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"Herrenhausen hat jetzt Telefon"

HAZ-Serie "Hannover vor 50 Jahren" "Herrenhausen hat jetzt Telefon"

Wer kauft gern in Hannover ein? Kann man in Herrenhausen jetzt telefonieren? Wird es wieder eine Tribüne für den Schützenausmarsch geben? Für unsere Serie "Hannover vor 50 Jahren" haben wir Geschichten aus dem Archiv geholt, die HAZ-Leser vom 20. bis zum 26. Juni 1966 beschäftigt haben.

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Quelle: Archiv/Montage
20. Juni: Regen löscht das Licht aus

Blitzeinschläge, dunkle Wolken, Starkregen: Der Juni vor 50 Jahre war ähnlich verregnet und grau wie in diesem Jahr. Das wurde vor allem bei den liebevoll geplanten Großveranstaltungen deutlich. Statt Fußball-EM wie 2016 feierte Hannover 1966 das 300-jährige Bestehen der Herrenhäuser Gärten. 20.000 Besucher pilgerten zur Festveranstaltung "Wasser, Licht und Raketen". Doch ein aufziehendes Gewitter sorgte für ein abruptes Ende des Festes. "Der starke Regen, der gegen 21 Uhr einsetzte, vertrieb viele von ihnen vor Abschluß des Lichterfestes", schreibt die HAZ am 20. Juni. Doch immerhin 6000 Menschen "harrten unter ihren Regenschirmen aus" und bestaunten das Barockfeuerwerk. Ein Veranstaltungspunkt fiel allerdings buchstäblich ins Wasser: Die 60.000 Kerzen, die den Garten erleuchten sollten, blieben dunkel: "Der Regen verlöschte die gerade angezündeten Lichter."

Dunkle Gewitterwolken ziehen über den Herrenhäuser Gärten auf.

Quelle: Hauschild
20. Juni: Drei Kinder wurden Waisen

Am 19. Juni 1966 kentert ein Motorschlauchboot mit fünf Personen auf der Leine - die HAZ berichtet in ihrer Montagsausgabe von dem schrecklichen Unglück. "Nur drei der Insassen, der Bootseigentümer und zwei kleine Kinder konnten lebend gerettet werden. Die Eltern der Kinder, Paul und Elfriede Burra aus Seelze, kamen bei dem Unglück ums Leben." Eine traurige Geschichte - die aber einen kleinen Fehler enthält: Die Überschrift deutet an "drei Kinder werden Waisen", letztlich sind es aber nur zwei. Auch die Journalisten von vor 50 Jahren machen Fehler. Aus der heutigen Sicht besonders tragisch und für Smartphonenutzer fast unerklärlich ist die Tatsache, dass sich die Rettung der Kinder verzögerte "da an der Unfallstelle ein Telefon nicht vorhanden ist". Die Feuerwehr konnte erst "nach Minuten alarmiert werden". Die Suche nach den Eltern verlief ergebnislos.

Vergeblich versuchen die Retter die verunglückten Eltern aus der Leine zu retten.

Quelle: Hauschild
21. Juni: Stereo-Augen sehen Unfallstelle

Blitzer gibt es in Hannover mehr, als manchen Autofahrer lieb ist. Immer wieder flattert die ungeliebte Post ins Haus. Dass Fotografie bei Messungen im Straßenverkehr genutzt wird, ist im Sommer 1966 noch relativ neu. In ihrer Ausgabe vom 21. Juni berichtet die HAZ von "Stereo-Augen", die Unfallstellen überwachen und räumliche Modelle entstehen lassen. Getestet wird das neue Verfahren auf der Herrenhäuser Straße. Das komplizierte Gerät sehe wie eine Kanone aus, schreibt die HAZ. "Genau wie bei der Fotografie wird beim Arbeiten mit der Stereomeßkammer ein fotografisches Abbild der Unfallstelle hergestellt. Zwei durch ein Rohr verbundene Meßkammern nehmen gleichzeitig zwei Bilder der Unfallstelle auf", lernt der Leser. Das Urteil des Journalisten: "Eine großartige Sache."

Die beiden "Kamera-Augen" nehmen zugleich zwei Bilder von der Unfallstelle auf, sie ergeben später eine räumliche Darstellung.

Quelle: Hauschild

Und noch ein Verkehrsthema findet großformatig auf der Seite seinen Platz. Unter der amüsanten Überschrift "Weitere Aufgaben für blaue Mäuschen" verbirgt sich die Nachricht, dass die Parkuhr-Kontrolleurinnen des Ordnungsamtes Hannover - "wegen ihrere Uniform im Volksmund blaue Mäuschen genannt" - ein neues Betätigungsfeld haben: Sie kontrollieren ab jetzt auch Halteverbotszonen.

21. Juni: Straßenordnung - statt 49 nur noch 25 Paragraphen

Freude bei den Bürgern vor 50 Jahren: Im Juni 1966 diskutiert der Rat eine Änderung der Straßenordnung. Die Ausschußmitglieder hätten "sichtlich befriedigt zur Kenntnis genommen, dass die Zahl der Paragraphen von 49 auf 25 reduziert" werde. Hitzig diskutiert wurde vor allem das Thema Grünflächen: "Mehrere Ratsherren plädierten dafür, daß die Bestimmungen über das Betreten von Rasenfläche toleranter gestaltet werden sollten als bisher und als es der neue Entwurf vorsieht", ist in der HAZ zu lesen. Doch diese Meinung teilen nicht alle Ratsmitglieder: "Hinweise auf ausländische Verhältnisse, vor allem in England, wurden von Vertretern der Stadtverwaltung mit der Vermutung beantwortet, daß Rasenflächen in England dank der dortigen Klimaverhältnisse gegenüber der Schuhsohlen der Bürger widerstandsfähiger seien als in Hannover." Wie der Streit ausgeht? Darüber kann die HAZ am 21. Juni noch nicht berichten: "Einzelheiten über das Ergebnis wäre zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht. Das letzte Wort hat schließlich der Rat."

22. Juni: Herrenhausen hat jetzt Telefon

"Herrenhausen hat jetzt Telefon": Menschen, die von überall aus mit dem Handy telefonieren können, lässt diese Meldung aus einer Randspalte der HAZ vom 22. Juni 1966 schmunzeln. In dem von der Bundespost aufgestellten Telefonhäuschen an der Straßenbahnhaltestelle Herrenhäuser Gärten befindet sich nun auch der "öffentliche Fernsprecher für Orts- und Ferngespräche". Lange Zeit konnten die Hannoveraner in Herrenhausen nicht telefonieren, weil die abends unbeleuchtete Telefonzelle außer Betrieb war. Das neue Telefonhäuschen hat durchsichtige Glasscheiben: "Die Bundespost hofft, daß Schmutzfinken dadurch von ihrem Tun abgehalten werden."

24. Juni: Wer kauft gern in Hannover ein?

Wo kaufen die Menschen am liebsten ein? Welche Einkaufsstraße wird am häufigsten besucht? Wo gibt es die besten Geschäfte? Solche Umfragen kursieren immer wieder und schnell wird eine Top-Ten der beliebtesten deutschen Einkaufsstädte gekürt. So auch vor 50 Jahren. In ihrer Ausgabe vom 24. Juni berichtet die HAZ über eine neue Umfrage des Ifo-Instituts in München: "Lohnt es sich für eine Hausfrau aus Burgdorf oder gar Soltau in Hannover einzukaufen?" Über 29.000 "Haushaltungen" in 70 Gemeinden im weiten Umkreis von Hannover finden Fragebögen in ihren Briefkästen. Die Forscher erhoffen sich Antworten zugunsten von Hannover.

Auch die Infrastruktur ist Teil der Umfrage. Die HAZ schreibt: "Belasten die auswärtigen Einkäufer den Straßenverkehr und tragen sie zur Parkplatznot bei? Alle diese Fragen sind nicht nur für die hannoverschen und auch für die auswärtigen Einzelhändler wichtig." Heute gehört Hannover zu den beliebtesten Einkaufstädten.

25./26. Juni: Schützenausmarsch ohne Tribünen?

Im Juni 1966 freut sich Hannover - wie auch 2016 - auf das Schützenfest.  Doch die Besucher bangen um die beliebten Tribünenplätze vor dem Opernplatz, von denen aus der Schützenausmarsch am besten verfolgt werden kann. Der Besucherring, der die Tribüne aufbaut und die Plätze verkauft, hat sich aus dem Geschäft zurückgezogen: "Infolge von Lohnerhöhungen sind die Gestehungskosten für die Tribünen so hoch geworden, daß der Einzelplatz einschließlich Unkosten für Absperrgerät, Ordner und Vergnügungssteuer vier bis fünf Mark kosten müßte, und das ohne jeden Verdienst." Ein Preis, den die Veranstalter damals ihren Zuschauen nicht zumuten wollten. Die Lösung: zwei langgestreckte Podien mit Klappstühlen vor dem Opernhaus. So würden vor allem die älteren Hannoveraner, "denen das lange Stehen Beschwerden bereitet", noch die Gelegenheit erhalten den Schützenausmarsch zu einem tragbaren Preis - und vor allem sitzend - zu verfolgen.

Von Linda Tonn

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