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Die Umweltzone reicht nicht - und was nun?

Hohe Stickoxidwerte Die Umweltzone reicht nicht - und was nun?

Hannover muss seine Luft drigend säubern. Um die Lage allgemein zu verbessern, hält die Umweltministerkonferenz sechs neue Maßnahmen für wirkungsvoll. Die Stadt sagt bisher aber nicht, welche sie davon möglicherweise umsetzen wird. Dabei drängt die Zeit.

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Dieselfahrzeuge sind beim Stickoxid die Belastungsquelle Nummer eins.

Quelle: Burkert

Hannover. Stickoxid reizt Augen und schädigt Atemorgane. Weil in Hannover wie in anderen Städten messbar zu viel davon in der Luft schwebt, fordert die Europäische Union Maßnahmen, die über die geltende Umweltzone hinausgehen. „Es gibt keine konkrete Frist. Wir müssen aber schnell nachweisen, dass wir handeln“, sagt Rudi Zimmeck, Sprecher des Landesumweltministeriums.

Laut Umweltbundesamt geht die Stickoxid-Verpestung zu 60 Prozent auf das Konto des motorisierten Verkehrs und dabei wiederum zu zwei Dritteln auf das der Dieselfahrzeuge. Eine weitere nennenswerte Quelle sind Kamine. Für die Belastung spielt auch die Geografie eine wesentliche Rolle. Stuttgart als Deutschlands Smog-Stadt Nummer eins liegt im Gegensatz zu Hannover in einem Talkessel. Um die Lage allgemein zu verbessern, hält die Umweltministerkonferenz sechs neue Maßnahmen für wirkungsvoll. Die Stadt sagt bisher nicht, wohin die Reise gehen soll.

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Immer noch zu viel Stickoxid - die Umweltzone reicht nicht. Was jetzt?

Einführung einer neuen Umweltplakette: Bisher gibt es drei, wobei nur die grüne uneingeschränkt zum Befahren von Umweltzonen berechtigt. Mit einer weiteren würden mehr Fahrzeuge aus den Städten ausgesperrt. Erprobt worden ist das in Deutschland noch nie.

Emissionsunabhängige Verkehrsbeschränkung: Heißt im Klartext, dass zu Zeiten erhöhter Luftbelastung an einem Tag nur Autos mit geraden Endziffern des Kennzeichens in die Umweltzone dürfen, am nächsten dann nur solche mit ungeraden. Auch das ist in Deutschland noch nie praktiziert worden, wohl aber im vergangenen Jahr in Städten wie Rom und Paris. Für die französische Hauptstadt gab es messbare Erfolge: Mit einem Schlag sank die Stickstoffkonzentration in der Luft um 20 Prozent.

Intelligente Citymaut: Autofahrer zahlen, wenn sie in Innenstädte wollen - je höher der Schadstoffausstoß ihres Fahrzeugtyps, desto höher der Betrag.

Steuern und Subventionen: Die weiteren Punkte auf der Liste sind nur umsetzbar, wenn der Bund Gesetze ändert. Es geht darum, Steuervorteile für Dieselkraftstoff zu streichen, emissionsarme Autoantriebe zu fördern und die Lastwagen-Maut fortzuschreiben. Unabhängig davon stehen den Städten jetzt schon Mittel zur Verfügung.

Radverkehrsförderung: Klar, wer sein Auto stehen lässt, verpestet die Luft nicht. In Hannover ist es längst politisches Ziel, den Radverkehrsanteil zu steigern. Die Einschätzungen über die Qualität der Anstrengungen gehen auseinander. Die Stadt sieht sich auf einem guten Weg, Umwelt- und Fahrradverbänden, aber auch Politikern der Grünen reichen die Maßnahmen nicht aus.

Fahren für saubere Luft: Klingt putzig, ist aber so. Je steter der Verkehr rollt, desto geringer ist der Schadstoffausstoß. Hannovers FDP kritisiert die rot-grüne Ratsmehrheit, die mit autofeindlichen Maßnahmen etwa bei der Ampelregelung Staus im Stadtgebiet provoziert habe. In Berlin haben sich Versuche mit Tempo-30-Regelungen auch auf großen Straßen als wirksam erwiesen; generell gilt dies auch für die grüne Welle für Autofahrer an Ampelkreuzungen. Diese erweist sich in Hannover als schwer kompatibel mit der Vorrangschaltung für den Nahverkehr.

Handlungsbedarf wird akzeptiert

In Hannover hält sich der Ärger über eine mögliche Verschärfung der Umweltzone in Grenzen. Die Handwerkskammer räumt Handlungsbedarf ein. „Wir müssen vor allem schauen, welche Fahrten vermieden werden können“, sagt Frank-Peter Ahlers, Abteilungsleiter Umweltschutz. Er hofft auch, dass mehr Handwerker auf E-Autos oder gasbetriebene Fahrzeuge umstellen. Erforderlich seien mehr Ladestationen. Die Kammer sorgt sich, dass sich Land und Stadt weitere, letztlich unwirksame Vorschriften ausdenken. „Die Umweltzone hat zwar beim Feinstaub gewirkt, aber bei Stickoxiden nicht“, sagt Ahlers.

Der ADAC ist sich ebenso darüber im Klaren, dass es ohne Maßnahmen nicht geht. „Auch den Lieferverkehr müssen wir anschauen“, sagt Sprecherin Christine Rettig. Bei gewerblichen Fahrzeugflotten sei eine Umstellung auf E-Mobilität sinnvoll. Von Tempolimits hält sie nichts; für Hannover findet sie auch Fahrverbote überzogen. „Stattdessen sollte man mit attraktiven Preisangeboten den Nahverkehr fördern.“ Dem schließt sich die Bürgerinitiative Umweltschutz (BIU) an. Sprecher Ralf Strobach setzt zudem auf den Radverkehr. Dort gebe es in Hannover noch Verbesserungsbedarf. Die Stadt müsse in dem Bereich noch mehr unternehmen. asl

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