Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Dorthin, wo die Besten sind
Hannover Aus der Stadt Dorthin, wo die Besten sind
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:27 21.08.2015
Von Uwe Janssen
Naturkatastrophen, Altkanzler Gerhard Schröder privat oder die aktuelle Weltpolitik mit Bundeskanzlerin Angela Merkel: Die Fotografen von Visum sehen sich mit ihren Arbeiten auch als Autoren. Quelle: Visum
Hannover

„Wir wollen in der Nähe der jungen Fotografen arbeiten“, sagt Büllesbach. Die älteste deutsche Fotoagentur, 1975 an der Essener Folkwangschule gegründet, hat auf dem ehemaligen Gelände der Hanomag in Linden Büroräume gemietet, in der Halle 96, einer Kreativzelle, in der auch einige Absolventen des Studiengangs Fotojournalismus und Dokumentarfotografie Quartier bezogen haben. Aber auch Grafiker, Mediengestalter und andere einfallsreiche Köpfe aus dem Bereich visuelle Kommunikation.

Für Büllesbach das perfekte Umfeld, um auch der Arbeit seiner Agentur frische Impulse zu verschaffen. Kann nicht schaden. Denn auch an Visum, das Mitte der Siebzigerjahre als hoch ambitioniertes Fotostudentenprojekt unter den Fittichen von Otto Steinert zwischen Fotokunst und Journalismus startete, ist der grundlegede, rapide Wandel der Fotografie nicht spurlos vorbeigegangen. Damals hatten André Gelpke, Rudi Meisel und Gerd Ludwig Visum gegründet, um vielleicht in Deutschland, vielleicht gar in Europa zu werden, was die Elite-Agentur Magnum in Amerika war – eine Referenzgröße für Fotografie.

Doch schon im Gründungstrio trat der Grundkonflikt zwischen Journalismus und Kunst offen zutage. Gelpke stieg 1979 im Richtungsstreit aus. Doch mit dem Umzug in die Medienmetropole Hamburg kamen die Aufträge, Titelfotos und lange Bilderstrecken für große Magazine wie „Spiegel“, „Stern“ und „Geo“ waren eher die Regel als die Ausnahme. Visum war eine große Nummer im analogen Fotomarkt, auch, weil immer mehr Printmedien in Farbe druckten, was Visum mit seinen qualitätsbedachten Profifotografen enorm in die Karten spielte. „Die Visum-Fotografen haben sich immer auch als Autoren verstanden“, sagt Büllesbach.

Dann kam die Digitalisierung. Und alles wurde anders. So, wie Visum in den Siebzigern vom Fortschritt profitiert hatte, so schwer war es, in der ständig steigenden Bilderflut mitzuschwimmen.
Fotolia und andere Discount-Riesen der Branche haben im durchdigitalisierten globalen Geschäft kommerziell das Ruder übernommen, was auch auf Exklusivität bedachte Agenturen zu spüren bekommen haben. Die Bildagentur-Industrie sei in einer schweren Strukturkrise: „Die großen Anbieter verfolgen ein anderes Geschäftsmodell, sie machen es über Masse, mit Abonnements und Flatrates“, sagt Büllesbach, „wir müssen uns absetzen, indem wir zu unseren Wurzeln zurückkehren, zum Journalismus. Und zu Autoren.“ Wie es die Gründerväter waren.

Meisels große Themen wurden die Straßenfotografie und die beiden Deutschlands, er stellt in diesem August in der großen Hauptstadtgalerie c/o Berlin aus. Gerd Ludwig wurde weltberühmt, als er vor allen anderen ausländischen Journalisten das Kraftwerk Tschernobyl nach der Katastrophe fotografierte. Heute arbeitet er für National Geographic und ist ein regelmäßig und gern gesehener Gast beim Fotonachwuchs an der Hochschule Hannover.

Genau dort sucht Büllesbach in Hannover nun eine Zukunft für die Agentur. „Die großen Fotogeschichten entstehen heute im freien Kontext, nicht im Auftrag. Und wenn man sieht, wie viele Arbeiten von hannoverschen Studenten oder Absolventen veröffentlicht werden, welche hochklassigen Preise sie gewinnen – das ist wirklich nicht ohne.“
 

Weitere Informationen zum Thema finden Sie im Internet unter visum-reportagen.de

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Aus der Stadt Zu hohe Belastung für Asphalt - Neuer ZOB hat schon wieder Schäden

Hannovers neuer Busbahnhof ist noch kein Jahr alt, da tun sich schon die ersten Schäden auf. In der Asphaltdecke klaffen Löcher: Die schweren Fernbusse reiben beim Bremsen krümelweise den Asphalt weg. Die Stadt lässt derzeit prüfen, wie die Schäden beseitigt werden können, ohne den Betrieb am Busbahnhof aussetzen zu müssen.

24.08.2015
Aus der Stadt „Our Mission is to help – Unsere Mission ist es, zu helfen“ - Sophia hilft Flüchtlingen mit Musik

„Our Mission is to help – Unsere Mission ist es, zu helfen“, das weiß die elfjährige Sophia aus Kirchrode schon ganz genau. Mit einem selbst geschrieben Rap-Song auf der Internetplattform Youtube macht sie die Situation der Flüchtlinge zum Thema.

21.08.2015

Seit 15 Monaten zelten Menschenrechtsaktivisten aus Afrika in der Innenstadt. Sie wollen protestieren, aber nicht verhandeln. Hannover hat angesichts der wachsenden Flüchtlingszahlen andere Sorgen, meint Conrad von Meding.

24.08.2015