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Aus der Stadt Diebstahl bei Optiker – Kundin guckt in die Röhre
Hannover Aus der Stadt Diebstahl bei Optiker – Kundin guckt in die Röhre
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21:10 17.09.2015
Von Michael Zgoll
Quelle: dpa (Symbolfoto)
Hannover

Ein Urteil des Amtsgerichts Hannover hat jetzt dafür gesorgt, dass die Kundin eines Brillengeschäfts in die Röhre guckt. Sie hatte ihre recht kostspielige Brille bei einem Optiker nahe dem Hauptbahnhof zur Reparatur gebracht. Doch abholen konnte sie die Sehhilfe nicht mehr: In dem Laden war eingebrochen worden, die Diebe entwendeten eine erhebliche Zahl neuer und gebrauchter Brillen. Die in Anderten wohnende Kundin forderte vom Optiker 500 Euro Schadensersatz, den Zeitwert ihrer ursprünglich 750 Euro teuren Brille. Doch in dem folgenden Rechtsstreit mochte Richter Roger Heidenreich diesem Wunsch nicht nachkommen: Er wies die Klage ab. Damit muss die Frau nun auch noch die Kosten des Zivilprozesses schultern

Der Einbruch in das Ladengeschäft war in einer Nacht im April 2014 über die Bühne gegangen. Wenige Tage später erhielt die Frau aus Anderten einen Brief des Optikers: Ihre Sehhilfe sei abhanden gekommen, Abholung ausgeschlossen. Doch die Kundin mochte sich nicht damit abfinden, also zog sie vor Gericht. Schließlich sei der Diebstahl nicht ihre Schuld, sondern ihre Gläser seien zuletzt in der Obhut des Optikers gewesen, und der habe seine Ware offenbar nicht ordnungsgemäß gesichert.

Die Polizei hatte ermittelt, dass die Einbrecher auf der rückwärtigen Seite des Gebäudes zunächst über eine Mauer und einen Maschendrahtzaun geklettert waren. Dann hatten sie eine Terrassentür aufgehebelt und die Sehhilfen eingesackt. Die Vordertür, die mit einem Gitter geschützt war, blieb unversehrt.

Wie Amtsrichter Roger Heidenreich urteilte, habe der Kaufmann nicht gegen seine gesetzlichen „Obhutspflichten“ verstoßen. Anders als beispielsweise ein Juwelier, der in seinen Geschäftsräumen kostbares Geschmeide aufbewahre, bestehe für einen Augenoptiker keine Verpflichtung, in Verwahrung genommene Brillen in einem Panzerschrank einzuschließen. Dies sei auch nicht üblich. Aus eigener Anschauung wisse er, dass die Sehhilfen von Kunden für gewöhnlich eingetütet und in Schubfächern aufbewahrt werden. Die Schlussfolgerung des Amtsrichters war eindeutig: Ein Verschulden des Optikers lasse sich nicht feststellen, insofern müsse er auch nicht für den Verlust der Kundenbrille haften.

Allerdings ließ der Amtsrichter ausdrücklich eine Berufung zu. Unter welchen Voraussetzungen muss ein Geschäftsmann für den Schaden aufkommen, der nach einem Diebstahl von zur Reparatur abgegebenen Waren entstanden ist? Diese Rechtsfrage, so Heidenreich, habe grundsätzliche Bedeutung, und deshalb sei das Anrufen der nächsthöheren Instanz durchaus statthaft.     

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