Liebe Frau Enke, liebe Familie Enke,
der Weg innerhalb einer Woche von der Tribüne am vergangenen Sonntag hier heute an diesem Sonntag herunter auf den Rasen ist wie Sie ja wissen für mich auch kein leichter Weg. Aber ich bin nicht allein gekommen. Mit mir sind hier Ihre Verwandten, Freunde, Teamkameraden, und Weggefährten Ihres Mannes, aus Sport, Politik und Gesellschaft. Menschen aus Hannover, aus Deutschland und aus vielen Ländern, in denen Robert Enke seine Spuren hinterlassen hat.
Und dann sind hier im Stadion Tausende, auch am Rundfunk und an den Fernsehbildschirmen, die ihn oft gar nicht persönlich kannten, und die sich ihm doch sehr verbunden fühlten und gefühlt haben über Jahre hinweg – seine Fans.
„Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht“, so haben Sie, liebe Frau Enke, in Ihrer Traueranzeige geschrieben. Vieles ist in den letzten Tagen über Robert Enke gesagt, geschrieben und gesendet worden. Und wenn das, was da zu hören oder zu lesen, immer positiv und lobend war, so ist das, so glaube ich, hundertprozentig ehrlich gemeint, offenbart aber auch die Fassungslosigkeit derer, die sich äußern.
Der Tod Ihres Mannes war nicht bloß ein beherrschendes Thema in den Medien und Gesprächen, sondern ein viel tiefer geschehenes Ereignis, das unsere menschliche Substanz berührt hat.
Ich glaube, es gibt niemanden, der Robert Enke nicht alles Gute gegönnt hätte. Er war nicht nur ein Idol, sondern für viele ein Ideal, ein ideales Vorbild. Aber das, so glaube ich, vermag nicht, die Anteilnahme und die tiefen Gefühle der zahllosen Fans und Freunde von Robert Enke zu erklären.
Mit Ihrem Mut haben Sie, Frau Enke, uns erst den ganzen Menschen Robert Enke gezeigt. Und so überhaupt erst wahre Anteilnahme ermöglicht. Und das macht für mich deutlich, nicht nur Erfolg, nicht nur Leistung, Ruhe, Stabilität und Autorität, nicht nur Fröhlichkeit und positive Ausstrahlung, machen den Menschen zum Menschen. Misserfolg, Krankheit, Niederlagen, aber auch Schicksalsschläge gehören dazu. Und das sind keine Schwächen, die man wegtrainieren kann, auch wenn unsere Gesellschaft das oft von uns verlangt.
Aber dürfen wir uns nicht so wie wir sind in der Liebe unserer Angehörigen, unserer Freundinnen und Freunde, und letztendlich auch in der Liebe Gottes angenommen fühlen?
Nehmen wir nun Abschied von Robert Enke.
Zum Abschluss der Trauerfeier:
Robert Enke war ein großartiger Mensch, seine Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, seine Offenheit gegenüber anderen Menschen und besonders den Kindern zeigen uns, wie sehr Robert Enke das Leben liebte, und daher dürfen wir vertrauen darauf, dass er auch nach seinem Tod von Gott geliebt und angenommen ist. Er hat sein Dasein hier bei uns beendet, aber nicht sein Leben, das Gott ihm geschenkt hat.
...Gebet...(Vater Unser)
Liebe Teamkollegen, liebe Spieler von 96, Kollegen von Robert Enke. Ich wende mich an Sie zum Schluss, an Euch. Die nächsten Trainingseinheiten, die Spiele werden für Euch nicht leicht, besonderen auch für den, der Robert zwischen die beiden Pfosten folgen wird. Auf einmal fehlt da jemand, so hat jemand von Euch gesagt, der uns zeigte, was Ruhe sein kann vor und nach den Spielen. Der aber auch mal sagen konnte, wo’s langgeht. Es fehlt uns ein Freund, das war auch vorhin zu spüren bei Euch in der Kabine.
Wir, Eure Fans, spüren das, wie Ihr Euch fühlt, und Ihr könnt auf unsere Unterstützung zählen. Robert Enke war in vielerlei Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung. Und der Mensch Robert Enke ist nicht zu ersetzen. Nun aber möchte ich Euch bitten, Euren Mannschaftskapitän ein letztes Mal aus diesem, seinem Stadion zu begleiten.
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