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Ein ungleiches Pflaster für Familien

Umfrage zur Zufriedenheit Ein ungleiches Pflaster für Familien

Wie zufrieden sind die Familien in Hannover? Eine repräsentative Erhebung untersucht die einzelnen Stadtteile. Die Stadt will ihre Familienpolitik in Zukunft verstärkt nach den Wünschen der Bürger ausrichten.

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Ein Stück Familienfreundlichkeit: Viele Befragte wünschen sich bessere Spielplätze. Hier spielen Kinder auf der Anlage am Edwin-Oppler-Weg in der Nordstadt.Foto: Hagemann

Quelle: Insa Catherine Hagemann

Hannover. Dazu wurden bereits im Sommer 2013 tausende Haushalte im gesamten Stadtgebiet nach ihren individuellen Voraussetzungen und Vorschlägen befragt. In diesem Jahr hat die Stadt Hannover das Ergebnis der umfangreichen Befragung auf die einzelnen Stadtteile bezogen und veröffentlicht. Die Repräsentativerhebung „Familien in Hannover“ zeigt nach Stadtteilen aufgeschlüsselt viele Daten und Fakten, die bei künftigen politischen Entscheidungen helfen sollen.

Grundlage für die Stadtteil-Auswertung sind 9892 Fragebögen mit 51 verschiedenen Fragen. Insgesamt wurden zwar viel mehr Haushalte mit mindestens einem Kind unter 18 Jahren angeschrieben. Aus methodischen Gründen konnten die Statistiker aber nicht alle Rücksendungen für die repräsentative Erhebung verwenden.

Weil die Rücklaufquote für Familien mit Migrationshintergrund zu gering war (20,1 Prozent), konnten diese Fragebögen für die Stadtteil-Auswertung nicht verwendet werden. Die Erhebung berücksichtigt deswegen nur Familien ohne Migrationshintergrund. Abgesehen davon, versichern die Autoren der Studie, ist die Familienstatistik repräsentativ.

„Alleinerziehende sowie Familien mit einem Kind sind innerhalb der Befragung leicht unterrepräsentiert, während Familien mit zwei Kindern leicht überrepräsentiert sind“, schreiben die Statistiker. „Diese Unterschiede liegen aber im Bereich zufälliger Abweichungen und stellen keine systematischen Fehler dar“, heißt es weiter.

Ungleiche Einkommen: Welche Stadtteile wohlhabend und welche eher ärmer sind, zeigt vor allem die Art des Familieneinkommens. Ihr monatliches Einkommen beziehen durchschnittlich 88 Prozent der hannoverschen Haushalte aus Erwerbsarbeit. In einigen Stadtteilen liegt der Wert aber deutlich niedriger. Dazu gehören Vahrenheide, Sahlkamp, Mittelfeld, Mühlenberg, Limmer, Stöcken, Marienwerder und Hainholz.

Die Familienstatistik zeigt auch, wie ungleich das Haushaltseinkommen in Hannover verteilt ist. In Zoo, Lahe, Isernhagen-Süd, Kirchrode, Bult und Waldhausen hat jede zweite Familie ein monatliches Einkommen von mindestens 4000 Euro. Besonders viele Familien mit geringem Einkommen gibt es in Vahrenheide, Stöcken und Hainholz - mehr als 40 Prozent der Haushalte haben hier monatlich weniger als 2000 Euro zur Verfügung. In Mühlenberg sind es sogar 56 Prozent, während der stadtweite Durchschnitt bei 23 Prozent liegt.

Die Unterschiede werden auch deutlich, wenn die Haushalte nach einer Beurteilung ihrer finanziellen Situation gefragt werden. Die meisten Hannoveraner (43 Prozent) bewerten sie als gut oder sehr gut. Besonders glücklich sind die Menschen in Zoo, Lahe, Isernhagen-Süd, Kirchrode, Bult und Waldhausen mit ihrem Einkommen (mehr als 60 Prozent). In Vahrenheide, Mühlenberg, Stöcken und Hainholz findet dagegen nur jeder fünfte Haushalt seine finanzielle Situation gut oder sehr gut. Unzufrieden sind auch viele Familien in Ricklingen und Leinhausen.

Ungleicher Bildungsstand: Auch beim Bildungsstand gibt es riesige Unterschiede zwischen den Stadtteilen. Die Statistiker hatten nach dem höchsten Schulabschluss im Haushalt gefragt und deutliche Abweichungen festgestellt. In Zoo (72 Prozent), Oststadt (70), Isernhagen-Süd (75), Anderten (73) und Bult (76) gibt es außergewöhnlich viele Hochschulabsolventen. Stadtweit gibt es in 54 Prozent der Haushalte mindestens einen Akademiker.

Die Hochschulabsolventen zieht es vor allem in den erweiterten Innenstadtbereich und in den (Süd-)Osten der Stadt. Im nordwestlichen Hannover gibt es deutlich weniger Akademiker. In Vahrenheide, Ricklingen, Mühlenberg, Burg, Leinhausen, Ledeburg, Stöcken und Mühlenberg ist in jedem zweiten Haushalt die Realschule der höchste Schulabschluss. Auffällig ist auch der hohe Anteil an Eltern ohne Schulabschluss oder mit Hauptschulabschluss in Vahrenheide (13 Prozent), Mühlenberg (17) und Hainholz (19). In ganz Hannover verfügen dagegen nur vier Prozent der Haushalte über lediglich einen Hauptschulabschluss oder keine abgeschlossene Schulbildung.

Väter sind Hauptverdiener: In den meisten hannoverschen Familien ist der Vater der Hauptverdiener. In 38 Prozent der Haushalte arbeitet der Vater in Vollzeit, die Mutter in Teilzeit. In Lahe, Kirchrode, Bemerode und Bult (44 oder 45 Prozent) ist dieses Modell besonders beliebt. In den Stadtteilen Calenberger Neustadt, Nordstadt und Hainholz (jeweils 26 Prozent), Mitte (23) und Leinhausen (16) dagegen nicht. Dass nur der Vater erwerbstätig ist (21 Prozent), ist ebenfalls ein weit verbreitetes Modell.

Mütter als Hauptverdiener gibt es stadtweit nur in 13 Prozent aller Familien. Mutter und Vater in Vollzeit gibt es dagegen nur in 8 Prozent der Familien. Da kommt es sogar häufiger vor, dass beide Eltern nicht erwerbstätig sind (12 Prozent).

Ungleiche Wohnverhältnisse: Durchschnittlich ein Drittel der hannoverschen Familien wohnt in Ein- oder Zweifamilienhäusern, fast alle anderen in Mehrfamilienhäusern. Allerdings gibt es nur wenige Stadtteile, in denen sich dieses Verhältnis so finden lässt. Kleefeld, Wülfel, Ricklingen, Burg, Leinhausen und Marienwerder entsprechen ziemlich genau diesem Durchschnitt. In Calenberger Neustadt, Oststadt, Nordstadt und Hainholz wohnt höchstens jede zehnte Familie in einem Einfamilienhaus. Am südöstlichen Stadtrand in Lahe, Isernhagen-Süd und Wülferode zeigt sich ein umgekehrtes Bild.

58 Prozent der Familien wohnen zur Miete, 40 Prozent sind Eigentümer ihrer Wohnräume. Die meisten Mieter gibt es in Calenberger Neustadt, List, Vahrenwald, Südstadt, Linden, Limmer, Herrenhausen, Nordstadt und Hainholz (mindestens 70 Prozent). Die meisten Eigentümer sind in Lahe (87 Prozent), Isernhagen-Süd (78), Kirchrode (70), Seelhorst (69) und Oberricklingen zu finden (68).

Für die Familienstatistik wurde auch nach Umzugsabsichten gefragt. Dabei zeigte sich, dass vor allem die Bewohner von Calenberger Neustadt, Mitte, Vahrenwald, Bemerode, Mittelfeld, Ledeburg und Stöcken lieber in einen ganz anderen Stadtteil ziehen wollen. Stadtrand und Innenstadtnähe sind bei den Wohnungssuchenden dagegen gleichermaßen beliebt. Hannoverweit wollen die Familien aber lieber in ein Einzelhaus umziehen (40 Prozent) und nicht in ein Mehrfamilienhaus (15 Prozent), weiteren 40 Prozent ist der Haustyp egal.

Kita-Betreuung: Unter den 51 Fragen für die Familienstatistik waren auch die Elternwünsche an die Kinderbetreuung für ihre Sprösslinge. Am wichtigsten ist den Befragten die Nähe der Kindertagesstätte zum Wohnort (87 Prozent). Ebenfalls wichtig sind den Eltern die Bewegungsangebote (85), Außengelände (84), pädagogisches Konzept (77), gute Vorbereitung auf die Grundschule (76), Angebote kultureller Bildung (75) und ein flexibler Aufnahmetermin im Laufe des Jahres (72). Weniger wichtig sind den Eltern offenbar Betreuungszeiten am Wochenende (10 Prozent), spezielle Ernährungsangebote (11), Mehrsprachigkeit (12) und kürzere Betreuungszeiten als bei einem Ganztagsplatz (14). Auch das religiöse und das weltanschauliche Konzept findet nur jeder fünfte Befragte wichtig.

Die Anforderungen an die Wunschkita sind stadtweit sehr ähnlich, auffällige Abweichungen gibt es nur selten. Außerdem lässt sich dabei nur selten ein Muster erkennen. Beispielsweise wünschen sich die Eltern in Vahrenheide (21 Prozent) ebenso sehr eine mehrsprachige Kinderbetreuung wie die Eltern in Bult (22 Prozent). Stadtweit möchten das nur 12 Prozent der Eltern.

Familienfreundlichkeit: Um die Familienfreundlichkeit der einzelnen Stadtteile zu verbessern, gibt es ganz unterschiedliche Vorschläge an die Stadt. Mehr Freizeit-, Bildungs-, Kultur- und Sportangebote wünschen sich die meisten Hannoveraner - insbesondere die Familien in Sahlkamp, Bemerode, Wettbergen, Limmer, Herrenhausen und Leinhausen. Auf Platz zwei steht die Verkehrssicherheit. Sie ist vor allem in Bothfeld, Lahe, Isernhagen-Süd, Waldhausen, Linden und Limmer sowie Nordstadt ein Thema. Bessere Spielplätze sind ebenfalls sehr gefragt. Den größten Bedarf sehen hier die Familien in Calenberger Neustadt, Vahrenheide, Wülfel und Mühlenberg.

Auffällig sind die Wünsche nach mehr Hortplätzen in Zoo, Oststadt und List. Die Befragten in Vahrenheide, Döhren, Ledeburg und Vinnhorst dringen sehr auf finanzielle Vergünstigungen für Familien. Mehr Ganztagsschulen werden vor allem in Waldhausen, Burg und Vinnhorst nachgefragt. Und günstigere Üstra-Fahrpreise wünschen sich insbesondere die Familien in Lahe, Waldhausen, Mittelfeld und Badenstedt.

Von Christian Link

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