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Die letzten Tage der Praxisgebühr
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Gesetzesänderung Die letzten Tage der Praxisgebühr

Kranke, die bis Jahresende noch zum Arzt gehen, müssen noch einmal ins Portemonnaie greifen. Zum letzten Mal werden 10 Euro Praxisgebühr fällig, falls man sie dieses Quartal noch nicht gezahlt hat. Ab 1. Januar ist damit Schluss. Doch was wohl fast jeden Patienten freut, sehen Hannovers Hausärzte durchaus mit gemischten Gefühlen.

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Arzthelferin Julia Wichmann kassiert noch einmal die Praxisgebühr.

Quelle: Insa Cathérine Hagemann

Hannover. Sabine Stiller, Allgemeinmedizinerin in der List, befürchtet, in Zukunft wieder weniger Überblick über die Krankengeschichte ihrer Patienten zu bekommen. Jetzt führt die Praxisgebühr noch dazu, dass Patienten sich vor dem Facharztbesuch eine Überweisung von der Hausärztin holen, damit sie nicht mehrmals zehn Euro zahlen müssen. Und Stiller bekam danach bisher einen Bericht des Facharztes. „Bald können Kranke wieder in einem Quartal zu mehreren Allgemeinmedizinern und weiteren Ärzten gehen. Und jeder rechnet es nochmal bei der Kasse ab“, sagt Stiller.

Auch ihre Kollegin Charlotte Albers in der Südstadt weist auf die steuernde Wirkung der Hausärzte hin, die Kranken unnötige Wege erspare. „Wir können gezielt sagen, ob der Patient eine orthopädische oder neurologische Störung hat und ihn zum passenden Facharzt schicken.“ Albers sorgt sich ebenfalls wie Stiller, dass Informationen verloren gehen könnten, wenn Kranke selbst ohne Rücksprache mit dem Hausarzt Spezialisten aufsuchen.

Andererseits hat Albers auch beobachtet, dass die Praxisgebühr Patienten mit schmalen Einkünften durchaus belastet hat. „Viele Rentner haben sich am Anfang und Ende des Quartals ihre Rezepte geholt, um möglichst ein Quartal zu überbrücken.“ Bei chronisch Kranken sei es jedoch besser, wenn sie regelmäßig zum Arzt gingen. Anders als in bundesweiten Untersuchungen behauptet, hat die vor neun Jahren eingeführte Praxisgebühr nach Erfahrungen hannoverscher Ärzte durchaus Kranke vom Arztbesuch abgehalten. „Ich habe Patienten erlebt, die angesichts ihres Zustands eigentlich früher hätten kommen sollen, aber die 10 Euro nicht zahlen wollten oder konnten“, sagt Allgemeinmediziner Konrad Büsing aus der Südstadt.

Für die Mitarbeiter der Ärzte endet mit der Praxisgebühr jedoch viel Bürokratie. „Die Gebühr hat uns nur Arbeit gemacht“, sagt Angelo Mozzilli, Internist in Stöcken. Die Arzthelferinnen mussten Quittungen ausstellen, Kasse und Kassenbuch verwalten, mit der Kassenärztlichen Vereinigung Korrespondenz über Mahnverfahren führen, und abends brachte einer der Ärzte aus der Gemeinschaftspraxis die oft hohen Summen zur Bank. „Bei einer Kollegin, die das Geld ausnahmsweise zu Hause aufbewahrte, ist ausgerechnet in dieser Nacht eingebrochen worden“, sagt Mozzilli. Sabine Stiller hat ähnliches erlebt. Ihre Praxis wurde zweimal aufgebrochen. „Wir sind außerdem ein paar Mal bei laufendem Betrieb bestohlen worden, sodass wir das Geld seitdem in der Hosentasche trugen.“

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