Hannover wird seine oberirdische Stadtbahnlinie in der Innenstadt wohl behalten. Der Bau eines neuen Stadtbahntunnels für die Linie 10 zwischen dem Goetheplatz in der Calenberger Neustadt und dem Bereich in der Berliner Allee rechnet sich nach Informationen der HAZ nicht. Hans-Georg Martensen, Verkehrsdezernent der für den Nahverkehr zuständigen Region, wollte keine Stellung beziehen. „Wir legen Ergebnisse und Lösungsvorschläge im November auf den Tisch“, kündigte er an.
Der Tunnelbau unter der Innenstadt war zuletzt von Üstra-Chef André Neiß wieder aufs Tapet gebracht worden. Er findet sowohl Befürworter als auch Gegner. Die Üstra selbst sowie Anrainer erhoffen sich eine Entzerrung der manchmal chaotischen Verkehrsverhältnisse in der Kurt-Schumacher-Straße sowie auf dem Ernst-August-Platz.
Kritiker stoßen sich an den immens hohen Baukosten – sie könnten bei bis zu einer Viertelmilliarde Euro liegen. Umweltverbände halten außerdem eine oberirdische Stadtbahn für einen ästhetischen Gewinn. Sie befürworten deshalb die Variante, nach der die Linie 10 nicht mehr wie bisher zum Aegi fahren, sondern an der Ernst-August-Galerie abbiegen und durch den Posttunnel Richtung Raschplatz und Südstadt fahren soll. Als Endstation ist unter anderem der Bereich am Platz der Kaufleute denkbar.
Wesentliches Kriterium beim Bau einer neuen Stadtbahnstrecke ist die Wirtschaftlichkeit. Wenn sie sich nicht darstellen lässt, gibt es keine Zuschüsse vom Bund. Im Alleingang könnte die Region einen Neubau aber finanziell nicht stemmen – egal ob über oder unter der Erde.
Eigentlich wollte die Region die Ergebnisse ihrer Berechnungen schon vor den Sommerferien vorlegen. Schon damals zeichnete sich ab, dass die Tunnellösung durchfällt. Auch nach Überprüfung erreicht sie schlechtere Werte als eine oberirdische Strecke, für deren Bau mit 45 Millionen Euro kalkuliert wird. Wenn man in der Berliner Allee Bauarbeiten angeht, könnte die Stadt gleich die Hochstraße mit abreißen.
Kein Hochbahnsteig am Küchengarten
Die Region Hannover legt ihre Planungen für einen Hochbahnsteig am Küchengarten in Linden bis mindestens 2017 zu den Akten. Stattdessen soll nun die Haltestelle Leinaustraße der Stadtbahnlinie 10 in der Limmerstraße in zwei Jahren ein solches behindertengerechtes Bauwerk erhalten. Das geht aus einer Beschlussvorlage der Verwaltung hervor, auf die die Fraktion der Linken prompt reagiert hat. „Die Limmerstraße wird verschandelt“, sagt ihr verkehrspolitischer Sprecher Stefan Müller, von Beruf Stadtbahnfahrer.
Das Projekt am Küchengarten wird auf unbestimmte Zeit verschoben, weil sich die Beteiligten, darunter Regions- und Stadtverwaltung, Üstra, Bürger, Politiker und Anrainer, nicht einigen konnten. Viele fürchteten, dass mit einem 100 Meter langen Hochbahnsteig das Flair der Fußgängerzone in der Limmerstraße zerstört werden könnte. Ein Alternativstandort in der Spinnereistraße passte unter anderem der Üstra nicht – er liege zu weit vom Schuss.
Die Planungskosten für den Hochbahnsteig am Küchengarten, insgesamt knapp 300.000 Euro, wollen die Beteiligten nun in das Projekt an der Leinaustraße stecken. Auch dort entstünde ein Koloss im Straßenraum, weshalb sich die Linke eine Forderung des Bezirksrates Linden-Limmer zu eigen macht. „Die Region muss ernsthaft prüfen, ob auf der Linie 10 Niederflurbahnen eingesetzt werden können“, sagt Müller – Stadtbahnen also mit extrem niedrigem Einstieg.
Dies würde bedeuten, dass Hannover für die kürzeste Linie im Netz ein neues Stadtbahnsystem samt Infrastruktur wie Wartungsanlagen anschaffen müsste. Bei der Üstra hat man nach Angaben von Sprecher Udo Iwannek dieses Modell durchgespielt. Ergebnis: „Die Kosten stünden in keinem Verhältnis zum Nutzen.“ Auch Niederflurbahnen erforderten spezielle Bahnsteige; und schließlich seien an der Linie 10 bereits vier Hochbahnsteige mit Millionenaufwand gebaut worden. Bei einem neuen System müsste man sie wieder abreißen.
Kommentare
Kleinkleckersdorf Sascha – 25.01.10
Hannover ist eben doch ein Dorf. So wie man nachts hier die Bürgersteige hochklappt macht man es mit sinnvollen Zukunftsdingen. Brauchen wir nicht, wir sind Kleinstadt. Während andere Städte fleißig ausbauen zementieren wir Prosisorien was man später übelst bereuen wird. Schaffen dann noch die grüne Welle für die Öffis ab... genauso wie wir uns aller Dinge der Expo entledigten, brauchen wir nicht - wir sind klein Niemandsdorf... setzen das Auto zurück auf Platz 1. vor den Nahverkehr, Kleinkleckersdorf lebe hoch! Aber für allen anderen sinnlosen Müll da ist Geld da. Wir brauchen einen neuen Landtag z. B.... ja genau... Desweiteren scheint mir die HAZ recht Politisch einseitig zu berichten.Stadtbahn Saarbrücken reini – 19.10.09
Im unmittelbaren Innenstadtbereich von Saarbrücken konnte ich aber auch beobachten, daß sich dieses moderne Verkehrsmittel im Schrittempo bewegte.45 Mio für die o.i. Lösung reini – 19.10.09
Genauso she ich das auch. 45 Mio Eu sind für eine grottenschlechte Lösung unverantwortlich, da keine Probleme gelöst, sondern neue neue geschaffen werden. Z.B.Die Sperrung des Posttunnels
2 Neue "Unorte" für Fahrgäste: Posttunnel und Hochbahnsteig Raschplatz
Verschandelung des Stadtbildes am Steintor
Dauergeräuschkulisse und Strassenbahnchaos am EAG.
Stichwort Städtebau CrayZD – 15.10.09
Kröpcke-Center, Passerelle, Raschplatz & Co. sind für mich übrigens keine Folgen, sondern aus der Entstehungszeit begründete Nebenprodukte des U-Bahn-Baus. Sonst müssten solche Monstrositäten ja an allen hannoverschen Tunnelstrecken stehen, was gottseidank nicht der Fall ist. Hannovers größte Bauruine am Ihmeufer ist überdies ganz ohne U-Bahn-Bau entstanden.Folgen im eigentlichen Sinne sind da eher die Umwandlung von Georgstraße, Bahnhofstraße und Lister Meile von hektischen Hauptverkehrsadern in großzügige Fußgängerzonen. Was ich sehr wohl als städtebaulichen Gewinn betrachte!
Geht doch... ;-) CrayZD – 15.10.09
Ich gebe Dir völlig Recht, dass es sich mit beiderseitiger Rücksichtnahme besser, weil entspannter diskutieren lässt.In dieser Frage gibt es eben genausowenig DIE einzig richtige Meinung, wie es DAS perfekte Nahverkehrsnetz gibt. Das zu akzeptieren, und zwar von beiden Seiten, bringt einen schonmal einen Schritt weiter. :-) Ich bin übrigens auch kein Experte auf diesem Gebiet.
Als in den großkotzigen 60er- und 70er-Planungen in Hannover die Idee der 'klassischen' Stadtbahn (s.u.) aufkam, war sie nicht als Endausbaustufe, sondern als Provisorium auf dem Weg zur Voll-U-Bahn (incl. weiterer Streckenstillegungen und Bedienung nur der 'wichtigen' Stadtteile, etwa nach West-Berliner Modell) gedacht. Dass es dazu nie gekommen ist, begrüße ich ausdrücklich!
Ob man jetzt jeden Tunnel in Hannover überflüssig findet (wie Du), oder das hannoversche Stadtbahnsystem für die nahezu perfekte Mischung hält (wie ich) - akzeptieren muss man, dass es bei jedem System Vor- und Nachteile gibt.
Also geht es letztendlich um die Kostenfrage. Da steht auf den ersten Blick jeder Tunnel schlecht da. Auf den zweiten Blick geht es aber darum, dass sich Hannover ein 1-Linien-Straßenbahn'netz' neben dem ansonsten voll ausgebauten Stadtbahnnetz leistet - mit sauschlechten bis nicht vorhandenen Verknüpfungen zum übrigen Netz.
An den fehlenden Verknüpfungen herumzudoktern, indem man für sage und schreibe 45 Millionen (!) letztendlich ein paar Haltestellen verschiebt, würde sich nur lohnen, wenn es für dieses 'Netz' eine sinnvolle Ausbauperspektive gäbe, um es dauerhaft eigenständig zu betreiben. Die gibt es m.E. in Hannover absolut nicht. Dann also lieber eine dreimal so hohe Summe in die Hand nehmen, um die Fremdkörperlinie endlich vernünftig zu integrieren.
Das ginge übrigens auch fast völlig ohne Kosten, was bei diesem lähmenden Ideologienkrieg leider vollkommen untergeht:
Unter der Maßgabe, dass für eine Neu- (oder Wieder-)erschließung neuer Gebiete durch die Schiene mittelfristig kein Geld da ist - warum nicht die Nacht- und Notfallroute der 10 (über Waterloo zum Hbf) dauerhaft festschreiben? Von Fahrgastverbänden immer wieder angeregt, von der Politik leider vergessen. Dass eine Stammstrecke locker vier Linien auf einmal verkraftet, zeigt die C-Strecke (Steintor - Braunschweiger Platz).
Wenn man denn unbedingt Geld in die Hand nehmen möchte (und kann), dann kann man bei dieser Lösung durch die Blumenauer Straße eine Express-Spange bauen. Das kostet vielleicht 4,5 Millionen - aber keine 45!
Die beliebtesten Argumente contra D-Tunnel, etwa die nur periphere Bedienung der City, ziehen dann auch nicht mehr.
@crayZD Troll – 15.10.09
Ich hab's verstanden - glaube ich!Polemisch (übrigens: 'Polemos' heißt "Krieg" - bitte nicht für zwei U-Bahnstationen!) sind aber doch vor allem deine Bemerkungen! Wenn du deinen Argumenten traust, kannst du sie doch auch gelassen vortragen, umso überzeugender dürften sie wirken. Ich will ja gar nicht behaupten, ein "Fachmensch" zu sein. Ich sehe nur (oder nehme es wenigstens so wahr), dass in jeder zweiten deutschen Stadt die gleichen Fehler gemacht worden sind und weiter gemacht werden: Irgendwelche Kommunalpolitiker lassen sich von der Ausrüstungs- und Betonindustrie ein viel zu groß geratenes System aufschwatzen und finden es natürlich auch spektakulärer, rote Bänder in einer mehrstöckigen Tunnelstation zu durchschneiden, als die Eröffnung einer simplen Straßenbahnhaltestelle zu feiern. Das Geld, das bei uns in der Innenstadt begraben worden ist, fehlt jetzt notwendig an anderen Stellen, auch außerhalb der Verkehrsproblematik (uber die städtebaulichen Folgen will ich an dieser Stelle gar nicht erst nachdenken, das könnte polemische Ausfälle provozieren; Hannover ist durch den U-Bahn-Bau jedenfalls nicht schöner geworden). Und von Zürich bin ich wirklich sehr angetan - da vermisst auch ernsthaft niemand irgendeinen Tunnel, obwohl sich die räumlichen Dimensionen ganz ähnlich darstellen wie bei uns. Die Straßenbahn dort ist mit Abstand das schnellste Verkehrsmittel - auch ohne Tunnelstrecke und bei großer Haltestellendichte!
Was nun die Demographie anlangt: Ich weiß nur von Köln, Essen und Düsseldorf (Quelle: WDR 5), dass sich diese Städte auf ganz erhebliche Rückgänge bei ihren Einwohnerzahlen einstellen, und das sind ja nun vergleichsweise wirtschaftsstarke Standorte. Warum wir in Hannover einer völlig anderen Entwicklung entgegensehen können, ist mir völlig schleierhaft, auch wenn die Bertelsmann-Stiftung (!) sicher seriös arbeitet (wenn sie dich überzeugt haben,müssen sie wohl überzeugend sein). Über alles andere will ich ebenfalls gern nachdenken!
Schlussbemerkung: Ich meine, es geht nichts über zivile Umgangsformen!
Und für alle... CrayZD – 15.10.09
... die wirtschaftsnahen Stiftungen nicht trauen: der Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen (LSKN) - bei nachgewiesener Abtippschwäche bitte Cut & Paste für die Google-Suche benutzen ;-) - kommt in seiner leider nur bis 2021 ausgelegten Bevölkerungsvorausberechnung zu ähnlichen Ergebnissen.So... ich trolle mich jetzt hier.
@Troll CrayZD – 15.10.09
Andere Kommentatoren mit von Halbwahrheiten (oder eher Halbwissen?!?) unterfütterter Polemik bombardieren und sich dann an deren 'gereizter Reaktion' ergötzen... hmm ja, das dürfte das Idealbild Deines Namens ziemlich genau beschreiben. ;-)Da man solche Kreaturen bekanntermaßen nicht füttern sollte, beschränke ich meine Antwort auf ein Minimum, um die eklatanteste Deiner Wissenslücken zu schließen:
Es handelt sich nicht um den Bertelsmann-Konzern, sondern um die (zugegeben konzernnahe) Bertelsmann-Stiftung, die jährlich aktualisierte und weitgehend anerkannte demographische Prognosen erstellt. Einen Link (der auch Aufschluss über die Methodik bietet) darf ich hier ja leider nicht posten, aber wenn es mit dem Abtippen in Google etwas besser klappt als hier, kriegst Du das sicher hin. ;-)) Stichwort: Wegweiser Kommune
Um jetzt noch im Detail auszuführen, warum ein bundesweiter Durchschnitt nicht auf Großstädte wie Hannover anwendbar ist (Umkehr der Stadtflucht, Aussterben ganzer ländlicher Regionen etc.), dazu bin ich wirklich zu müde. Sieh's als Erfolg. ;-)
@crazyd Troll – 15.10.09
Sehr souveräne Reaktion! Überhaupt: der gereizte Tonfall deiner Mitteilungen weckt große Sympathien für deinen Standpunkt - oder auch nicht!Zur Sache: Nach den Angaben des Bundesamtes für Statistik - das ist kein Privatunternehmen, das mit seiner Tätigkeit irgendwelche kommerziellen Interessen verfolgt, sondern eine Bundesbehörde! - wird sich die Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland bis zum Jahre 2030 um ca. 24% verringern - vorausgesetzt, der dabei hochgerechnete Trend verändert sich zwischenzeitlich nicht dramatisch, oder wir erleben eine massenhafte Zuwanderung. Warum dann aber ausgerechnet Hannover kaum 1% seiner Bevölkerung verlieren soll, müsste mir die Firma Bertelsmann ersteinmal erklären. Vielleicht, weil es das Maschseefest gibt, Hannover so schön ist ("Ich hab' so Sehnsucht nach dem Engelbosteler Damm!"), ein Ölfeld in der Eilenriede entdeckt wird oder ein regionales Jobwunder bevorsteht? Während Köln und München (derzeit die einzigen Städte im Bundesgebiet mit einem positiven Bevölkerungssaldo)sich auf eine Trendumkehr einstellen, wird sich Hannover also behaupten! Glaube, Liebe, Hoffnung, aber das ist ja wohl eine Vermutung aus Absurdistan!
Wie dem auch sei: Ich halte die Stadtbahnkonzeption, und damit meine ich schon den realisierten Teil, für restlos überzogen, und es war eigentlich immer klar: ein Tunnel zieht den nächsten nach sich und verursacht Kosten, auch Nachfolgekosten, die in keinem darstellbaren Verhältnis zum denkbaren Nutzen (von Erträgen wollen wir lieber gar nicht erst reden!)stehen! Das ist wie mit einem Systembaukasten - damit kommt man auch nie zum Ende. Und deshalb: Ich bin für eine Volksbefragung, aber bitte nicht exklusiv unter den potenziellen Nutznießern eines isolierten Projektes, sondern unter allen steuerzahlenden Bürgerinnen und Bürgern der Stadt. Sie müssen mit der Infrastruktur leben, die da aufgebaut werden soll - und sie müssen sie auch in Zukunft bezahlen können. Kinder, an die man die öffentlichen Schulden weitervererben könnte, wird es ja bekanntlich immer weniger geben - auch in Hannover (es sei denn, du verrätst uns hier die "Methode Bertelsmann"!).
@Troll CrayZD – 14.10.09
Allgemeingültige Argumente aus dem BIU-Ideologienbaukasten werden für Hannover nicht dadurch richtiger, dass man sie allesamt nochmal wiederholt. Aber immerhin klappt's mit dem Wiederholen - verwunderlich, da 6 Buchstaben in Folge ja schon eine (zu) große Herausforderung für Dich zu sein scheinen. ;-)Was ein 2-Stationen-Tunnel mit 'großzügigem U-Bahn-Bau' zu tun hat und welchen Sinn es macht, gegen den Ausbau einer bestehenden Strecke mit 'Belebung der Stadtteile' durch 'Neuerschließung mit der Straßenbahn' zu argumentieren, das musst Du mir als jemandem, der außerhalb Deiner verkehrspolitischen Kopfgeburt lebt, nochmal genau erklären. Oder reden wir neuerdings von einer U-Bahn bis nach Ahlem? Und sind die TW6000, die da heute langfahren, verkleidete Busse? Ich habe mir immer eingebildet, wir würden von einer Stadtbahnlinie reden, die auf 85% ihrer Strecke so bleibt wie sie ist, und lediglich auf den zentralsten 15% an den üstra-Standard angepasst wird.
Zum demographischen Faktor: nach aktueller Bertelsmann-Studie verliert die Stadt Hannover in den nächsten 20 Jahren sage und schreibe 5.000 von 520.000 Einwohnern. Uiuiui, da sollten wir aber schonmal den Rückbau von Bahnlinien planen.
Mal ganz davon ab, dass es extrem fragwürdig ist, angesichts steigender ÖPNV-Nutzerzahlen (bei seit langem stagnierender Bevölkerungsdichte) von einem sinkenden Bedarf auszugehen.
@crazyd Troll – 14.10.09
Also der Tarnname "Crazyd" bürgt ja auch nicht gerade für überragenden Sachverstand, wie mir scheint.Aber egal: Tatsache ist, dass die Stadt kein Geld für einen großzügigen U-Bahn-Verkehr hat. Man sollte folglich aus der Not eine Tugend machen und nach den gegebenen Möglichkeiten planen. München erschließt (wieder) Stadteile mit der Straßenbahn, die das U-Bahn-Netz nicht vernünftig anbindet. Die Berliner Straßenbahn ist praktisch auf den Ost-Teil der Stadt beschränkt, in dem es umgekehrt kaum U-Bahnlinien gibt. Und die "Metrotram", obwohl sie dabei sehr viel größere Distanzen überbrücken muss als in Hannover, ist eine wirklich gelungene Alternative zu weiteren U-Bahn-Linien, für die hier (mein Zweit-Wohnsitz ist Berlin!)eben auch kein Geld mehr zur Verfügung steht. Das Ergebnis ist u.a., dass die Stadteile sich neu entwickeln, mit eigenen Zentren und Einkaufsmöglichkeiten. Die Verödung vieler hannoverscher Stadteile ist zweifellos ein Problem für sich (für den kläglichen Zustand des Posttunnels trägt allemal der Eigentümer, die Deutsche Bahn AG, die Verantwortung! Ich kann nur sagen: Eigentum verpflichtet!), aber eine gute und geschickt arrangierte öffentliche Verkehrsinfrastruktur könnte schon einiges zur Belebung der Stadtteile beitragen. Auch das sollte man sich in Zürich ruhig einmal näher ansehen.
Bleibt als gewichtiges Argument die Demographie: Hannover verliert noch einen erheblichen Teil seiner Bevölkerung! Das muss bei der Planung kostspieliger Infrastrukturprojekte unbedingt berücksichtigt werden. Eine U-Bahn zieht jedenfalls ungleich höhere Unterhaltungskosten nach sich als eine Straßenbahnlinie, die nach Bedarf auch mal verlegt, aus- oder zurückgebaut werden kann. Ein Teil des gesparten Geldes kann in Fahrzeuge, Personal und eine Ampelvorrangschaltung investiert werden, um die Taktfrequenzen deutlich zu erhöhen. Entscheidend für die Effektivität und Dynamik eines öffentlichen Verkehrsnetzes ist nämlich nicht die Geschwindigkeit eines Zuges auf einer bestimmten Linie, sondern die Systemgeschwindigkeit der gesamten Verbundstruktur(Frequenzen, Übergangszeiten zu anderen Linien usw.). Ich bleibe dabei: für einen (gefühlten) Zeitgewinn von wenigen Minuten sollte kein weiteres öffentliches Geld verbrannt werden. Da sehe ich andere Prioritäten! Aber was spricht eigentlich gegen eine Volksbefragung?
10 Mehdorn – 14.10.09
Der oberirdische Vorschlag verbessert nix, im Gegenteil die Linie 10 würde auch noch den Verkehr auf der Berliner Alle behindern. Dafür so viel Geld auszugeben wäre Wahnsinn! Diese Möglichkeit sollte auf keinen Fall umgesetzt werden!!! Dann lieber alles beim alten belassen. Dann haben wir die Probleme zwar weiterhin, aber dafür nicht so viel Geld verbrannt. 45.000.000 Euro sind verdammt viel Geld.Die U-Bahn würde die Probleme der Linie 10 lösen (langsamste Linie der Stadt, anfällig für Verspätungen, schlechte Umsteigemöglichkeiten zu anderen Linien, keine Hochbahnsteige an den wichtigen Stationen Hauptbahnhof und Steintor). Auch die Verkehrssituation in der Innenstadt zwischen Steintor und Bahnhof würde sich verbessern. Die hohen Kosten sprechen allerdings dagegen. Das Argument, dass eine U-Bahn dem Einzelhandel schadet würde ich nicht unterschreiben. Beispiel Lister Meile: Hier fährt die Bahn unterirdisch und auf der Lister Meile reiht sich seit dem Bau der U-Bahn ein Geschäft ans andere. Ähnlich sieht es auf dem Engelbosteler Damm aus wo die Bahn auch zum Großteil unterirdisch fährt. In der Innenstadt macht eine U-Bahn durchaus Sinn, zumal für eine Tunnelstrecke der Linie 10 auch schon Vorbaumaßnahmen existieren. Unter dem Hauptbahnhof und dem Steintor wurden damals schon U-Bahnstationen im Rohbau errichtet. Man sieht also dass diese Lösung früher schon favorisiert wurde…
Also entweder die U-Bahn kommt oder alles bleibt wie es ist. Bloß keine Notlösung die nix löst und dafür auch noch sehr teuer ist.
Cityring muss erhalten bleiben! Hermann555 – 14.10.09
@ CrayZDFahre täglich über den Cityring. Kann mir nicht vorstellen, dass auf dem Cityring 2 Spuren je Fahrtrichtung ausreichen würden. Ein Gutachten ist Theorie und überzeugt mich nicht bzw. deckt sich nicht mit meinen Beobachtungen. Andere Gutachten könnten hier auch zu anderen Ergebnissen kommen. Zu verkehrsschwachen Zeiten würden in der Tat zwei Spuren pro Fahrtrichtung reichen, nicht aber in der Hauptverkehrszeit! Aegi, Friedrichswall, Berliner- u. Hamburger Allee, Brühlstr. wären bei nur noch 2 Spuren pro Richtung auch im Fall einer optimierten Ampelschaltung überlastet, und die Schloßwender Str. / Arndtstr sowie der Schiffgraben sind heute schon zweispurig, der Schiffgraben sogar stellenweise einspurig. Bleibt noch das Leibnizufer, allerdings nur der Bereich von der Schloßstr. bis zur Fußgängerampel kurz vor der Kreuzung Goethestr / Brühlstr., also vielleicht 150 Meter, was man aber vernachlässigen kann. Bedenken sollte man auch, dass auf dem Cityring täglich dutzende Rettungswagen unterwegs sind, die bei einem schmaleren Cityring mit entsprechender Verkehrsdichte sicher ihre Probleme kriegen würden noch zügig voranzukommen. Und durch Unfälle, Straßenbauarbeiten oder Lieferanten hätte man mit ständigen Engpässen zu kämpfen, also immer wieder nur noch eine freie Spur, was Staus zur Folge hätte. Das bedeutet mehr Lärm, mehr Umweltbelastung und genervte Autofahrer! Wurde das im Gutachten auch berücksichtigt oder ging man von ständigen Idealbedingungen aus? Man sollte froh sein, über einen leistungsstarken Cityring zu verfügen und das Thema Rückbau von 3 auf 2 Spuren schleunigst abhaken!
@Amarok CrayZD – 14.10.09
Eine Fahrgastbefragung auf der 10 fände ich sinnvoller!Bei einer stadtweiten Bürgerbefragung käme doch wieder das Argument 'was das wieder kostet...' zum Tragen. In dieser Beziehung ist sich schließlich heutzutage jeder selbst der Nächste. Wer die 10 nicht braucht, will dafür auch kein Geld ausgeben und wählt die billigste Variante.
Wichtiger wäre es doch herauszufinden, ob die Nutzer der 10 und 17 das Tageslicht und die Nähe zur EAG vermissen würden, oder ob sie sich nicht doch mehr über den Fahrzeitgewinn und die deutlich verbesserten Umsteigebeziehungen freuen würden. Nicht suggestiv, weder in die eine oder andere Richtung, sondern einfach die Fakten auf den Tisch legen (Tunnel von Goetheplatz bis Hbf, Stationen Steintor und Hbf/Raschplatz jeweils unter den bestehenden Stationen, ca. 2-3 Minuten Fahrzeitgewinn bis Hbf, Tieflage der Bahnsteige etwa wie die C-Linie heute am Kröpcke).
Parallel dazu eine Umfrage unter KSS- und Goethestraßen-Anliegern, ob sie durch eine U-Bahn Umsatzeinbrüche befürchten oder Chancen für eine Attraktivitätssteigerung sehen.
Ob ein (zu erwartendes) positives Votum an dieser Stelle die Kosten für einen Tunnelbau rechtfertigt, müsste dann die Region entscheiden. Sie könnte sich aber immerhin nicht mehr hinter Pseudoargumenten verstecken.
Zeit für eine Volksbefragung Amarok – 14.10.09
Gerade jetzt reden sich Tunnelbefürworter und -gegner wieder die Köpfe heiß, Politiker als auch Privatleute - und ich frage mich, wäre es da nicht Zeit, die Bürger mal selbst zu fragen? Klar, Volksbefragungen sieht eine Demokratie nicht vor, aber die Hannoveraner wurden auch vor der Expo befragt, ob sie sie haben wollen oder nicht. Warum macht man das nicht endlich mal für den Stadtbahnausbau, fragt "Tunnel oder oberirdisch" und folgt den Wünschen der Bürger. Ich bin mir sicher, dass 70% einen Tunnel haben wollten, um schneller und umsteigefreundlicher voran zu kommen. Stattdessen wird man uns demnächst mit schon fertigen Fakten beglücken und die Linie 10 zementieren, weil's so schön billig ist - kurzfristig gesehen. Was kümmert also die Politik die Wünsche der Bürger, sind ja eh alles Querulanten... Dank solcher Gedankenspiele darf sich keiner wundern, dass die Bürger politikverdrossen sind.Fragt also die Bürger Hannovers, und hört endlich auf, jahrelang um den heißen Brei herumzureden! In der Zeit, wo es endlos um die Tunnelfrage ging, haben andere Leute Kinder gezeugt und bekommen, die jetzt Abitur haben und erwachsen sind.
@foobar CrayZD – 14.10.09
Vielleicht hat man es damals nicht eingeführt, weil es vernünftige Niederflurbahnen bei Einführung des Stadtbahnkonzeptes noch gar nicht gab?Und vielleicht rüstet man heute nicht um, weil es günstiger und sinnvoller ist, die fehlenden Hochbahnsteige nachzurüsten, als teurere und nach wie vor anfälligere Niederflurbahnen zu beschaffen, die bestehenden Hochbahnsteige für Millionen abzureißen und für mindestens ebensoviele Millionen neue Niederflurbahnsteige (ja, auch die braucht man!) zu bauen?
Frag doch mal die Jungs in Stuttgart, ob die schonmal daran gedacht haben, das 'bescheurte' Hochflurkonzept aufzugeben. Oder warum Köln und Frankfurt zweigleisig fahren und nicht einfach alles auf Niederflur umrüsten.
@Troll CrayZD – 14.10.09
Bei dem Namen gilt wohl wirklich 'Nomen est Omen', wie mein Vorredner schon erkannt hat.Lebst Du in Hannover oder Umgebung? Wenn ja, dann frage ich mich, wie man in einem einzigen Posting soviel Unsinn produzieren kann.
1. 'Einige unterirdische Stadtbahnstrecken', die 'in ein auszubauendes Straßenbahnnetz integriert' werden sollten.
Fakt ist: Hannover hat ein fast vollständig ausgebautes Stadtbahnnetz mit drei Tunnelstrecken und zehn Linien, sowie nebenher eine alte Straßenbahnlinie (10) mitsamt Alibi-Verstärkerlinie, die nur zu Hauptverkehrszeiten und maximal im Viertelstundentakt fährt (17). Was ist da wohl worin zu integrieren? Wo siehst Du Ausbaupotential für oberirdische Straßenbahnstrecken in der City? Durch die Fußgängerzonen?
2. 'Für Frauen und Kinder sicherer'
Stimmt, im zugigen Posttunnel mit Pornoreklame hält sich meine Freundin bestimmt auch viel lieber auf als in den gut ausgeleuchteten, komfortablen U-Bahn-Stationen. ;-) Ich kan sie ja mal fragen.
3. 'Mehr Laufkundschaft für Geschäftsleute'
Oh Mann, das ist mir noch gar nicht aufgefallen. Aber jetzt wo Du's sagst: in der per StraBa angebundenen Kurt-Schumacher- und Goethestraße herrscht tatsächlich das blühende Leben in Form von hochwertigem Einzelhandel, während die untertunnelte Georg- und Bahnhofstraße langsam ausstirbt. ;-)))
4. 'im Tunnel nimmt man doch gar nicht mehr wahr, dass es auch außerhalb der City attraktive Geschäftsstraßen gibt'
Zähle mir doch bitte mal die untertunnelten oder gemäß Nahverkehrsplan zu untertunnelnden Geschäftsstraßen außerhalb der City auf!
5. 'Es kann auch nicht darum gehen, den Autofahrern einfach nur Platz zu machen'
Das Gegenteil ist der Fall. Die Untertunnelung der Kurt-Schumacher-Straße erlaubt dort den längst fälligen Rückbau des Straßenraumes und die von Anliegern geforderte durchgehende Baumbepflanzung. Durch eine unterirdische Querung des Cityrings an der Goethestraße entfällt dort die nötige Vorrangschaltung und der Cityring kann gemäß eines Gutachtens mit optimierter Ampelschaltung auf zwei Spuren je Richtung verkleinert werden.
Fazit: Du bringst gebetsmühlenartig heruntergeleierte Argumente gegen eine Voll-U-Bahn, wie sie Berlin oder München hat (wo eine Ergänzung durch die Straßenbahn auch durchaus sinnvoll ist)... die aber allesamt 0,0% auf die Situation in Hannover anwendbar sind.
Das Stadtbahnkonzept als intelligenter Mix aus U-Bahn (City) und Straßenbahn (Außenbezirke) keineswegs veraltet ist, sondern sich ungetrübter Beliebtheit erfreut, beweisen z.B. Stuttgart, Köln, Düsseldorf und Dortmund. Diese Städte haben ihr Stadtbahnnetz in den letzten Jahren auch unterirdisch konsequent ausgebaut (oder sind dabei) und haben damit ihr Vorbild locker überrundet. Hannover galt nämlich mal als Vorreiter für dieses innovative ÖPNV-Konzept, was wir heute dank Straßenbahn-Nostalgikern und verbohrten Verkehrsideologen natürlich vergessen können.
Fakt ist: ein Tunnel ist teurer als eine im wahrsten Sinne des Wortes oberflächliche Lösung - was Städte wie Bremen, Leipzig und Dresden, die erst gar nicht in den U-Bahn-Bau eingestiegen sind, natürlich heute in Zeiten klammer Kassen davon abhält. Eine Bahn (egal ob Straße oder U, egal ob Nieder- oder Hochflur) ist aber auch teurer als ein Bus. Also los, weg mit den Bahnen und die ganze Stadt ('tschuldigung Troll: das ganze Kaff) per Omnibus bedienen!
@Amarok Bob der Baumeister – 14.10.09
Du bekommst den Auftrag für den Tunnel nicht.Bau lieber einen Dom.Niederflurwagen foobar – 14.10.09
@Troll: "Niederflurwagen" ist hier das Stichwort. Ich weiß nicht, wer seinerzeit in Hannover auf die glorreiche Idee gekommen ist, Wagen mit für Ältere und Behinderte unüberwindbaren Treppen zum Standard zu erklären, aber solange dieses bescheuerte Konzept weiter geführt wird, werden bis in unabsehbare Zukunft Millionen und Abermillionen in Hochbahnsteige investiert werden, die das Stadtbild verschandeln und für die vielerorts eigentlich gar kein Platz ist.@Troll Amarok – 14.10.09
@Troll: schöner Name (...) - und so passend. Man kann all diese Punkte aber nicht mit Hannover vergleichen, wir haben ein zu 85% fertiges Stadtbahnsystem, und draußen dümpeln mit der 10 und der 6 zwei Äste herum, die es in der Stadt zu verbinden gilt. Die üstra hat sicherlich geschwitzt, die 6 vor der Expo in den C-Tunnel zu stopfen, wo sich jetzt vier Linien tummeln. Der D-Tunnel soll nichts weiter leisten, als die Tangente der anderen drei Linien zu bilden und ordentlich zu verknüpfen, nämlich am Steintor und am Hauptbahnhof. Unzählige Hannoveranern ist die Nostalgie eines Straßenbahnfahrens völlig wumpe, die möchten schnell ankommen. In der oberirdischen Variante wird die 10 ewig ein Fremdkörper im Stadtbahnsystem bleiben, auch wenn sie noch so hübsch ausgebaut werden mag, und "Stadterleben" durch die Goethe- und Kurt-Schumacher-Straße sowie hinten herum am Raschplatz ist das dümmste Argument, was man bringen kann. Wenn es um den Erhalt der alten Strecke Aegi-Friederikenplatz-Calenberger Straße gegangen wäre, hätte ich zugestimmt, aber ansonsten zockelt die 10 durch unscheinbarstes Gelände. Und die EA-Galerie ist nicht der Nabel der Welt. Straßenbahn-Nostalgiker sollten nach Wehmingen fahren, aber langfristige Zukunftsplanungen in der Stadt nicht torpedieren oder der Politik eine Frikadelle ans Ohr labern.Wenig Geld, wenig Sinnvolles Amarok – 14.10.09
Na prima, die Zeitungen drucken immer wieder das Bild mit der tollen Posttunnel-Station ab und keiner merkt, dass da so einiges nicht dran stimmt. Die Wagen sind verkleinert, der Posttunnel hätte nicht die Höhe für solch eine Monsterstation, die Radien vor der EA-Galerie sind an der Grenze des Machbaren und die Bahn wird wohl kaum Fahrgäste "von hinten" auf die Bahnsteige lassen (die sollen mal schön durch den Bahnhof laufen).Es scheint mir, als geierten alle nur auf diese Minimalzahl 45 Mio., und die Region frisst der BiU aus der Hand. An die Folgeprobleme und versteckte Kosten denkt keiner, und gerne wird beim Tunnel immer von einer Viertelmilliarde gesprochen (das klingt ungleich gigantischer). Aber nur der Tunnel ist der zukunftssichere Schritt zur Verbesserung und Komplettierung des immer noch gelobten Stadtbahnsystems. Mit dem Ausbau der Linie 10 werden Hochbahnsteig-Barrieren am Steintor und Raschplatz geschaffen und die Umsteigebeziehungen nur unwesentlich gemildert. Na gut, dann zementiert mal diesen Blödsinn: die Lindener werden keine Achterbahn mit einer quietschend langsamen 10 fahren wollen, um am Goldenen Kalb EA-Galerie eventuell auszusteigen. Ein Tunnel beschleunigt die Linie 10 und alle noch kommenden Äste aus dem Westen, und später, wenn mal wieder vielleicht etwas mehr Geld da ist, kann man vernünftig Richtung Südosten weiterbauen. Der Wehner-Plan der 60er Jahre sieht das Netz nur so komplett, und langfristiges Ziel muss sein, die 10 und die 6 zu verbinden. "Nostalgie" in einer der langsamsten und störanfälligsten Linien durch die Goethe- und Kurt-Schumacher-Straße mögen sich gerne die Handvoll Kurzsichtiger antun, die die oberirdische Variante übers Knie brechen wollen - etliche Lindener wollen eine schnellere Anbindung, und kommt die nicht, werden wir wieder ein paar Autofahrer mehr haben.
Ich bin die 20 Jahre Dauerdebatte leid. Man kann ein vernünftiges System auch mürbe und tot labern. Wird das Geld oberirdisch verpulvert, muss ich mich schämen, Bürger einer kurzsichtig planenden Stadt zu sein.
Hannover braucht keine U-Bahn! Troll – 14.10.09
Man kann die Dimensionen hierorts sehr gut mit Zürich vergleichen. Dort hat sich die Wahlbevölkerung gleich mehrfach gegen den Bau einer U-Bahn ausgesprochen - aus guten Gründen: Die Investitionskosten dürften niemals wieder hereingeholt werden; im Gegenteil, es entstehen zusätzliche Unterhaltungskosten (für die Wartung von Rolltreppen und Aufzügen, für die aufwendige Reinigung der U-Bahnstationen, für deren Dauerbeleuchtung und die notwendige Überwachungstechnik, für eine anspruchsvolle Signaltechnik, für die ständig zu überprüfende Statik der Tunnels und für deren regelmäßige Renovierung). Kein privates Unternehmen hätte sich auf den Unsinn eingelassen, den wir uns mit unserer U-Bahn geleistet haben. Die Stadt Zürich setzt seit dem Scheitern ihrer U-Bahn-Pläne konsequent auf den Straßenbahnverkehr. Im Innenstadtbereich liegt die Vertacktung bei ein bis zwei Minuten. Die Niederflurwagen (!) erschließen ein sehr dichtes Netz und haben durch eine intelligente Ampelschaltung kaum Verweilzeiten zwischen ihren Stationen, ohne dass der Autoverkehr dadurch völlig eingeschränkt wird. Bis auf wenige Fußgängerbereiche lassen sich alle Punkte der Innenstadt auch mit dem Auto erreichen; es ist aber immer die zweitbeste Alternative! Gut: Für eine konsequente Planung in diesem Sinne ist es in Hannover vermutlich längst zu spät. Wir haben ja bereits ein paar Stadtbahnlinien mit Tunnelstrecken. Diese sollten so gut wie möglich in ein auszubauendes Straßenbahnnetz integriert werden. Aber wir haben keinen Bedarf an zusätzlichen Tunnelstrecken! Die Straßenbahn hat große Vorteile: Für die Alten ist sie bequemer, für Frauen und Kinder sicherer, den Geschäftsleuten bringt sie Laufkundschaft (im Tunnel nimmt man doch gar nicht mehr wahr, dass es auch außerhalb der City attraktive Geschäftsstraßen gibt). Es kann auch nicht darum gehen, den Autofahrern einfach nur Platz zu machen und ihnen einen möglichst ungehinderten Transfer durch den Innenstadtbereich zu ermöglichen. Das wäre ein Rücksturz in die Politik der 50er und 60er Jahre. Man kann aber den Versuch machen, die Vorteile aller Verkehrsträger sinnvoll miteinander zu kombinieren, und dabei sollte das Auto nicht aus ideologischen Gründen diskriminiert werden. Eindeutig spricht die Kostenseite für eine Renaissance der Straßenbahn als integriertem Bestandteil des Straßenverkehrs. Andere Städte machen es uns vor: Saarbrücken hatte zwanzig Jahre lang keine Straßenbahn mehr. Inzwischen ist deren Netz größer als jemals zuvor. Auch Berlin und München bauen ihr Straßenbahnnetz nach Jahren des Ab- und Rückbaus inzwischen wieder aus - mit sehr gutem Erfolg! Das sind zwei Millionenstädte. Wir sollten uns aber klar machen: Hannover wird im kommmenden Jahrzehnt noch einmal deutlich schrumpfen, vielleicht sogar unter die Größenordnung von Zürich (dessen Einwohnerzahl steigt allerdings!). Wozu brauchen wir dann neue U-Bahn-Strecken? Mein Appell an die Verantwortlichen lautet folglich: Maßhalten und mit Vernunft planen! Eine U-Bahn macht aus Hannover noch keine Metropole!Danke BUI Multe – 13.10.09
Zur Expo hätte man sicherlich Fördermittel für einen Tunnel durch die Sallstr. abgreifen können. Eine Führung durch die Sallstr. würde auch sicherlich die Auslastung der Linie 6 erhöhen.Wahrscheinlich würde eine Wirtschaftsberechnung mit Sallstr-Tunnel ganz anders ausfallen als für die jetzige Kurzvariante.
Danke BUI, für diese Vehrkehrspolitik in dichtbesiedelten Gebieten welche jetzt schon mit Autos vollgestellt sind !!
Fauler Kompromiss CrayZD – 13.10.09
Ich denke, das einzige 'Problem', das hier gelöst werden soll, ist ein anderes: die Stadt hat ja schon recht früh klargemacht, dass mitten auf den Ernst-August-Platz aus städtebaulichen Gründen kein Hochbahnsteig gepflanzt werden soll. Mit der buchstäblichen Herumeierei durch den Posttunnel umgeht man dieses Problem.Aber ist das ein Grund, 45 Millionen in den Wind zu schießen? Auch wenn Tunnelbau ein paar Jahre dauert: da der letzte Hochbahnsteig ohnehin frühestens in 30 Jahren gebaut werden wird, hat man noch genug Zeit für eine vernünftige Lösung.
Geldverbrennung Ballerkalle – 13.10.09
45 mio für einen faulen Kompromiss auszugeben ist reine Geldvernichtung. Der diskutierte oberirdische Vorschlag kann die bestehenden Probleme nicht lösen:1.Der Straßenverkehr in der Innenstadt wird nicht entlastet.
2.Das Umsteigen von anderen Linien in die 10 bleibt schlecht.
3.Linie 10 wird weiterhin die langsamste und verspätungsanfälligste Linie bleiben.
Ich kann nicht verstehen wieso ein Vorschlag der keine Verbesserung bringt 45 mio wert sein soll. Wenn es kein Möglichkeit gibt, die Probleme zu lösen, sollte man alles beim alten belassen und das Geld sparen statt zu verbrennen.
@blumenkasten: vollste Zustimmung! CrayZD – 13.10.09
Wenn die Kassen klamm sind und man sich deshalb scheut, eine dreistellige Millionensumme für den öffentlichen Nahverkehr auszugeben, dann soll man das auch zugeben - und gleichzeitig der Nachwelt die Option erhalten, diesen einzig vernünftigen Schritt zu tun.Jetzt 45 Millionen zu verbraten, um den Status eines unfertigen Netzes mit der 10 als ewigem Fremdkörper und den Einwohnern von Linden-Nord, Limmer und Ahlem als Fahrgästen zweiter Klasse zu zementieren, ist die unsinnigste aller denkbaren Entscheidungen.
Leider befürchte ich, dass sie genau deshalb in Hannover auch umgesetzt wird.
Grüne Welle überfällig! Hermann555 – 13.10.09
FxBMan sollte nicht immer davon ausgehen, das jeder Autofahrer problemlos auf Bus oder Bahn umsteigen kann! Bei den heutigen Unterhaltskosten die ein eigener Pkw verursacht, werden die Leute in der übergroßen Mehrzahl ihre Gründe dafür haben, warum sie statt mit der Bahn oder dem Bus lieber mit dem eigenen Pkw fahren. Habe genug Leute im Bekanntenkreis die aufgrund Ihres Wohnortes keine andere Möglichkeit haben, als mit dem eigenen Auto zu fahren, es sei denn, sie sind bereit doppelt soviel und mehr Zeit für ihren Arbeitsweg zu investieren, wozu verständlicherweise keiner bereit ist. Dann kommt die große Gruppe derer, die sich nicht sicher fühlen, gerade in den Abend- u. Nachtstunden. Dann gibt es zahlreiche Leute die aus Alters- bzw. Gesundheitsgründen auf ihr Fahrzeug angewiesen sind. Dann gibt es die, die größere Besorgungen zu erledigen haben oder die, die rein beruflich mit einem Fahrzeug unterwegs sind. Und sicher gibt es noch zahlreiche andere Gründe, warum die Leute ein Auto benutzen. Da bleiben am Ende nicht mehr viele, die ohne größere Probleme auf die Öffis umsteigen könnten. Immer davon auszugehen, dass ja fast alle nur zu bequem sind und ohne Probleme auf ihr Fahrzeug verzichten könnten ist falsch. Auch ich gehöre zu einer der oben genannten Gruppen. Wenn ich jedoch die Möglichkeit habe mit den Öffis zu fahren, dann tue ich das auch, gerade an den Wochenenden, da das Öffi-Netz eben sehr gut ausgebaut ist und die Taktzeiten kurz sind. Meine Frau hat sogar eine Monatskarte. Es steht jedem frei, ob er lieber mit den Öffis oder dem eigenen Pkw fahren möchte! Ich sehe keine Notwendigkeit für eine weitere U- oder Straßenbahnstrecke, da das Netz bereits heute meiner Meinung nach sehr gut ausgebaut ist. Man sollte alles so belassen wie es ist, außer endlich mal eine grüne Welle bei 50 km/h schalten, denn das ist überfällig und bringt allen was!
D Linie blumenkasten – 13.10.09
Es wäre sinnvoller alles so zu belassen wie es jetzt ist, anstatt 45 Mio in eine Oberflächenlösung zu investieren, die keine signifikante Verbesserung bringt. Und ich denke sogar, dass die 45 Mio ein geschönter Wert sind, da weder die notwendige Absenkung der Lister Meile im Posttunnel, noch der Abriss der Raschplatz Hochstrasse eingerechnet wurden. Die einzig sinnvolle Option ist der Tunnelbau, da nur so auch die Lindener Fahrgäste in den Genuss von kurzen Fahrzeiten und schnellen, barrierefreien Umsteigewegen kommen können.Vorrang für ÖPNV Üstra-Chef – 13.10.09
Schlage vor einen Preis zu vergeben: Hannovers dümmster Autofahrer! Kandidaten gibt's hier genug... Ihr merkt doch nichts mehrAutofrei FxB – 13.10.09
@Hermann555: Wenn das Stadtbahnnetz denn so gut und vollständig ausgebaut ist, warum fährst du dann mit dem AUTO in der Innenstadt rum? Etwas dümmeres gibt es für mich sowieso nicht!@Bahnfahrer Carsten – 13.10.09
Zu den Umsteigebeziehungen war doch schonmal angedacht, den Bahnsteig am Steintor in die Münzstraße zu verfrachten.Was wohl die Anlieger der Langen Laube dazu sagen? Da wird Ihnen gerade für teures Geld die Straße verschönert... um dann später auch noch die letzten Passanten, die sich aus der City übers Steintor trauen, mit einem dicken Hochbahnsteig vom Weitergehen abzuhalten.
Die Hochstraße am Raschplatz braucht's m.E. wirklich nicht unbedingt. Ein Gutachten im Auftrag der Stadt hat doch schon ergeben, dass mit vernünftigen Ampelschaltungen ein durchgehend zweispuriger Cityring machbar wäre. Aber genau damit - vernünftige Ampelschaltungen - hat es unsere Stadt ja nicht so. Da kann man sich die Situation ausmalen, wenn statt dem lang ersehnten Wegfall einer verkehrsbehindernden üstra-Vorrangschaltung (durch einen Tunnel in der Goethestraße) noch eine zusätzliche am Raschplatz hinzukommt.
Wie wäre es, wenn man zur Abwechslung mal versucht, den ÖPNV attraktiver zu machen... anstatt das Autofahren immer unattraktiver? Lebensqualität bedeutet auch zufriedene Verkehrsteilnehmer (egal mit welchem Verkehrsmittel), denn davon lebt eine Großstadt. Dafür muss man eben nötigenfalls auch mal ein bisschen Geld in die Hand nehmen.
Geldverschwendung Bahnfahrer – 13.10.09
Wozu 45 mio für eine oberirdische Lösung ausgeben durch die sich NICHTS verbessert!!!Dadurch verbessern sich die katastrophalen Umsteigemöglichkeiten von Linie 10 zu den anderen Stadtbahnen nicht und der Verkeht am Steintor und in der Kurt Schuhmacher Str wird auch nicht entlastet! Im Gegenteil, die Linie 10 würde dann auch noch den Verkehr auf der Berliner Allee blockieren: Noch mehr Staus und noch mehr Umweltverschmutzung.
Wieso dafür 45 mio ausgeben???
Entweder alles beim alten belassen und das Geld sparen oder eine Lösung umsetzten mit der auch die bekannten Probleme behoben werden.
@WZB Carsten – 13.10.09
So ein Skandal, dass immer noch viele Autofahrer das Angebot verschmähen, sich in dreckigen Stadtbahnen von rücksichtslosen Jugendlichen mit Handygeplärre beschallen zu lassen und schon gestresst bei der Arbeit anzukommen. Und dabei im Idealfall noch mit der besagten 10 im Schritttempo durch die City zu zuckeln.Ich gehöre dank Jobticket, vernünftiger Bahnanbindung per Tunnel und mangels bezahlbarem Dauerparkraum in der City auch zu den Bahnfahrern. Angesichts der oben geschilderten Rahmenbedingungen überdenke ich meine Entscheidung jedoch täglich. Wäre ich auf die 10 angewiesen, fiele mir die Entscheidung leicht. Denn die Freude über den 'ästhetischen' (BIU) Nostalgieeffekt der Straßenbahn hält sich bei täglichem Gebrauch doch in sehr engen Grenzen.
Übrigens: schönen Dank an die HAZ für die Berichterstattung auf Bild-Niveau ("kürzeste Linie im Netz" u.a.).
Weitere Linien braucht man nicht! Hermann555 – 13.10.09
Bin weder für den Bau einer U- noch einer Stadtbahn, da das Netz bereits jetzt schon sehr gut ausgebaut ist. Jahrelange Bauarbeiten für eine Linie, die man nicht unbedingt braucht, brauche ich nicht. Der Bau eines Hochbahnsteiges dauert ja allein schon etliche Monate. Außerdem dürften dabei noch mehr Nachteile für den Autofahrer entstehen, denn der hat es ja dank entsprechender Verkehrslenkung und den zahlreichen Fußgängerzonen schon jetzt nicht so leicht im Stadtkern. Wenn man den Autoverkehr immer noch weiter aus der City verdrängt, werden mehr und mehr Leute an den Stadtrand zum einkaufen fahren. Das wären dann entgangene Einnahmen für die Stadt und deutlich mehr gefahrene KFZ-Kilometer für die Umwelt. Die Innenstadt muss für alle gut erreichbar bleiben, also auch für Autofahrer, denn davon provitieren am Ende alle. Man braucht im Stadtgebiet weder zusätzliche U- oder Straßenbahnen, noch eine "Umweltzone" oder Tempo 30 im Stadtkern oder 40 auf den Hauptverkehrsstraßen. Dagegen dringend nötig wäre eine bei 50 geschaltete grüne Welle. Diese schont die Umwelt, verhindert Tempoverstöße durch erfahrene grüne Wellen, trägt allgemein zur Entspannung bei und verflüssigt den Verkehr, was Staus deutlich reduzieren dürfte.Wozu LJA – 12.10.09
denn noch eine Verlängerung der Linie 10 ? Das Kuhkaff Hannover, auf das man offenbar gezielt hinarbeitet, wird überhaupt keinen ÖPNV mehr brauchen.Es war von vorn herein klar, dass die kurze Tunnelstrecke, die hier geplant wurde, niemals wirtschaftlich sein kann. Von Linden bis Marienstr., das hätte schon anders ausgesehen. Das Ganze war doch nur ein Beschäftigungsprogramm für die öffentlichen Verwaltungen.
P.S. Die Stadtbahnen passen nicht durch den Lister Meilen Tunnel. Dafür müsste man mit riesigem Aufwand die ganze Strasse absenken.
Pro Stadtbahn! WZB – 12.10.09
Die "ständigen Störungen im Verkehrsfluss" sind auf die Massen von Autofahrern zurückzuführen, die es nicht schaffen, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Bei aller Polemik sollte man bedenken, wie viele Autos man mit einer einzigen Stadtbahnfuhre ersetzen kann - und was das für Auswirkungen auf Luftqualität, Sicherheit und Lärmpegel hat.Was kommt dabei rum ? Gustav – 12.10.09
- Ich komme mit der Variante kein Stück schnneller aus Linden in die Stadt.- Die Busse fahren weiterhin auf dem EAG rum.
- Die Umsteigemöglichkeiten verbessern sich höchstens marginal.
- Bei Eis und Schnee friert man sich weiterhin den
Arsch an den Haltestellen Richtung Linden ab.
Und dafür 45 Millionen? Dann bitte, liebe Stadt, richtig investieren
damit was bei rum kommt.
Anscheinend möchte die Region lieber
weitere Peripherie anschliessen
als dicht besiedelte Gebiete anständig an das restliche Netz
anzuschliessen.
Was bitte haben/werden die ganzen Verlängerungen
(Altwarmbüchen, Hemmingen, etc.) gekostet ?
Linie 10 paulchen – 12.10.09
und im ohnehin schon überlasteten "Lister Meilen Tunnel" kollabiert der Verkehr vollends. Außerdem freue ich mich schon auf die Hamburger / Berliner Allee ohne Brücke, dafür aber mit ständigen Störungen des Verkehrsflusses durch die Vorrangschaltung der Stadtbahn. Erst das ECE samt Parkhaus bauen und dann die Autofahrer aussperren. Typisch für die chaotische Rathauspolitik.Glückwunsch Dirk H. – 12.10.09
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