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Die Revanchepartie im Wahlkreis 43

Bundestagswahl Die Revanchepartie im Wahlkreis 43

Vor der Bundestagswahl werfen wir einen Blick auf die vier Wahlkreise in der Region Hannover. Heute:
 Hannover-Land I, wo es zur Neuauflage des Duells von vor vier Jahren kommt.

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Kämpfen um das Direktmandat im Wahlkreis 43: Hendrik Hoppenstedt (CDU) und Caren Marks (SPD).

Quelle: Franson

Mission Titelverteidigung

Hendrik Hoppenstedt hat vor vier Jahren etwas geschafft, was in der Region Hannover zuvor seit Menschengedenken nicht mehr passiert war: Er hat einen Bundestagswahlkreis direkt für die CDU geholt und damit ein beliebtes Politikbild der SPD, wonach die Leine rot ist, leicht eingeschwärzt.

2004 betrat der Christdemokrat eine größere politische Bühne, als er mit 34 Jahren zum Bürgermeister von Burgwedel gewählt wurde.Den Namen Hoppenstedt allerdings kannte man in der Region und vor allem in Burgwedel seit Langem: Hendriks Onkel Karsten war dort vor ihm jahrzehntelang Bürgermeister, bis der Neffe ihn beerbte. Vater Dietrich amtierte als Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes zwar nicht direkt in der Politik, aber in einem einflussreichen Lobbyverband. Eine Rückschlag erlitt die Familiendynastie erst, als Björn seinen Bruder Hendrik als Bürgermeister beerben wollte und scheiterte.

Hendrik Hoppenstedt hätte auch Kandidat für das Amt des Regionspräsidenten werden können, entschied sich aber für den Weg nach Berlin. Seine Basis in der Heimat ist seitdem der Regionsvorsitz bei der CDU. Aus der Politik in Burgwedel hält er sich dagegen raus: „Es ist nie gut, wenn ein Vorgänger dem Nachfolger unerbetene Ratschläge gibt.“ Zumal es seinen Erfahrungen zufolge einen merkbaren Unterschied zwischen dem kommunalen Spitzenamt und dem Bundestagsmandat gibt. „Als Bürgermeister wird man schnell für alles persönlich haftbar gemacht, was nicht funktioniert. Das passiert einem als Abgeordneter so nicht“, sagt er.

Im Parlament ist der verheiratete Jurist und Vater zweier Töchter stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Recht und Verbraucherschutz. Der steht nicht unbedingt im Fokus der Öffentlichkeit – zu Unrecht, wie Hoppenstedt findet. Fast alle Gesetze landen dort, wichtige wie der Löschzwang für Facebook, die Ehe für alle oder das höhere Strafmaß für Wohnungseinbrüche werden federführend behandelt. „Es liegt wohl daran, dass die Rechts- weniger laut sind als die Innenpolitiker“, mutmaßt Hoppenstedt.

Der Burgwedeler will seinen Wahlkreis verteidigen, was wegen seines kippeligen Listenplatzes auch rein praktisch von Vorteil wäre. Wenn er mit seinen Helfern Wahlstände aufbaut, hat er neben Informationsmaterialien auch eine Broschüre mit dem Titel „Grillen bei Hoppenstedts“ mit im Gepäck. Seine Hauptkonkurrentin setzt auf Backen.

Am 24. September haben die Bürger einen neuen Bundestag gewählt. Mehrere Kandidaten aus Hannover und dem Umland 
haben ein Mandat in Berlin errungen.

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Die Aufholjagd

Caren Marks befindet sich seit Wochen auf einer Aufholjagd. Zum einen geht sie bei ihrem mittlerweile fünften Bundestagswahlkampf zum ersten Mal seit dem Debüt nicht als Titelverteidigerin in den Kampf um das Direktmandat in ihrem Wahlkreis, zum anderen sind die Umfragewerte für die SPD derzeit nicht erbaulich.

Die Wedemärkerin aus Mellendorf, die am Tag nach der Wahl ihren 54. Geburtstag feiert (wie kräftig, wird man sehen), ärgert sich dabei über die „in Kauf genommene Entpolitisierung durch die Bundeskanzlerin“, wie sie es nennt. Der wirft sie vor, die Dinge nicht wirklich voranzutreiben, sondern erst mitzuziehen, wenn Dinge sich in eine bestimmte Richtung entwickelt haben. „Die Rente mit 63 Jahren oder den gesetzlichen Mindestlohn gibt es doch nicht wegen Angela Merkel, sondern eher gegen sie“, sagt Marks.

Die Diplom-Geografin und Mutter zweier erwachsener Kinder, die fast von Geburt an in der Wedemark lebt, trat 1998 in die SPD ein und wurde bereits vier Jahre später zum ersten Mal direkt in den Bundestag gewählt. Den Vorsitz des SPD-Ortsvereins in ihrer Heimatgemeinde sowie das Ratsmandat behielt sie trotzdem: „Kommunalpolitik ist das Fundament der Demokratie. Ich will geerdet bleiben; deshalb mache ich das weiter.“

Dabei hat sie auch in Berlin durchaus ein ansprechendes Programm zu absolvieren. In ihrer dritten Legislaturperiode war sie Sprecherin ihrer Fraktion für Familienpolitik und außerdem Mitglied im Fraktionsvorstand. Vor vier Jahren wurde sie dann parlamentarische Staatssekretärin im Familienministerium und ist nicht nur Abgeordnete, sondern auch Mitglied der Regierung. Es versteht sich, dass Familien- und Sozialpolitik ihre Schwerpunktthemen in Berlin sind. „Mein Ansatz ist, dass das Leben gerechter wird“, sagt Marks und nennt unter anderem eine bessere Balance zwischen Beruf, Familie und Pflege sowie gebührenfreie Ausbildung von der Kita bis zur Meisterprüfung.

Marks will den Wahlkreis zurückholen, alles andere wäre für eine SPD-Politikerin im Raum Hannover auch keine adäquate Ansage. Ihr Listenplatz sollte ihr ein weiteres Mandat garantieren, aber Sicherheit gibt es erst, wenn ausgezählt ist. Wenn sie mit ihren Helfern Wahlstände aufbaut, hat sie neben Informationsmaterialien auch die Rezeptbroschüre „Mit mir kriegen Sie’s gebacken!“ im Gepäck. Ihr Hauptkonkurrent setzt auf Grillen.

Und sie treten auch noch an

Grigorios Aggelidis ,
 FDP: Die FDP hat, verglichen mit dem vergangenen Bundestagswahlkampf, viele neue Gesichter zu bieten. Eines ist das von Grigorios Aggelidis aus Neustadt-Evensen. Der 52-Jährige, der Teile seiner Kindheit in Griechenland zu Zeiten der Militärdiktatur verbrachte, plädiert für eine moderne und soziale Marktwirtschaft. Das kann er dank seines Listenplatzes wahrscheinlich bald in Berlin vertiefen.

Diether Dehm , Die Linke: Der 67-jährige gebürtige Frankfurter reüssiert nicht nur als Politiker, sondern auch als Musikproduzent und Liedermacher. Seine Karriere auf dem linken Flügel der Politik hatte er bereits als stellvertretender Bundesvorsitzender der damaligen PDS begonnen. Im Bundestag saß er zunächst in den Neunzigerjahren und kam dann 2005 erneut nach Berlin. Sein Listenplatz spricht für weitere vier Jahre im Parlament.

Dietmar Friedhoff ,
 AfD: Sicherheits-, Asyl- und Energiepolitik nennt der 51-jährige Neustädter als Schwerpunktthemen und liegt dabei inhaltlich auf Linie seiner Partei. Deren Interessen vertritt er auch als stellvertretender AfD-Kreisvorsitzender, als Ratsherr in seiner Heimatstadt und Mitglied der Regionsversammlung. Sein fünfter Platz auf der AfD-Landesliste eröffnet ihm gute Chancen, an ein weiteres Mandat zu gelangen.

Eike Lengemann , 
Grüne: Als 28-Jähriger ist der Isernhagener der Jüngste unter den Direktkandidaten in seinem Wahlkreis. Der studierte Volkswirt arbeitet im Landesverkehrsministerium im Referat für Schiene und öffentlichen Nahverkehr. Auch bei den Grünen beackert er dieses Themenfeld als einer der beiden Vorsitzenden der Landesarbeitsgemeinschaft Verkehr. Entsprechend ist die Verkehrswende auch sein wichtigstes Thema.

Markus Moschner, 
Freie Wähler: Der 43-jährige Tischlermeister aus Garbsen ist Realist und bezeichnet als solcher seine Chancen, in den Bundestag einzuziehen, als gegen null tendierend. Weil er nach eigenen Angaben unzufrieden ist mit dem, was die großen Parteien anbieten, hat er sich den Freien Wählern angeschlossen. Im Wahlkampf hat er in seinem Wahlkreis ein Alleinstellungsmerkmal: Er verzichtet komplett auf Plakate.

Der Wahlkreis 43

Der Wahlkreis Hannover-Land I umfasst das nördliche Umland der Landeshauptstadt mit insgesamt acht Städten und Gemeinden. Er zählt rund 320 000 Einwohner; der Anteil mit Migrationshintergrund liegt bei knapp 33 Prozent. Die meisten Einwohner leben in Einpersonenhaushalten; trotzdem ist die Zahl der Familienhaushalte hier größer als in den anderen Wahlkreisen der Region. Die Arbeitslosenquote liegt unter dem Schnitt.
Ihre Stimme dürfen im Wahlkreis am kommenden Sonntag mehr als 240 000 Männer und Frauen abgeben. Am stärksten repräsentiert ist die Gruppe der 45- bis 59-Jährigen, die fast jeden dritten Wahlberechtigten stellt. Auf der anderen Seite gehört nicht einmal jeder Zehnte, der ins Wahllokal darf, der Altersgruppe von 18 bis 24 Jahren an.
Bei der Bundestagswahl 2013 gingen mehr als drei Viertel aller Stimmberechtigten an die Urne. Stärkste Kraft bei der für die Mehrheitsverhältnisse im Parlament entscheidenden Zweitstimme war die CDU mit 44,3 Prozent vor der SPD, die auf 38,5 Prozent kam. Die kleineren Parteien schnitten schlechter ab als in den anderen Regionswahlkreisen. Am stärksten traf dies die FDP, die im Norden traditionell einige Hochburgen hat und trotzdem gegenüber der Wahl von 2009 um knapp sechs Prozentpunkte auf 2,6 Prozent abrutschte.

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