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"Kind ins Leben zurückgerufen"

HAZ-Serie "Hannover vor 50 Jahren" "Kind ins Leben zurückgerufen"

Schwere Gewitter über Hannover, Abkühlung bei der großen Hitze, Badeunfälle und ein Richtfest bei Hanomag: Für unsere Serie "Hannover vor 50 Jahren" haben wir Geschichten aus dem Archiv geholt, die HAZ-Leser vom 13. bis zum 19. Juni 1966 beschäftigt haben.

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Quelle: Montage/Archiv
13. Juni 1966: Schwere Gewitter über Hannover

Schwere Gewitter, Starkregen, Überschwemmungen und Unwetterwarnungen halten die Region seit mehreren Wochen in Atem. Ähnliches Wetter beschäftigte die Menschen vor 50 Jahren. In der zweiten Juniwoche schrieb HAZ über Verletzte nach Blitzschlägen und Verkehrsunfälle nach Starkregen. Besonders dramatisch endete der 12. Juni 1966 für eine fünfköpfige Familie: Vor dem Haupteingang des Zoos suchten die Eltern mit ihren Kindern unter einem Baum Schutz vor dem Gewitter. "Als der Blitz einschlug, wurden die Personen zu Boden geschleudert: vier von ihnen mußten von der Feuerwehr in ein Krankenhaus gebracht werden. Da das Ausmaß des Unglücks zunächst nicht bekannt war, hatte die Wehr vorsorglich einen Katastrophenbus zum Zoo entsandt", ist in der HAZ zu lesen. Dutzende Mal muss die Feuerwehr ausrücken, Brände löschen und Keller leer pumpen. Zwischenzeitlich misst die Wetterwarte in Langenhagen innerhalb von drei Stunden Niederschläge von 11,6 Millimetern. Allerdings war es vor 50 Jahren wärmer in Hannover. Die Wettervorhersage für den 15. Juni 1966 verspricht: "Tagestemperaturen um 27 Grad, zeitweise schwül".

Im Juni 1966 muss die Feuerwehr in vielen Stadtteilen ausrücken und Keller leer pumpen. An Gefahrenstellen wird vor Hindernissen gewarnt.

Quelle: Hauschild
14. Juni 1966: Kind ins Leben zurückgerufen

Das Wetter beschäftigte die HAZ vor 50 Jahren besonders: Schwere Gewitter an einem Tag - Badeunfälle am anderen Tag. "Das hochsommerlich warme Wetter brachte Polizei und Feuerwehr eine Reihe von Einsätzen bei Badeunfällen", schreibt die HAZ am 14. Juni 1966. Ein fünfjähriges Kind verliert beim Plantschen in einem Schwimmbecken in Isernhagen plötzlich den "umgehängten Luftstreifen". Die Mutter findet es besinnungslos im Becken und startet eine Mund-zu-Mund-Beatmung und kann den Jungen retten. Einen der Kiesteiche zwischen Hemmingen und Hannover muss die Polizei allerdings mit Booten absuchen, weil ein 23-Jähriger verschwunden ist: "wegen der Größe des Teiches hatte sie jedoch keinen Erfolg".

Auch um das Wohl der Tiere sorgt sich die HAZ bei den schwülen Temperaturen: "Die Tierfreunde in Stadt und Land sollten deshalb, wo es nur immer geht, Vogeltränken anbringen", ist am 14. Juni 1966 zu lesen. Und auch "Stubenhunde müssen jetzt ebenfalls öfter einen Schluck Wasser nehmen." Für die Hunde im Straßenverkehr sollen Besitzer von Gaststätten, Läden und Tankstellen "einen oder mehrere mit frischem Wasser versehene Trinknäpfe aufstellen." Die Tierhalter werden es den tierfreundlichen Geschäftsleuten danken.

16. Juni 1966: Und das Bier floß in Strömen

Die Monate Juni und Juli stehen jedes Jahr im Zeichen der Schützenfeste. Vor 50 Jahren machten die Schützen in Langenhagen, Misburg und Godshorn den Auftakt. "In Langenhagen war das Fest nur noch mit dem in einer Großstadt zu vergleichen", schreibt die HAZ am 16. Juni. Dafür war sogar der neue Festplatz an der Walsroder Straße zu klein. Nicht alle Schausteller konnten hier ihre Buden aufstellen, für einen "Lilliputaner-Zirkus" fanden die Langenhagener Schützen allerdings einen Platz. "Zünftig" sei es vor allem bei der Bierprobe zugegangen: "Um 22 Uhr gingen dann die Leuchtraketen des großen Feuerwerks hoch, und um Mitternacht erklang der Kleine Zapfenstreich." Auch in Misburg und Godshorn floss schon vor 50 Jahren das Bier "sehr reichlich" und am Ende des Abends waren viele Schützen "ziemlich abgebrannt".

Ehrungen für die "Majestäten" der Schützengemeinschaft Langenhagen.

Quelle: Löwen
16. Juni 1966: Dreimal ertrunken und fast einmal verdurstet

Für viele Hannoveraner führt der morgendliche Weg zur Arbeit über den Westschnellweg Richtung Nordwesten oder Südwesten aus der Stadt heraus - schnell und bequem. So weit reichte die Bundesstraße im Juni 1966 allerdings noch nicht. Der Bau der Straße ist zu dieser Zeit ins Stocken geraten: "Am Wurmfortsatz des Westschnellweges - jenem Straßenblinddarm, der sich in Herrenhausen entwickelt hat und der eines Tages zu einer langen, freien, schnellen Umgehungsstraße bis Leinhausen und Stöcken durchbrechen soll - gibt es nach einer immerhin dreivierteljährigen Kur durch das Wasser- und Brückenbauamt noch nicht allzuviel zu sehen", schreibt die HAZ am 16. Juni. Doch es gibt Hoffnung: Die Baustelle entwickelt jetzt auch nachts bei Scheinwerferlicht eine rege Tätigkeit - nachdem sie dreimal vollständig im Hochwasser versunken war und die Bauarbeiten durch lange Trockenheit erschwert wurden.

Wann allerdings das erste Auto über das "nicht unkomplizierte Brücken- und Straßenwerk" fahren wird, lässt sich vor 50 Jahren noch nicht sagen. "Nicht einmal eine Jahreszahl will der Leiter des Wasser- und Brückenbauamtes, Oberbaurat von der Haar, nennen - es sei denn Anfang der Siebziger." 

Die Baustelle des Westschnellwegs zwischen dem HSV-Bad und Herrenhausen im Juni 1966.

Quelle: Hauschild
16. Juni 1966: Wasserkühlung in Hannover

Im Juni 1966 schwitzt Hannover und das große Schwitzen findet in vielen Ausgaben der HAZ in dieser Woche einen fast satirischen Platz. Wie kühl sind eigentlich Hannovers Brunnen, fragt sich die Zeitung und macht am 16. Juni den Test. Das Ergebnis: "Die Wassertemperatur der innerstädtischen Brunnen liegt gegenwärtig nur rund zwölf Grad unter der Bluttemperatur der Hannoveraner und kann auch beim größten Wohlwollen nicht als frisch bezeichnet werden." In den Brunnen vor dem Opernhaus messen die Tester mittags 23 Grad, am Georgsplatz ist das Wasser sogar 24 Grad warm. Das kühlste Nass gibt es vor dem Bahnhof: Hier ist das Wasser 15 Grad kalt.

Wie frisch sind Hannovers Brunnen?

Quelle: Blüher
18. Juni 1966: Richtfest bei der Hanomag

Eine hannoversche Baugemeinschaft investiert derzeit in eine Industrieruine auf dem ehemaligen Hanomag-Gelände und will dort den Traum vom Wohnen in ehemaligen Industrieräumen erfüllen. Vor 50 Jahren feierte man auf dem 76 Hektar großen Werksgelände der Rheinstahl Hanomag das Richtfest für ein siebengeschossiges "Zentralgebäude für Forschung und Versuch", wie die HAZ vom 18. Juni schreibt. Auf 3900 Quadratmetern entstehen physikalische Labore. Die Baukosten werden auf rund vier Millionen Mark veranschlagt. In einer zweiten Halle entstehen Büroräume für die Versuchsingenieure sowie Wartungsplätze für Versuchsfahrzeuge. Nur acht Jahre später, 1974, verkauft Rheinstahl die Hanomag für 120 Millionen Mark.

Richtfest für ein neues Forschungsgebäude bei der Hanomag.

Quelle: Archiv
18./19. Juni 1966: Hochglanz für Schloss Herrenhausen

Zum Besuch von US-Präsident Barack Obama im April wurden die Gärten im Schlosspark Herrenhausen auf Hochglanz poliert und das goldene Tor zum Großen Garten noch einmal besonders sorgfältig geputzt. Vor 50 Jahren erstrahlten das Tor und die vielen Figuren schon einmal in neuem Glanz. Anlässlich des Jubiläums der Herrenhäuser Gärten tupften fleißige Vergolder vierzigtausend hauchdünne Blättchen auf die Pfeilspitzen und Gitterstäben und die achtzehn Figuren im Garten. "Das ist genausoviel wie der Herzog Johann Friedrich in den siebziger Jahren des siebzehnten Jahrhunderts für seine Gemächer im Leineschloß aufgewendet hat. Das Blattgold war damals wie heute ungefähr das gleiche", schreibt die HAZ am 18. Juni.

 

Vierzigtausend goldene Blättchen lassen Figuren und Tore in den Herrenhäuser Gärten erstrahlen.

Quelle: Hauschild

Von Linda Tonn

 

 

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