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Aus der Stadt Die ehemalige Meierei verfällt
Hannover Aus der Stadt Die ehemalige Meierei verfällt
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21:55 17.08.2009
Von Andreas Schinkel
Im Detail zeigen sich die Mängel, wie hier die brüchigen Fensterrahmen. Quelle: Rainer Surrey

Wie eine Tropfsteinhöhle mutet der Keller an, Farbe und Putz hängen in Fetzen vom Deckengewölbe, es riecht nach Feuchtigkeit. „Das sieht schon seit Jahren so aus, trotz unserer Beschwerden beim Eigentümer“, sagt Ottokar Holm. Zusammen mit seiner Frau wohnt er bereits seit 30 Jahren im Haus Nummer 7 an der Alten Herrenhäuser Straße. Ein Schmuckstück ist die ehemalige königliche Meierei, mit ihrem Fachwerk, den Giebeln, kleinen Fenstern und dem tief heruntergezogenem Dach – zumindest von außen betrachtet. Doch in den Mietwohnungen zeigt sich, dass das historische Gebäude allmählich verfällt. Wasserschäden, Schimmel, Löcher im Dach und sogar ein eingebrochener Fußboden machen den Bewohnern zu schaffen. Den Eigentümer, eine Fondsgesellschaft, scheint der Zustand des denkmalgeschützten Gebäudes bisher wenig zu interessieren.

Die Fondsgesellschaft lässt die Alte Meierei in Hannover-Herrenhausen verkommen.

Jahrzehntelang befand sich das Haus im Besitz der Gesellschaft für Bauen und Wohnen (GBH). Vor vier Jahren wurde das Gebäude dann zusammen mit weiteren 2500 Wohneinheiten an die Fondsgesellschaft „Candle Power“ verkauft. Damals begannen als „Heuschrecken“ verschriene Investmentgesellschaften auf dem hannoverschen Immobilienmarkt Geschäfte zu machen. Eine Zeit lang kümmerte sich die GBH noch um die Verwaltung der alten Meierei, dann gab sie diese Aufgabe an die Firma Krüger Immobilien ab. Auf die sind die Mieter bis heute nicht gut zu sprechen.

Als Sturm „Kyrill“ vor zwei Jahren über Hannover hinwegfegte, rüttelte er auch an der alten Meierei in Herrenhausen. Große Teile des Dachs wurden damals abgedeckt. „Die Dachdecker, die geschickt wurden, sagten mir, sie müssten eigentlich mehr machen, bekämen aber nicht das Geld dafür“, erzählt Mieter Thomas Schreiner. Jetzt regnet es an vielen Stellen durch, sodass die Mieter Eimer auf den Dachboden stellen müssen. Der Vorfall steht exemplarisch für den Eindruck, den die Mieter vom Eigentümer und seiner Verwaltungsgesellschaft bekommen haben: Es wird bestenfalls notdürftig repariert, aber notwendige Sanierungen bleiben aus. „Nebenan wird das Schloss neu aufgebaut, und hier schafft man es nicht einmal, das historische Erbe zu erhalten“, sagt Bewohnerin Renate Holm verbittert.

Das soll sich jetzt ändern. Vergangenen Monat hat die Gesellschaft Treureal die Verwaltung der ehemaligen Meierei übernommen. Zumindest der Schimmelbefall in einigen Wohnungen sei ihnen bekannt, sagt Dirk Tönges, Geschäftsführer der Treureal Property GmbH. „Wir werden vor Ort mit den Mietern reden“, verspricht er. Auch die Fondsgesellschaft sei bereit, die Schäden zu beseitigen. Von einigen Beanstandungen hat Tönges aber angeblich noch nichts gehört.

So musste der Musiker Vukan Milin vor eineinhalb Jahren seine Wohnung verlassen und eine Etage tiefer ziehen, weil der Küchenboden abgesackt ist. Seitdem hat sich in der beschädigten Wohnung offenbar wenig getan. „Dort klafft ein etwa ein Quadratmeter großes Loch“, sagt Nachbarin Gudrun Seth. Sie sorgt sich vor allem um einen der Schornsteine auf dem Gebäude. „Der steht so schief wie der Turm von Pisa“, sagt sie.

Trotz der Unannehmlichkeiten hängen die Bewohner an ihrem Haus. „Die historische Umgebung, die Nähe zum Großen Garten – das ist schon einmalig“, sagt Ottokar Holm. Aber so wie in den vergangenen Jahren mit der Meierei umgegangen wurde, könne es nicht weitergehen.

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