"? js.b – 16.04.09
    Ganz toller Kommentar, in der Tat. Einige Anti-Glatzen haben eben auch nicht viel mehr Grips im Kopf als die, die sie bekämpfen.

    Irgendwann geben solche Kommentare mal juristischen Ärger, liebe HAZ-Redaktion... Macht es doch einfach wie Spiegel Online und lasst die Kommentare checken, bevor sie freigeschaltet werden. Es gibt immer ein paar, die querschießen...
  • Schwachsinn A.Th. Brandenburg – 16.04.09
    Schwachsinn erzeugt Schwachsinn. Mit Zyklon B und Auschwitz verbieten sich makabre Scherze.
    Nazis werden mit Vernunft bloßgestellt und geben sich selbst der Lächerlichkeit preis.
  • vorheriges Komemntar ein Leser – 16.04.09
    ich möchte darauf aufmerksam machen, dass das vorherige Kommentar ein Aufruf zur Gewalt gegen Andersdenkende darstellt und somit STRAFBAR IST!
  • Idee reckless68 – 16.04.09
    Kommentar von HAZ.de gelöscht.

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