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"Die Linie 19 fährt jetzt schaffnerlos"

HAZ-Serie "Hannover vor 50 Jahren" "Die Linie 19 fährt jetzt schaffnerlos"

Die Stadt sucht einen neuen Verkehrkasper, die Linie 19 der Üstra fährt ohne Schaffner und 28 Straßen in Hannover bekommen einen neuen Namen: Für unsere Serie "Hannover vor 50 Jahren" haben wir Geschichten aus dem Archiv geholt, die HAZ-Leser in der letzten Juniwoche 1966 beschäftigt haben.

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Quelle: Archiv/M
27. Juni 1966: Raubmordversuch mit dem Beil

Blutige Polizeimeldungen bewegten auch vor 50 Jahren die HAZ-Leser - und schafften es regelmäßig auf die ersten Seiten des Hannoverteils. Einen "Großarlarm" bei Feuerwehr und Polizei löste am 26. Juni der brutale Überfall auf einen 40-jährigen Mann aus: Am späten Sonntagabend wollte er nur in der Nähe einer Bahnunterführung "austreten", als er plötzlich von hinten angegriffen wurde und "ein Beil blitzen" sah. "Der Hieb war so wuchtig, daß dem Opfer die linke Hand abgetrennt wurde", beschreibt die HAZ den Vorgang. Noch schlimmer: Der Dieb floh mit der Uhr und den Wertsachen des lebensgefährlich Verletzten.

27. Juni 1966: Stadt sucht neuen Verkehrskasper

Es sind oft die kleinen Meldungen in der Randspalte, die zum Schmunzeln anregen - und die 50 Jahre alten Formulierungen. Die "Stadt sucht einen neuen Verkehrskasper", schreibt die HAZ am 27. Juni 1966. Dass das durchaus Ernst gemeint ist, lernt der Leser beim Weiterlesen: Seit 15 Jahren hat das Ordnungsamt mit den Aufführungen des pupenspielenden Verkehrskaspers in Schulen besonders guten Erfolg erzielt. Doch jetzt ist alles vorbei. "Der Leiter der Truppe, die die Verkehrskasperspiele aufgeführt, ist in den Lehrerberuf übergewechselt und seine Mitspieler wurden zur Bundeswehr einberufen." Deshalb sucht das Ordnungsamt Puppenspieler, die sich direkt in der Straßenverkehrsabteilung oder "fernmündlich" per Telefon melden.

29. Juni 1966: "Selbstbedienung" auf Linie 19

Vor 50 Jahren war es ein kleine Revolution - für uns heute ist es Alltag: Ab dem 3. Juli 1966 setzt die Üstra auf der Stadtbahnlinie 19 einen "schaffnerlosen" Beiwagen ein. Selbstbedienung nennt sie das neue Konzept. Die Personalknappheit zwinge die Üstra zu dieser Maßnahme. "Barzahlende Fahrgäste müssen den Triebwagen benutzen, der mit einem Schaffner besetzt ist", schreibt die HAZ am 29. Juni.Ob ein Beiwagen unbesetzt ist, erfahren die Hannoveraner durch ein schwarzes "S" auf dem Wagen - S für Selbstbedienung. Doch wer öffnet denn den Wagen, wenn kein Schaffner mehr mitfährt? Auch das ist neu: "Der Einstieg erfolgt durch die hintere Doppeltür nach Betätigung eines Knopfes, der neben der Tür angebracht ist. Die Einstiegstüren können von den Fahrgästen geöffnet werden, solange der Druckknopf aufleuchtet." Die Mitfahrer sind also auf sich selbst gestellt und schon der Fahrt mit der Bahn an ihre Karte denken: "Die Üstra vertraut auch weiterhin auf die Ehrlichkeit der Fahrgäste, die eine wichtige Voraussetzung für sie Selbstbedienung ist."

Das große "S" an der Stadtbahntür weist darauf hin - hier ist "Selbstbedienung".

Quelle: Hauschild
29. Juni 1966: Wetterschäden geringfügig

Das Stöbern in den alten HAZ-Ausgaben aus dem Juni 1966 macht deutlich: So ungemütlich und außergewöhnlich ist der Sommer 2016 gar nicht. Auch damals regnete es in Strömen, es gewitterte und Sturmböen zogen über Hannover hinweg. In den Ausgaben im Juni finden sich immer wieder Meldungen zum Wetter. Neben ein paar vollgelaufenenen Kellern und umgestürzten Bäumen hat die HAZ am 29. Juni weitgehend gute Nachrichten: "Der anhaltende Regen, der von Sturmböen und in der Nacht zu Dienstag sogar von einem kurzen Gewitter begleitet wurde, hat im Stadtgebiet kaum Schäden angerichtet." Der einzige Schaden ist der gebrochene Oberschenkel eines Radfahrers auf der Schulenburger Landstraße.

30. Juni 1966: 28 neue Straßennamen

Debatte um Kleingärten und Straßennamen? Das kommt dem HAZ-Leser von heute sehr bekannt vor. Um Wohnungen zu bauen, will die Stadt Hannover Kleingärtenkolonien schließen und sie woanders wieder aufbauen – und der Rat diskutiert darüber, eine Straße nach dem verstorbenen Altkanzler Helmut Schmidt zu benennen.

Rückblick 1966: Am 30. Juni berichtet die HAZ darüber, dass der Rat über die Kündigung von 143 Keingärten mit einer Gesamtfläche von 81.648 Quadratmetern zugestimmt hat - für "wichtige Bauvorhaben". Außerdem die Umbenennung von 28 Straßennamen beschlossen. Darunter befindet sich auch die Bezeichnung "Bremer Damm": "So soll künftig der Westzubringer zwischen Königsworther Platz und Schwanenburgkreisel heißen" – ist in der HAZ zu lesen. Zahlreiche Straßen im neuen Wohngebiet auf dem Mühlenberg sollen die Namen von Frauen und Männern tragen, "die ihren Widerstand gegen den Nationalsozialismus mit dem Leben gebüßt haben". Sie heißen heute Bonhoefferstraße und Anne-Frank-Weg.

30. Juni 1966: Rat billigt Baustopp - Schauspielhaus abgesetzt

Im Sommer 1966 muss Hannover sparen - deswegen werden alle Bauvorhaben, für die noch keine Auftrag vergeben ist, vorläufig gesperrt. 41 Projekte werden zurückgestellt: die Feuerwehr bekommt keine neuen Fahrzeuge, Kinderspielplätze werden nicht erneuert. Für die "Fortführung der begonnenen Bauprojekte" sei ein Betrag von 143 Millionen Mark erforderlich, "von denen einstweilen mit knapper Not 95 Millionen beschafft sind oder in Aussicht stehen".

Durch den anhaltenden Regen verkommt die Baustelle an der U-Bahn-Haltestelle Waterlooplatz zu einem schlammigen Chaos. Und die HAZ fragt: "Wird auch dieses größte Bauprojekt in der Geschichte unserer Stadt in den Kreis der bereits begonnenen Vorhaben einbezogen, über deren Stilllegung der Rat nach den Ferien zu entscheiden haben wird?"

Die überschwemmte U-Bahn-Haltestelle am Waterlooplatz.

Quelle: Hauschild
30. Juni 1966: Viele Neuheiten und alte Bekannte auf dem Schützenfest

Hannover ist im Schützenfestfieber - auch im Juni 1966. "Mit Böllerschüssen und einem Brillantfeuerwerk wird am Freitag das fröhliche Treiben auf dem hannoverschen Schützenplatz eingeleitet", kündigt die HAZ am 30. Juni an. Doch die Aussichten sind ein weng getrübt. Der lang anhaltende Regen hat die vielen Flächen, die bebaut werden müssen, aufgeweicht und teilweise in Morast verwandelt. Jetzt muss Schotter angefahren werden.

Dennoch: 439 Schausteller und Gewerbetreibende haben sich für das Fest beworben. Und unter ihnen findet sich viel Neues: "So rasen nun zum erstenmal in Hannover bobähnliche Wagen, von denen jeder einen Motor hat, mit 70 Sachen durch die überhöhte Bayernkurve." Neu ist 1966 auch das "Mond-Taxi", ein Kombination aus Radar und schiefem Turm und 15 Meter hoch. Und auf dem Festplatz stehen das lustige "Pigalle - die Mausefalle", das Hexenstüberl und der in Italien konstruierte "Kindertraum", berichtet die HAZ. Und auch jetzt - 50 Jahre später - ist das Schützenfest bei den Hannoveranern und Nicht-Hannoveranern beliebt und hält auch in diesem Jahr viele Neuerungen bereit.

Von Linda Tonn

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