Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt So ist die Unterrichtsversorgung in Hannovers Schulen
Hannover Aus der Stadt So ist die Unterrichtsversorgung in Hannovers Schulen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 12.03.2017
Von Saskia Döhner
Quelle: Jan Philipp Eberstein
Hannover

Lehrer bleiben verzweifelt gesucht - das belegt die amtliche Statistik zur Unterrichtsversorgung, die das Land Niedersachsen jetzt für die einzelnen Standorte vorgelegt hat. Danach wiesen zu Beginn des laufenden Schuljahres in der Stadt Hannover neun Schulen Werte von unter 95 Prozent auf. Der Landesschnitt liegt bei 98,9 Prozent, am besten schneiden Grundschulen mit 100,8 Prozent und Gymnasien mit 99,8 Prozent, am schlechtesten Förderschulen (95 Prozent), Oberschulen (95,8) und Hauptschulen (96,3).

Schlusslicht der Tabelle ist in Hannover mit einer Unterrichtsversorgung von 87,6 Prozent die Pestalozzischule in Anderten, eine der wenigen verbleibenen Hauptschulen, die seit vergangenem Sommer Oberschule ist. Mittlerweile habe sich die Lage „ein wenig entspannt“, sagt Schulleiter Rainer Lubert. So konnte Ende November eine Seiteneinsteigerin für das Fach Deutsch eingestellt werden. Zudem kam Anfang Januar eine zusätzliche Lehrkraft, um Flüchtlingskindern ohne Deutschkenntnisse die Sprache beizubringen. „Trotzdem ist unsere Versorgung noch nicht ausreichend“, betont der Rektor. Für das neue Schuljahr ist er aber optimistisch: Dann kommen einige erfahrene Pädagogen von auslaufenden Haupt- und Realschulen, weitere Neueinstellungen seien geplant. „Insgesamt können wir also nach einer Durststrecke erwartungsvoll in das nächste Schuljahr blicken.“

Nicht viel besser waren im vergangenen Sommer die Realschule Misburg (91,6 Prozent) und die Goetheschule (92,2). Die Angaben seien veraltet, sagt Jens Bormann von der Realschule Misburg, es sei nachgesteuert worden. Nach Auskunft der Landesschulbehörde sind mittlerweile zwei Pädagogen aus Elternzeit und Sabbatjahr zurück, Sprach- und Vertretungslehrer seien eingestellt worden. Nun sei die Schule ganz gut versorgt.

Pflichtunterricht hat Priorität

Trotz der schlechten Quote sei der Pflichtunterricht immer in vollem Umfang erteilt worden, unterstreicht Michael Schneemann, der neue Leiter der Goetheschule. Auch die Arbeitsgemeinschaften und der Ganztag seien langfristige Angebote, die eine verlässliche Planung brauchten, daher stehe die Schule hier bei den Eltern im Wort. Seit dem Stichtag im August seien an dem Gymnasium zudem fünf neue Lehrer eingestellt worden.

Unter 95 Prozent Unterrichtsversorgung lagen anfangs auch das Abendgymnasium (92,3), die Gerhart-Hauptmann-Realschule (92,4), die Grundschule Kronsberg (92,6), die Herschelschule (93,1), die Grundschule Stammestraße (94,6) und die Pestalozzi-Grundschule (94,9).

Lage hat sich inzwischen entspannt

Mittlerweile sei die Lage aber besser, geben die Schulleiter an. Langzeiterkrankte Pädagogen seien wieder im Dienst und schwangere Kolleginnen, die ein Beschäftigungsverbot hatten, wurden durch Vertretungskräfte ersetzt. Der Pflichtunterricht sei aber immer voll erteilt worden, Kürzungen gab es mancherorts beim Sprachunterricht für Flüchtlinge, bei der Hochbegabtenförderung oder im Ganztagsangebot.

Damit Stundenausfall wirklich möglichst vermieden werden kann, sei eine Unterrichtsversorgung von 105 Prozent nötig, fordern Bildungsverbände seit Jahren. „Alle Lehrer sind nie da“, sagt Klaus Ihl von der Gerhart-Hauptmann-Realschule. Wenn Lehrer fehlten, weil sie krank, auf einem Seminar oder in einem Projekt eingebunden seien, müssten Kollegen einspringen. Die häuften dann Überstunden an, die dann auch irgendwann wieder ausgeglichen werden müssten.

Tatsächlich spüren etwa Schüler von den zwei Poolstunden pro Klasse in den Jahrgängen 5 bis 10, die Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) eingeführt hat, etwa für die individuelle Förderung, nicht allzu viel. Sie verschwinden im Stundenplan. Etwa um klassenübergreifende Kurse im Religionsunterricht oder Wahlpflichtunterricht sicherzustellen.

Wie viele Stunden fallen wirklich aus?

Die Zahlen zur Unterrichtsversorgung werden immer an einem Stichtag zu Beginn des Schuljahres erhoben, dieses Mal war es der 18. August 2016. Sie spiegeln das Verhältnis von Lehrer-Soll- zu Lehrer-Ist-Stunden wider. Zu den Lehrer-Soll-Stunden gehören neben den Pflichtstunden, die laut Stundentafel erteilt werden müssen, auch die Zuschläge für Ganztag und Inklusion sowie die Poolstunden (jeweils zwei pro Klasse von Jahrgang fünf bis zehn). Nicht erfasst wird in der Erhebung der tatsächliche Ausfall, wenn Pädagogen krank oder schwanger werden, auf Fortbildung oder in Elternzeit sind. Der tatsächliche Stundenausfall wird nicht erfasst. Der FDP-Bildungsexperte im Landtag, Björn Försterling, fordert mehr Transparenz. Eltern hätten ein Recht auf diese Information, es sei ärgerlich, dass die Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) diese Daten nur „zähneknirschend und später als nötig“ rausrücke.

Kommentar: Echten Ausfall ermitteln!

Welche Aussagekraft hat ein statistischer Wert von 95 Prozent Unterrichtsversorgung, erhoben Mitte August zu Beginn des Schuljahres, veröffentlicht Ende Februar, wenn das zweite Halbjahr schon vier Wochen alt ist? So gut wie gar keine. Schon gar nicht lässt sich daraus ableiten, wie viele Stunden wirklich ausfallen.

Genau das wird aber nicht ermittelt, obwohl viele Elternvertreter das seit Langem fordern. Es wird Zeit, endlich den tatsächliche Ausfall an den einzelnen Standorten festzuhalten. Ausfall ist das eine, Vertretung das andere. Schulen brauchen ein vernünftiges Vertretungskonzept – dass die Mathestunde vom Musiklehrer übernommen wird, sollte dabei wenn möglich die Ausnahme sein.

Von Saskia Döhner

Die „Stilllegung“ von Förderschulen mit dem Schwerpunkt „Lernen“ im Zuge der Inklusion geht in die letzte Runde. Die Stadt will Schulen aus Oberricklingen und dem Heideviertel in der Albrecht-Dürer-Schule zusammenlegen.

09.03.2017

Großräumige Absperrungen und Maschinenpistolen-Streifen: Mit einem neuen Konzept wollen Polizei und Stadt Großveranstaltungen in Hannover besser vor möglichen Anschlägen schützen. Die Eckpunkte wurden am Donnerstag im Rathaus vorgestellt. Sie betreffen Schützenfest, Marathon und Maschseefest in diesem Jahr.

Andreas Schinkel 09.03.2017

Um einen fünfstelligen Betrag hat ein falscher Makler ein Ehepaar in Hannover erleichtert, das zwei Häuser in Braunlage verkaufen wollte. Die Polizei sucht den Mann nun mit einem Phantombild.

09.03.2017