Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Die spektakulärsten Fälle des Rechtsanwalts Matthias Waldraff
Hannover Aus der Stadt Die spektakulärsten Fälle des Rechtsanwalts Matthias Waldraff
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:16 01.03.2013
Medienrummel: Matthias Waldraff vertrat auch Marco Weiss, der 247 Tage in einem türkischen Gefängnis saß. Quelle: Tim Schaarschmidt

Fall Karen Gaucke: Doppelmord ohne Leichen

Der Doppelmord an der 37-jährigen Karen Gaucke und ihrer kleinen Tochter Clara im Juni 2006 beschäftigt die Polizei noch heute: Die Ermittlungsakten sind immer noch nicht geschlossen. Was als Vermisstenfall begann, endete im Februar 2007 mit einem spektakulären Indizienprozess: Nach 16 Sitzungstagen wurde Michael P., der frühere Lebensgefährte der Getöteten, schließlich schuldig gesprochen. P. Hatte allerdings bis zuletzt bestritten, etwas mit der Tat zu tun gehabt zu haben. Auch zum Aufenthaltsort der Leichen wollte er keine Angaben machen.

Die Chancen, dass die sterblichen Überreste jemals gefunden werden, sind gering: Der verurteilte Michael P. starb im Februar 2012 an den Folgen einer Hodenkrebs-Erkrankung im Gefängnis – einen Hinweis darauf, wo er die Leichen versteckte, hinterließ er nicht.
Matthias Waldraff hatte die Angehörigen von  Karen Gaucke im Prozess als Nebenkläger vertreten. Er unternahm intensive Bemühungen, um Michael P. zu einem Gespräch in der Justizvollzugsanstalt zu bewegen. „Ich wollte ihn dabei erneut bitten, endlich auszupacken, doch dazu wird es jetzt leider nicht mehr kommen“, sagt der Jurist.

 
Fall Mechthild Bach: Der "Todesengel" aus Langenhagen 

Wo liegt die Grenze zwischen Schmerzmedizin einerseits und Totschlag oder Mord andererseits? Diese Fragen stand im Zentrum des bundesweit beachteten Prozesses gegen die Ärztin Mechthild Bachmann. Der Internistin wurde vorgeworfen, in der Paracelsusklinik in Langenhagen zwischen 2002 und 2003 insgesamt 13 Krebspatienten durch zu hohe Gaben an Morphium und Valium getötet zu haben. Bach hatte die Vorwürfe stets bestritten.

Vertreten wurde sie in den zwei Prozessen, die sich über Jahre hinzogen, von Matthias Waldraff. Die Behandlung habe ausschließlich der Schmerzlinderung gedient, beteuerte Bach bis zuletzt. Auch Waldraff sagte während des Prozesses 2010: „In keinem dieser Fälle sehe ich den Vorwurf bestätigt, dass Frau Dr. Bach vorsätzlich gehandelt hat“.

Noch bevor der Prozess beendet wurde, nahm der Fall eine tragische Wendung: Im Januar 2011 nahm sich die damals 61-Jährige durch eine Überdosis Morphium in ihrem Haus in Bad Salzdetfurth (Kreis Hildesheim) das Leben. Waldraff und einer von Bachs langjährigen Patienten führten den Trauerzug bei ihrer Beisetzung an.

Matthias Waldraff zählt zu den prominentesten Anwälten Hannovers. 2013 trat er zudem den Schritt in die Politik an: als Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl trat er gegen Stefan Schostok (SPD) und Lothar Schlieckau (Grüne) an - und unterlag Schostok.

Fall Marco W.: 247 Tage im türkischen Gefängnis

Der damals 17-jährige Marco Weiss wurde im April 2007 während eines Türkeiurlaubs verhaftet und verbrachte acht Monate in Untersuchungshaft in Antalya. Ihm wurde von der türkischen Staatsanwaltschaft vorgeworfen, er habe sich in einem Hotelzimmer an einem damals 13-jährigen Mädchen aus Großbritannien sexuell vergangen. Weiss räumte Kontakte zu dem Mädchen ein, bestritt aber eine Vergewaltigung. Er gab an, die Initiative sei von dem Mädchen ausgegangen, das ihr Alter zudem mit 15 Jahren angegeben habe. Der Fall Marco beschäftigte deutsche und internationale Medien über Monate – wohl auch wegen des noch jungen Alters des Angeklagten. Letztlich verbrachte Marco Weiss 247 Tage in türkischen Gefängnissen.

Als es in dem Prozess in der Türkei nicht voranging, engagierten Marcos Eltern den Anwalt Matthias Waldraff: „Mein Job war die mediale Begleitung und das Heranschaffen von Mitteln, um die Anwälte in der Türkei zu bezahlen“, sagt er damals. Als Marco noch während des Prozesses ein Buch über seine Zeit im Gefängnis veröffentlcihte, legte Waldraff das Mandat nieder. "Ich habe stets versucht, Schaden von Marco abzuwenden", sagte er. Mit dem Erscheinen des Buches während des Verfahrens sehe er aber keine Möglichkeit mehr, in diesem Sinne zu wirken. "Ich habe mich im Zusammenhang mit dem Verfahren immer gegen antitürkische Ressentiments gewandt. Wenn jetzt für das Buch unter Schlagworten wie ,Horror-Knast', oder ,Folter, Schlafentzug und harte Drogen' geworben wird, läuft das allen meinen Bemühungen zuwider."

Am 14. Dezember 2007 wurde Marco Weiss ohne Auflagen aus der Untersuchungshaft entlassen und durfte nach Deutschland ausreisen. Vier Jahre später wurde der Fall unter dem Titel „Marco W. – 247 Tage im türkischen Gefängnis“ verfilmt – unter anderem mit Veronica Ferres und Herbert Knaup.
 
Fall Annika B.: Sackgasse trotz Facebook-Fahndung 

Am ersten Adventssonntag des Jahres 2011 wurde Annika B., eine 20-jährige Studentin und Mutter einer vierjährigen Tochter, von einem Unbekannten vor ihrer Wohnung in der Kohlrauschstraße nahe des Hauptbahnhofs Hannover überfallen und erstochen. Drei Zeugen hatten kurz nach dem Mord einen jungen Mann gesehen, der vom Tatort in Richtung Herschelstraße davonrannte. Trotz einer sehr guten Phantomzeichnung, die den Täter zeigt, konnte der Fall bis heute nicht geklärt werden. Mehr als 1000 Hinweise haben die Ermittler der Mordkommision „Annika“ bislang überprüft. Keiner von ihnen führte zum Mörder der 20-Jährigen.

Die Zahl der Hinweise war auch deshalb so hoch, weil die Polizei erstmals in ihrer Geschichte über Facebook nach Zeugen suchte. Innerhalb kürzester Zeit wurde die Behörde allerdings mit Hinweisen zu dem Phantombild oder zu dem Fall allgemein überflutet, sodass sich die Behörde gezwungen sah, den Zeugenaufruf aus dem Netz zu entfernen. Bislang gibt es weder einen Hinweis auf das Motiv für die Bluttat, noch gelang es den Ermittlern, die Tatwaffe ausfindig zu machen.

Zwei Wochen nach der Tat schalteten Annikas Mutter und ihre Geschwister Matthias Waldraff ein. Er soll die Hinterbliebenen bei der Sichtung und Überprüfung des Falls unterstütze und sie über einen möglichen Fortgang der Ermittlungen auf dem Laufenden
halten.
 
Fall Christine S.: Eifersuchtsdrama in Schweden

Die 33-jährige Christine S. Hannoveranerin war im Februar 2011 von einem Gericht im schwedischen Västerås für schuldig befunden worden, ein einjähriges und ein dreijähriges Kind mit einem Hammer erschlagen und die Mutter der beiden lebensgefährlich verletzt zu haben. Das Motiv erkannten die Richter in Rache und Eifersucht: Die  lebensgefährlich verletzte Frau ist die neue Lebensgefährtin des Exfreundes von Christine S. Das Urteil fiel am Ende eines aufwendigen Indizienprozesses, in dem S. stets ihre Unschuld beteuert hatte.

Nach ihrer Verurteilung sorgte S. erneut für Schlagzeilen: Sie  wandte sich trotz Kontaktverbot mit einem Brief an die Mutter der Getöteten  - über den Inhalt herrscht bis heute Unklarheit. Gleichzeitig nahm sie sich einen neuen Anwalt: Matthias Waldraff. Anfang 2011 wurde S. nach Deutschland ausgeliefert, wo sie eine lebenslange Haftstrafe verbüßt. „Nach wie vor versichert meine Mandantin, dass sie die Kinder nicht getötet hat“, sagt Rechtsanwalt Waldraff noch im April 2012. Ein Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens wurde allerdings im vergangenen Jahr abgelehnt.

r./mic

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Eine überraschende Auswahl: In Hannover will die CDU die Oberbürgermeisterwahl mit einem parteilosen Außenseiter gewinnen. Matthias Waldraff soll für die Konservativen ins Rennen ziehen.

19.08.2013

Der SPD-Ortsverein Südstadt-Bult will Carsten Schulz, einst eine Art politisches Enfant terrible bei den Piraten, nicht aufnehmen, obwohl die Parteizentrale in Berlin ihm bereits eine Mitgliedskarte zugeschickt hatte.

Bernd Haase 01.03.2013

Für seine Arbeit hat das Team um Prof. Gesine Hansen, Direktorin der Kinderklinik, und Prof. Thomas Moritz vom Exzellenzprojekt „Rebirth“ am Donnerstag einen der renommiertesten deutschen Wissenschaftspreise erhalten.

Juliane Kaune 01.03.2013