Alexander Felchows Umzug ist den Helfern wahrscheinlich in guter Erinnerung geblieben. Als seine Wohnung in der Kreuzstraße renoviert wurde, standen Fenster und Türen wegen des Farbgeruchs mehrere Tage lang fast durchgehend offen. „Deshalb sind wir am Sonnabend in den Genuss gekommen, zu den Klängen der Jazzmusik am Ballhof zu renovieren“, sagt Felchow.
Dass eine kleine Gruppe von Nachbarn aus einem Haus auf der gegenüberliegenden Straßenseite derzeit eine kritischere Haltung zu den Veranstaltungen auf dem Ballhof einnimmt und nun sogar einen Anwalt eingeschaltet hat, wundert nicht nur den Familienvater, sondern auch viele andere Anwohner. „Ich weiß gar nicht, was hier plötzlich los ist“, sagt etwa Sigrid Otto, die die Kunstgalerie Artforum führt und nun fürchtet, wegen der Absage der restlichen Sonnabend-Jazz-Konzerte für dieses Jahr auch Kundschaft zu verlieren. „Ohne Musik ist es hier ausgestorben, davon haben wir dann auch nichts.“
Der Streit um den Lärm ist nicht neu in dem historischen Viertel, aber er hat sich in den vergangenen Monaten zugespitzt. Dass der Platz seit der Schließung der Ballhofstraße für den Autoverkehr vor mehr als 14 Jahren regelmäßig Austragungsort für Veranstaltungen aller Art ist, daran hatten sich die meisten Anlieger eigentlich gewöhnt. Für viele von ihnen war die Kultur direkt vor der Haustür sogar ein Grund, in die Altstadt zu ziehen. „Jeder, der in dieses Viertel gezogen ist, hat gewusst, dass hier mehr los ist als anderswo. Man ist stolz, hier zu wohnen“, sagt beispielsweise GOP-Chef Dennis Meyer, der im Februar 2008 aus dem Zooviertel in die Kreuzstraße gezogen war.
Natürlich habe sich der eine oder andere immer mal wieder durch irgend etwas gestört gefühlt. Mal war es das Flaschengeklirre am frühen Morgen im „Teestübchen“, dann wieder der Brunnen, der Langschläfern zu früh am Vormittag eingeschaltet wurde. „Bisher haben wir aber immer alles nachbarschaftlich gelöst“, sagt Frauke Frese aus der Kreuzstraße. Deshalb schmerzt es viele, dass die Jazz-Reihe, deren Lautstärke nach Meinung vieler ohnehin eher mit Kammermusik vergleichbar ist, nun ins Visier von Lärmgegnern geraten ist. „Der Ballhof ist die Seele der Altstadt, und die muss schwingen“, meint der Gründer des in der Altstadt ansässigen „Asphalt“-Magazins, Walter Lampe.
1 Sympathiekonzert geplant: In diesem Jahr wird es möglicherweise doch noch ein Jazz-Konzert auf dem Ballhof geben. „Teestübchen“-Besitzer Günther Bohnecke plant für Sonnabend, 29. September, eine Art Solidaritätsveranstaltung für die Musikreihe. Den von der Stadt zur Auflage gemachten Einsatz eines Lärmgutachters wird laut Bohnecke voraussichtlich ein Sponsor finanzieren. „Wir wollen einen amtlichen Richtwert haben, um zu beweisen, dass unsere Jazzmusik nicht zu laut ist“, sagt er.
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Kommentare
Anonym und Feige K. Krause – 14.09.09
Man muß sich doch ernsthaft fragen, wer sich die Frechheit erlaubt, eine Unterstellung dieser Art zu schreiben und dann noch anonym.Glauben Sie wirklich, daß wir Mieter es nötg haben, uns vor einen Karren spannen zu lassen und gebetsmühlenartig die Meinung des Vermieters nachzuplaudern. Hier geht es nicht um Lobbyismus, hier geht es um Kultur und Kulturveranstaltungen. Und dazu haben nunmal sehr viele Bewohner der Altstadt (und nicht nur die in der Kreuzstrasse) die Meinung, daß
a) das Thema Jazz und Lärm nicht in Verbindung steht (und es ging hier einzig und alleine um die Jazzkonzerte)
b) die Konzerte eine Highlight für die Stadt und insbesondere für den Ballhof sind
c) es Zeit war/ist, die positive Einstellung dieser Bewohner auch mal öffentlich darzustellen.
Weiterhin nimmt in diesem Artikel kein Anwohner Partei für Herrn Bohnecke auf. Dies ist auch nicht notwendig. Da Sie sich, wie Sie selbst darstellen, mit dem Rechtsstand gut auskennen, wissen Sie auch, daß jeder am Ballhof Veranstaltungen durchführen kann, der diese beantragt und die Auflagen der Stadt einhält. Somit machen Sie deutlich, daß es Ihnen nicht um den Sachverhalt alleine geht. Es geht hier wohl eher um private Befindlichkeiten gegenüber dem Veranstalter.
Klären Sie diese bitte mit ihm selber und nehmen Sie nicht eine geschätzte Kulturveranstaltungsreihe, die sich über Jahre in Hannovers Altstadt etabliert hat und über deren Grenzen hinweg bekannt ist, als Deckmantel hierfür.
Wildmanns mIeter Oskar – 13.09.09
Am Ende werden sich auch die Mieter von Herrn Wildmann bei den Anwohnern von gegenüber bedanken, dass eben die es erreicht haben, dass im nächsten Jahr Meister Bohnecke auf dem Ballhof nicht alles machen kann, was er will.Opportunismus ahoi !
Hauptsache, Ihr geht am 27. wählen.
Wildmanns Mieter aus der Kreuzstrasse IM – 13.09.09
Herr Schneider hätte mal besser recherchieren sollen, als nur den Mietern von Herrn Wildmann glauben zu schenken, die hier vor seinen Karren gespannt wurden.1. Ist die Beschallung auf deren Seite nicht so, wie am Ballhof. Da hätte er auch jemand aus Ihlten fragen können.
2. Niemand ist gegen die Samstagsveranstaltungen am Ballhof. Die sog. Querulanten haben Akteneinsicht beantragt, mehr nicht.
Das geht eben nur mit einem Anwalt, weil die Stadt einem Normalbürger keine Rechtsauskunft erteilt.
Das dadurch alle weiteren Veranstaltungen von der Stadt abgesagt wurden, ist sehr überraschend, zeigt aber, dass die BallhofKonzerte auf ziemlich dünnem Eis stehen.
3. Herr Bohnecke möchte wieder so viel Veranstaltungen wie früher, dass wieder alles so wird wie 2007.
Das wird er in Zukunft nur noch mit den Anwohnern abstimmen können.
RICHTIG SO !
Auf dem Land.... Andreas – 10.09.09
... ist es auch problematisch. Da könnte ein Hahn krähen oder sonst ein Tier einen Laut von sich geben.Bitte auf´s Land DerGuteRatgeber – 10.09.09
@Wilma:Sehr geehrte Querulantin,
ziehen doch bitte nach Ingeln-Oesselse, Bad Nenndorf oder sonstwo hin. Das ist nicht bös gemeint. Gleichwohl darf ich darauf hinweisen, dass Sie im Herzen einer Großstadt leben. Ich gehe davon aus, dass Sie intellektuell erfassen können, was eine Großstadt auszeichnet. Eben.
Und darum: Bitte nicht meckern, klagen und jammern. Sondern entweder dem Großstadt-Puls folgen (vielleicht ja eine ganz neue tolle Erfahrung für Sie!?) oder bitte auf´s Land ziehen. Ist schön dort. Und ruhig. Sehr ruhig.
Herzliche Grüße
P.S. Ein dickes Dankeschön an die Ballhof-Bewohner! Tut gut, dass auch die normalen Großstadtbewohner mal zu Wort kommen dürfen und das Licht nicht immer nur auf die Nörgler gerichtet wird. DANKE!
Carsten Stupsi – 10.09.09
Bravo Carsten. Ganz meiner Meinung. Musik, Kultur...pulsierendes Leben. Das macht das Bild einer Großstadt. Sollen die Schnarcher doch aufs Land ziehen. Aber, ich wette, da werden sie sich beschweren weil morgens der Hahn kräht...:-))Das war ja... Carsten – 10.09.09
...nur eine Frage der Zeit, bis der erste aus der hannoverschen Querulanten-Fraktion sich einklinkt. Menschen, die Veranstaltungen auch noch befürworten... oh mein Gott, das geht gar nicht. In Hannover wird weder gefeiert noch Geld verdient, in Hannover wird geschlafen. Und basta!Zum Trost meines Vorredners: Ihre Artgenossen gibt es auch in Berlin, und auch dort schaffen sie es immer öfter, Veranstaltern und Teilnehmern öffentlicher Festivitäten die Mundwinkel nach unten zu ziehen. Frei nach dem Motto: wenn ich schon selbst nichts zu lachen habe, soll es auch kein anderer.
Mit Seele ist hier ... WillmaNord – 10.09.09
... doch wohl eher die Geldbörse gemeint. Derzeit bewegt sich Hannover auf Berliner Verhältnisse zu, wo die 24-Stunden-7-Tage-überall-Party fast erreicht ist. Die Begehrlichkeiten der Gastronomie gehen von der Beschlagnahme öffentlichen Straßenraums bis zur Zwangsbedröhnung aller Unbeteiligten, die es wagen, im näheren Umkreis nachts schlafen zu wollen (zu müssen). Und die Stadtverwaltung fördert die Entwicklung durch freigiebige Konzessionen (wo kann man an zentralen Stellen der Stadt z.B. mit einer Zwillingkarre ohne Probleme durchfahren?) und aktives Weghören (am Dienstag der letzten Woche des Maschseefests versuchten einige Wirte durch kräftiges Aufdrehen der Bässe noch Gäste anzulocken). Nicht nur der Hildesheimer OB meint, dass Geld nicht stinkt, solange es in der richtigen Richtung fließt.Wen wundert es da, dass die Anwohner vom Ballhof neuralgisch reagieren. Die Erfahrung zeigt, dass mit der Aussicht auf Gewinne alle scheinbar störenden Grenzen ignoriert werden. Irgendein fadenscheiniger Grund findet sich immer, auf Kosten der Anwohner mehr Gewinn zu machen. Dass es in diesem Falle das relativ harmlose Jazzkonzert getroffen hat, bringt speziell die beteiligten Wirte hoffentlich zum Nachdenken.
..weiter so!!! just me – 09.09.09
..endlich mal leute die sich auch positiv zu dem "jazzlärm" äussern und denen durchaus bewusst ist, dass es in der innenstadt nun mal keine himmlische ruhe gibt.. :-)daumen hoch dafür!
und ich freu mich auf die ersatzveranstaltung. wenn sie denn wirklich am 29. stattfindet bin ich auf jeden fall dabei..
ich hoffe, dass "after hours" spielen und nicht durch anderweitige verpflichtungen verhindert sind!