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"Wildes Baden ist lebensgefährlich!"

HAZ-Serie "Hannover vor 50 Jahren" "Wildes Baden ist lebensgefährlich!"

Was kann gegen "Schamverletzer" auf Spielplätzen getan werden? Wie gefährlich ist "wildes Baden"? Und was macht eine "leicht gegrillte" Familie in einem Auto? Für unsere Serie "Hannover vor 50 Jahren" haben wir Geschichten aus dem Archiv geholt, die HAZ-Leser vom 8. bis zum 12. Juni 1966 beschäftigt haben.

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Das waren HAZ-Nachrichten aus der 2. Juniwoche vor 50 Jahren.

Quelle: Archiv
8. Juni 1966: „Wildes“ Baden verboten

Der Juni 1966 war wie in diesem Jahr: heiß und gewittrig. Und anscheinend lockte das warme Wetter Groß und Klein ins kalte Nass. Wie heute badeten die abkühlungsbedürftigen Schwimmer allerdings nicht in Schwimmbädern oder Badeanstalten, sondern "wild" in Kiesgruben, Kanälen und Flüssen. "Wildes Baden ist lebensgefährlich!" titelte die HAZ am 8. Juni 1966 prominent im Lokalteil. "Der Untergrund ist unsicher, so daß den Badenden plötzlich der Boden unter den Füßen entgleitet." Außerdem: "Das wilde Baden in den durch Abwässer verschmutzten Flußläufen kann zur Verbreitung von ansteckenden Krankheiten führen." Ratschläge, über die heute viele schmunzeln werden. 

9. Juni 1966 : Havelse und Garbsen – bald eine Stadt

Die Bürgermeister und Gemeindevertreter aus Garbsen und Havelse besiegeln die Zukunft von Garbsen-Havelse.

Quelle: Mellin

Heute gehören sie untrennbar zusammen: Garbsen und der Stadtteil Havelse. Der Grundstein dafür wird vor 50 Jahren gelegt, und am 9. Juni 1966 freute sich die HAZ auf "einen großen neuen Nachbarn". In der festlich geschmückten Aula der Volksschule am Saturnring im Wohngebiet Auf der Horst trafen Politiker beider Stadtteile zusammen, um die neue Gemeinde "Garbsen-Havelse" zu gründen. "Die Aufgaben der Zukunft ließen sich in einer Einheitsgemeinde wirtschaftlicher und einfacher lösen als bei zwei voneinander getrennten Gemeinden", schreibt die HAZ. Innerhalb von drei Monaten sollte in der zusammengeschlossenen Gemeinde ein Stadtrat und ein Bürgermeister gewählt werden. Heute steht das Rathaus in Garbsen-Mitte - damals sollte die erste gemeinsame Gemeindevertretung ins Rathaus in Havelse einziehen.

10. Juni 1966: Spielplatztanten sollen "böse Onkel" vertreiben

Sexuelle Übergriffe und die Sorge um Frauen und kleine Kinder liefern der HAZ seit Jahrzehnten bedrückende Aufmacher. Im Juni 1966 trieben sich "Schamverletzer und Sittlichkeitsverbrecher" auf den 17 Spielplätzen in Hannover herum. "Die Lage dieser Plätze begünstigt ihre Vorhaben", schreibt die HAZ am 10. Juni, und mutmaßt, "daß sie sich zu ihren Aktivitäten besonders ermuntert fühlen, wenn keine, oder nur vereinzelt Mütter zur Aufsicht da sind." Doch der umsichtige hannoversche Frauenverein hatte eine Lösung: Die Frauen suchten sich die "gefährlichsten" Spielplätze aus und kümmerten sich täglich von 10 bis 13 Uhr um die Kleinen. Eine Armbinde zeichnete sie als Aufsichtsperson aus. Eine Stunde Aufsicht kostete 20 Pfennig. Und einen Namen hatten sich die freiwilligen Helferinnen auch schon gegeben: "Spielplatztanten".

10. Juni 1966: Findige Polizei

Wer die HAZ vom 10. Juni 1966 studierte, stieß auf Seite drei des Lokalteils auf eine Polizeimeldung, die damals wie heute für Heiterkeit sorgt: Ein Kraftfahrer aus Minden kommt zum Stadtbummel nach Hannover. Er stellt seinen Wagen mit Frau und drei Kindern ab und macht sich auf den Weg. Doch dann findet er den abgestellten Kombi nicht wieder und ruft die Polizei. Aus einer Meldung in der Randspalte der HAZ vom 10. Juni erfährt der Leser, dass Dank der "Findigkeit" der hannoverschen Polizei der Wagen binnen acht Minuten wieder auftaucht. Dort findet er auch die Familie wieder - "leicht gegrillt".

10. Juni 1966: Großfahndung bei der Polizei Hannover

Für den Leser von heute unvorstellbar: Jede einzelne Ausweisnummern der kontrollierten Personen gibt die Polizei telefonisch an die Kriminalwache weiter.

Quelle: Hauschild

Spektakuläre Fahndungen und Festnahmen gab es auch vor 50 Jahren in Hannover. Am 9. Juni 1966, früh morgens um 3.30 Uhr, ging am Hauptbahnhof nichts mehr. Alle Ein- und Ausgänge waren versperrt, jeder wurde kontrolliert. "Die Aktion galt einer größeren Anzahl gesuchter Personen, die sich bisher allen polizeilichen Nachstellungen entziehen konnten", schreibt die HAZ in ihrem Aufmacherartikel am 10. Juni. In Osnabrück waren vier Häftlinge entkommen, man suchte den Polizeimörder Bruno Fabeyer und den gefährlichen Friedel Brandes. 71 Menschen wurden überprüft, doch "keiner dieser dicken Fische" blieb in dem Fahndungsnetz hängen. Wer sich nicht ausweisen konnte, wurde von der "Grünen Minna" ins Polizeipräsidium eskortiert. Die Daten der überprüften Personen schnell in einen Computer eingeben? Fehlanzeige. "Von den Telefonzellen aus wurden die Daten aller Personalausweise sogleich an die Kriminalwache im Präsidium durchgegeben", berichtet die HAZ über den spannenden nächtlichen Einsatz. Doch die Aktion verlief zunächst erfolglos. Wo könnten sich die Verdächtigen, die der Reporter von damals als "kriminelle Elemente" betitelt, verstecken? In einer zweiten Aktion besetzte die Kriminalpolizei zwei "Dirnenunterkünfte" im Hindenburgviertel, wo die Damen bereitwillig die Tür öffneten. Die Entflohenen fanden sie nicht. Ein amüsantes Detail findet allerdings seinen Weg in die HAZ: der Hund, der an den Beamten hochspringt. "Dieses Kerlchen ist bestimmt der einzige, der uns offensichtlich gern sieht", lachte ein Beamter und streichelte dem Tier über den Kopf.

12. Juni 1966: Dame umgerannt und sich aus dem Staube gemacht

Am 12. Juni suchte die HAZ nach Zeugen eines nicht alltäglichen Verkehrsunfalls. Titel des Artikels: "Eine Dame umgerannt und sich aus dem Staube gemacht." Die Geschichte dahinter: Am Kröpcke stößt ein besonders eiliger Fußgänger mit einer Frau in einem "diagonal orange-blau gestreiften" Kleid zusammen und benimmt sich "nicht wie ein Kavalier". Er lässt die Frau am Boden liegen und flüchtet Richtung Rathenaustraße. Erst ein Streifenwagen kann ihn stoppen.

12. Juni 1966: Alles nur eine große Show

Immer wieder kommen die Stars und Sternchen nach Hannover. Sie drehen Filme oder geben Konzerte. Und wenn ein Star in die Stadt kommt, ist die Presse in Aufruhr: So auch in der zweiten Juniwoche vor 50 Jahren. Für einen Kurzfilm für die neue Fernsehlotterie fährt der britische Schlagersänger und Radiomoderator Chris Howland singend über den Maschsee und trällert das wohl bekannteste Lied aus dem Kultmusical Mary Poppins "Supercalifragilistisch expialligorisch". Doch die Journalisten und Schaulustigen werden enttäuscht. Die HAZ deckt auf: Alles war eine große Show, es wurde bereits am Vormittag gedreht. "Alles lief leer. Es war ein Türke, aufgebaut, um der eingeladenen Presse was zu bieten", schreibt sie am 12. Juni 1966. Und kommt nicht um kritische Töne herum, dass Howland nun doch im Fernsehen zu sehen sein wird. "Ohne Film wäre alles viel, viel schöner geworden."

Der britische Schlagersänger und Radiomoderator kreuzt für einen Werbefilm singend über den Maschsee - doch die Aufnahmen sind nicht live. Die HAZ ist enttäuscht.

Quelle: Hauschild
12. Juni 1966: Daviscup wegen Dunkelheit abgebrochen

Im März 2016 wurde der Daviscup in Hannover ausgetragen - eine große Freude für alle Tennisfans. Auch vor 50 Jahren standen sich die Spieler auf dem Rasen in Hannover gegenüber. Und das Turnier blieb nicht ohne Zwischenfälle. Am 11. Juni trafen vor 3000 Zuschauern Deutschland und England aufeinander. In eins, zwei, drei, vier Sätzen kämpfte der deutsche Spieler Wilhelm Bungert gegen den "drahtigen und aggressiven" Linkshänder Roger Taylor. Doch das Ergebnis blieb nur vorläufig: "Bei der 5:4-Führung für Bungert brach der Oberschiedsrichter Orsini-Italien den Kampf ab, weil es zu dunkel geworden war", schreibt die HAZ. Die Fans mussten am nächsten Tag wiederkommen.

Internationales Turnier in Hannover: Beim Daviscup 1966 treffen deutsche Spieler wie Ingo Buding auf die Tennisstars aus England.

Quelle: Heuer

Von Linda Tonn

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