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Die rote Hochburg wackelt

Historische Schlappe Die rote Hochburg wackelt

Von einem Sieger bei den Bundestagswahlen in Hannover kann man nicht sprechen: Die SPD ist nach dem vorläufigen Endergebnis mit 30,5 Prozent zwar noch stärkste Partei, verliert aber gegenüber den Wahlen 2005 mehr als 15 Prozentpunkte und kassiert damit nach den Landtags- und den Europawahlen die dritte Schlappe am Stück.

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Bestürzung bei den SPD-Anhängern im Tiedthof.

Quelle: Michael Thomas

Während die CDU mit 25,7 Prozent fast stagniert, legen FDP, Grüne und Linke um Margen zwischen knapp vier und fünf Prozentpunkten zu. Im Umland hat die CDU die SPD bei den Zweitstimmen sogar abgehängt und liegt mit 32,5 Prozent um 0,8 Prozentpunkte vorne. Allerdings holt die SPD mehr Erststimmenanteile. Damit bleiben durch Edelgard Bulmahn und Kerstin Tack in der Stadt sowie Matthias Miersch und Caren Marks im Umland alle vier Direktmandate in der Region bei den Sozialdemokraten.

Die Reaktionen fielen am Sonntagabend unterschiedlich aus. Hannovers FDP-Chefin Claudia Winterstein sprach von einem großartigen Ergebnis für die Liberalen. Die Abgeordnete Brigitte Pothmer (Grüne) wählte das Wort sensationell für das Resultat ihrer Partei, und Diether Dehm, Spitzenkandidat der Linken in Niedersachsen, sah im Wahlsonntag sogar „den glücklichsten Tag meines parlamentarischen Lebens“. Hannovers SPD-Chef Walter Meinhold dagegen erlebte schlichtweg eine „Katastrophe, das schlimmste Ergebnis meiner Amtszeit.“ Matthias Miersch, Regionschef der Sozialdemokraten, erfreute sich wenigstens an den vier Direktmandaten: „Das ist immerhin ein deutlicher Kontrapunkt zum Bundestrend.“ Auf die Direktkandidaten hob auch Hannovers CDU-Vorsitzender Dirk Toepffer ab: „Wir wussten, dass es schwer für uns wird, in Hannover einen Wahlkreis zu holen. Aber das Ergebnis zeigt, dass in der Stadt bei anderen Wahlen vielleicht auch andere Mehrheiten drin sind.“

Am Sieg des SPD-Quartetts konnte auch Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen nichts ändern. Sie unterlag im südhannoverschen Wahlkreis mit fast acht Prozentpunkten gegen die Sozialdemokratin Edelgard Bulmahn. Andererseits hatte vor vier Jahren der Abstand zwischen Bulmahn und ihrem damaligen Herausforderer Friedbert Pflüger noch satte 24 Prozentpunkte betragen. Von der Leyen nahm es denn auch sportlich: „Ich wusste, dass da gut was zu tun ist. Davon, dass ich nicht gewonnen habe, geht die Welt nicht unter“, sagte sie. „Hannover bleibt rot“, kommentierte Bulmahn kurz und bündig. Erstmals in den Bundestag einziehen wird Kerstin Tack für die SPD, die ihre christdemokratische Rivalin Rita Pawelski mit einem Vorsprung von sechs Prozentpunkten schlug.

Im Umland kam Caren Marks (SPD) im nördlichen Wahlkreis mit einem blauen Auge davon. Sie musste bis zum Ende der Auszählung zittern, ehe feststand, dass sie sich gegen den CDU-Newcomer Sebastian Lechner hauchdünn mit 0,5 Prozentpunkten durchgesetzt hatte. Im Süden des Umlandes halbierte die CDU-Bezirkschefin Maria Flachsbarth zwar den Rückstand auf SPD-Mann Miersch gegenüber 2005, konnte das Ergebnis aber nicht drehen. „Das ist schade, vor allem wegen des Engagements unserer Helfer“, sagte sie. Andererseits seien die Sozialdemokraten nun in Reichweite. Flachsbarth wird genauso über die Landesliste wieder in den Bundestag einziehen wie von der Leyen, Pawelski, die beiden hannoverschen FDP-Vertreter Claudia Winterstein und Patrick Döring sowie Heidrun Dittrich für die Linken.

War 2005 die Umland-CDU lediglich in Isernhagen stärkste Partei, hat sie jetzt in elf Kommunen die Nase vorn. Die FDP kommt durchgängig auf ein zweistelliges Ergebnis. Auffällig ist auch, dass die Linke bis auf Burgwedel überall die Fünf-Prozent-Hürde schafft. Rückschläge gibt es bei der Wahlbeteiligung. In der Stadt ist sie um exakt fünf Prozentpunkte eingebrochen und auf ein historisches Tief für Bundestagswahlen von 73,4 Prozent gefallen. Im Umland fällt der Rückgang mit 5,6 Prozentpunkten sogar noch höher aus.

von Bernd Haase

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