Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Die Vollgas-Fraktion an der Oper

PS-Protzer-Szene Die Vollgas-Fraktion an der Oper

Die PS-Protzer-Szene von Hannover, die es laut Polizei gar nicht gibt, dreht auch am Sonntag munter Runden um die Oper. An die Lärmbelästigung haben sich viele der Händler bereits gewöhnt. Viele Autotuner ärgert, dass schwarze Schafe die Szene immer wieder in Verruf bringen.

Voriger Artikel
Das war das Wochenende in Hannover
Nächster Artikel
Linden feiert sein "Blaues Wunder"

PS-Parade an der Oper: Porsche Cayman S.

Quelle: Alexander Körner

Hannover. Gelangweilt schauen die Jugendlichen den dunklen Wagen hinterher. Dem BMW X5, dem aufgemotzten Golf. Selbst dem alten Alfa Romeo Spider, der am Sonnabend elegant die Straße An der Börse entlanggleitet. Kurz darauf greift die komplette Gruppe jedoch wieder zur Kamera. Ohne zu wissen, was sie gleich fotografieren werden. Noch hören sie nur das kraftprotzende Röhren eines Motors. Es kündigt an: Gleich kommt ein besonderer Wagen um die Ecke. Einer, der es wert ist, fotografiert zu werden. Der Bolide: ein Audi R8, Samoa Orange. Serienmäßig ohne Extras kostet der 540-PS-Wagen schon mehr als 150 000 Euro. Ein Traumauto, von dem die meisten Carspotter - so nennen sich die Autofans mit den Kameras - noch lange, wenn nicht sogar für immer nur träumen können. Zu teuer für sie. Außerdem haben sie altersbedingt noch gar keinen Führerschein. Deshalb Fotos. Und Tagträume von Ferraris, Aston Martins oder einem Lamborghini Murcielago.

Der Murcielago ist der Wagen, mit dem ein bisher unbekannter Mann am Sonnabend vor einer Woche von der Schmiedestraße nach links auf die Karmarschstraße abbog, gejagt von einem weißen Porsche, und so viel Gas gab, dass er die Kontrolle über den Wagen verlor. Das 150 000 Euro teure Auto raste auf die Gegenspur, erfasste und verletzte eine Radlerin leicht und prallte gegen drei geparkte Wagen. Anschließend flüchtete der Unfallverursacher. Der Porsche-Fahrer hatte am Platz der Weltausstellung gewendet und den Crash-Piloten einsteigen lassen. Die Polizei fahndet seitdem ohne Erfolg nach den beiden Männern, die sich wegen Gefährdung des Straßenverkehrs, fahrlässiger Körperverletzung, Unfallflucht sowie Strafvereitelung verantworten müssen.

Von einer Szene von Besitzern von teuren Sportwagen, die regelmäßig um die Oper und die City kurven, so hieß es von der Polizeiinspektion Mitte sogleich, wisse man nichts. Die Carspotter wissen’s besser. Und die Geschäftsleute an der Strecke ebenfalls.

„Für uns gehört das zum Stadtbild“, sagt Martin Prenzler, Geschäftsführer der City-Gemeinschaft. „Es gibt einfach Menschen, die ein teures Auto haben und dafür auch die entsprechende Aufmerksamkeit haben wollen.“ Dafür eignet sich - aus der Sicht der PS-Protzer - der Bereich rund um die Oper und die Karmarschstraße gerade am Wochenende sehr gut. Um ganz sicherzugehen, dass auch wirklich alle gucken, heulen regelmäßig die Motoren auf.

An diese Lärmbelästigung haben sich viele der Händler bereits gewöhnt. „Natürlich ist es nervig, wenn man den ganzen Tag bei offener Tür an der Kasse steht und ständig den Motorenlärm hat“, sagt auch Walter Treppmacher, Geschäftsführer der Buchhandlung Decius an der Marktstraße, und fügt an: „Viel schlimmer ist aber die Gefahr, die von den Rasern ausgeht.“ Die Ampel direkt vor seinem Geschäft fungiere immer wieder als Startsignal für Auto-, aber auch Motorradfahrer, die Vollgas geben und die Karmarschstraße entlangschießen. Einer der prominentesten Verkehrsrowdys ist der ehemalige 96-Profi Thomas Brdaric, der sich 2006 in seinem roten Porsche mit seinem Nebenmann an der Ampel ein Rennen lieferte. Brdaric stand auf der Linksabbiegerspur, zog aber geradeaus an seinem Nebenmann vorbei, setzte sich vor diesen, bremste ihn aus. Es gab einen Unfall mit Blechschaden - und eine empfindliche Strafe für Brdaric.

Unnützes Hin- und Herfahren

Nach Paragraf 30 der Straßenverkehrsordnung können Autofahrer mit einem Bußgeld von bis zu 20 Euro belangt werden, die andere Personen „durch unnützes Hin- und Herfahren mit dem Fahrzeug innerhalb einer geschlossenen Ortschaft“ belästigen. Umweltschutzgesetze sowie Sonn- und Feiertagsfahrverbot verbieten ebenfalls unnötigen Lärm und vermeidbare Abgasbelästigungen. Insbesondere das unnötige Laufenlassen von Fahrzeugmotoren und das laute Zuschlagen von Autotüren ahndet der Gesetzgeber. 

„So etwas, genau wie die Aktion des Lamborghini-Fahrers, würden Auto­tuner nie machen“, sagt Deniz Sahin. Der junge Mann gehört zu Hannover Hardcore. So nennt sich einen Zusammenschluss von Autotunern. „Keiner von uns würde so leichtfertig das Risiko eingehen, seinen Führerschein zu verlieren“, sagt Sahin. Es ärgert ihn, dass schwarze Schafe wie der Lamborghini-Bruchpilot seine Szene immer wieder in Verruf brächten. „Natürlich zeigen wir auch unsere Autos und drehen mal eine Runde durch die Innenstadt“, sagt Sahin. Wenn man aber beweisen wolle, wie viel PS man unter der Haube habe, dann treffe sich die Szene bei speziell organisierten Rennen wie dem Race 1000: Flugplatz Neuhardenberg östlich von Berlin, abgesperrte Landebahn, gesicherte Strecke. „Das sind dann aber meistens Leute, die ihr Auto selbst getunt haben“, sagt Sahin.

Viele der Unfälle hingegen würden von Fahrern mit teuren Sportwagen verursacht, die nicht zur Tuningszene gehören, meist sogar ihr Auto nur geliehen haben. 2011 beispielsweise kam der 23 Jahre alte Beifahrer eines Ferrari F430 Spider bei einem Unfall auf dem Messeschnellweg ums Leben. Der 24 Jahre alte Fahrer, Mitarbeiter einer Event-agentur, sollte den Wagen nur nach Hannover überführen, machte dann aber eine illegale Spritztour mit seinem Freund.

Anfang 2012 wurde er vom Landgericht zu einem Jahr Haft auf Bewährung sowie 15 Monaten Führerscheinentzug verurteilt.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr Aus der Stadt
Es war einmal in Hannover. Aber wo?

Auf in eine neue Runde: Sie kennen sich in Hannover aus? Zeigen Sie es! Schauen Sie sich die historischen Stadtansichten an, und erraten Sie, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Direkt hinter dem historischen Foto sehen Sie die Auflösung – in Form eines aktuellen Vergleichsbildes.

Feuer in der Mülldeponie in Lahe

In der Mülldeponie in Hannover-Lahe hat es in der Nacht zum Freitag gebrannt. Bis zu zehn Metern hoch gestapelter und geschredderter Müll war auf einem 20 mal 40 Meter großen Areal in Brand geraten.