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Diese Schulleiter aus Hannover verabschieden sich

Halbjahreswechsel Diese Schulleiter aus Hannover verabschieden sich

Zum Halbjahreswechsel verabschieden sich in Hannover gleich mehrere Schulleiter – und einer ist neu.

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Quelle: Heidrich/Kutter (Collage)

Hannover. Ein leicht saarländischer Singsang schwingt immer noch in seiner Stimme mit: Klaus Ihl , ​in St. Ingbert bei Saarbrücken aufgewachsen, wollte eigentlich Grafikdesigner und nicht Lehrer werden. Aber sein Leben lang als Grafiker in einer Werbeagentur zu arbeiten, das konnte er sich dann doch nicht vorstellen. In Frankfurt studierte er Kunst, Mathematik und Deutsch auf Lehramt, sattelte später noch das Fach Werken darauf. Verständnis für Schüler sei das Wichtigste für ihn, sagt der scheidende Leiter der Gerhart-Hauptmann-Realschule: „Ich möchte mit den Jugendlichen auf Augenhöhe bleiben, ich nehme sie und ihre Anliegen ernst.“ Gegenseitiger Respekt, eine authentische Schülern zugewandte Haltung, das sind für ihn Grundbedingungen für einen erfolgreichen Pädagogen.

„Ich verstehe mich als Anwalt der Schüler“, sagt der 65-Jährige, „so viele Anwälte haben die ja nicht.“ Viele Jahre lang war Ihl einer der Sprecher der Realschulen in der Stadt Hannover. Mit seiner Meinung auch zu politischen Reformen hat er nie hinter dem Berg gehalten. „Eine moderne Schule, die pädagogisch auf der Höhe der Zeit ist“, wolle er leiten, den Muff der Realschule über Bord werfen. Zu einer modernen Schule gehören für ihn Ganztagsbetrieb, Doppelstundenmodell, Hausaufgabenbetreuung, Fördermöglichkeiten, Sprachunterricht, auch Inklusion.

Weg mit dem Muff der alten Realschule: Klaus Ihl, Rektor der Gerhart-Hauptmann-Schule.

Quelle: Heidrich

 

Kunst, aber auch Musik sind Ihl bis heute wichtig. In der Schulband spielt er E-Gitarre, schreibt eigene Lieder, der vierfache Vater malt – gern abstrakt. Vor seiner Zeit an der Gerhart-Hauptmann-Schule hat Ihl an der früheren Orientierungsstufe Weimarer Allee und am Schulzen-trum Ahlem unterrichtet. Die 15 Jahre dort seien eine tolle Zeit gewesen, erinnert er sich. Damals habe er viel pädagogische Freiheit als Lehrer gehabt: „Heute ist ja leider alles viel zu sehr reglementiert.“ Von 1995 bis 2002 war er Konrektor an der Gerhart-Hauptmann-Realschule, danach bis 2007 Leiter der Stresemannschule in der Südstadt. Dann kam er zurück an die Groß-Buchholzer Realschule. Er habe nicht nur für seine Schüler da sein wollen, sondern auch für das Kollegium: „Ich wollte alles möglich machen, was geht.“ Ihls Nachfolgerin wird Silke Dorn .

Die Dienstälteste: Schulleiterin Brigitte Helm geht in den Ruhestand

Brigitte Helm.

Quelle: Heidrich

Brigitte Helm ​ist so lange im Amt wie derzeit kein Schulleiter in Hannover. Seit 2001 steht sie an der Spitze der Sophienschule. Dass sie ausgerechnet an ein Gymnasium gekommen ist, das früher einmal eine Mädchenschule war, ist Ironie der Geschichte. Denn Helm ist selbst auf eine Mädchenschule gegangen und hat dort keine guten Erfahrungen gemacht. „Bei den Lehrern gab es viel autoritäres Verhalten“, sagt die 66-Jährige in der Rückschau, „das war nicht immer lustig.“

Lehrerin wird Brigitte Helm zunächst wider Willen. Ingenieurs- oder Naturwissenschaften zu studieren kommt für die Braunschweigerin nicht infrage, auch eine Karriere im gehobenen Verwaltungsdienst nicht. Das wäre ihr viel zu trocken gewesen. Sie entscheidet sich für ein Studium der Germanistik und Politischen Wissenschaft. „Die Zeit an der Uni war wie eine große Befreiung nach der Schule“, sagt Helm. Nebenher hat sie gejobbt, als Babysitterin, im Service, als Verkäuferin, sogar in der Buchhaltung eines Schlachthofs. Am Studienseminar in Wolfsburg lernt sie den Spaß am Lehrerberuf: „Das war mein großes Glück.“

22 Jahre arbeitet sie am Gymnasium Isernhagen. Sie unterrichtet  Deutsch, Politik sowie Werte und Normen, wird dann Mitglied der Schulleitung. 2001 wechselt sie an die Sophienschule. Abschaffung der Orientierungsstufe, Einführung des Turboabiturs, Rückkehr zu G 9, neue Lehrpläne, die sich an Kompetenzen und weniger an prüfbarem Wissen orientieren – in ihre Amtszeit fallen viele bildungspolitische Reformen. „Es war eine bewegte, stressige Zeit“, sagt Helm.

Der persönliche Draht zu den Schülern sei ihr immer wichtig gewesen, die Stärkung des musisch-künstlerischen Profils und des gesellschaftlichen Schwerpunktes der Sophienschule sieht sie als Erfolg. „Mit einem guten Gefühl“ geht die zweifache Mutter jetzt in Ruhestand, nachdem auch der Neubau des Gymnasiums an der Lüerstraße beschlossene Sache ist. Engagieren will sich Helm weiter – in der Hausaufgabenhilfe für Grundschüler, in der Unterstützung für syrische Flüchtlinge, für Obdachlose: „Mir ist viel Gutes widerfahren, ich möchte etwas zurückgeben.“ Ihr Nachfolger an der Sophienschule wird Peter Kindermann , ​bislang stellvertretender Leiter der Helene-Lange-Schule.

Der Mann für die zweite Chance

Axel Gläser.

Quelle: Kutter

Das ist Treue: Seit 35 Jahren ist Axel Gläser ​am Hannover-Kolleg tätig, er hat Erdkunde und Französisch unterrichtet. Seit drei Jahren ist er Schulleiter, nicht nur für das Kolleg, sondern auch für das Abendgymnasium. Mit voller Überzeugung unterstützt er Schüler, die auf dem ersten Bildungsweg gescheitert sind und einen zweiten Anlauf wagen. „Dazu gehört viel Mut“, sagt der gebürtige Goslarer, der in Berlin studiert hat. Auch in der Erwachsenenbildung müsse man mit der Zeit gehen, sagt er. Und dazu gehöre eben auch das Abitur online, das Hannover zusammen mit Abendgymnasien in Göttingen und Osnabrück anbietet: Die Schüler können online zu Hause lernen.

Pädagoge mit Leib und Seele

Siegfried Heinemann.

Quelle: Heidrich

​In der zweiten Reihe hat sich Siegfried Heinemann ​immer am wohlsten gefühlt. „Ich bin kein Mann fürs Rampenlicht“, sagt er. Zum Ende seiner Berufstätigkeit musste er dann aber doch ganz nach vorn. Heinemann, seit 1992 Konrektor der Ludwig-Windthorst-Schule in der Südstadt, hat zuletzt die katholische Oberschule kommissarisch geleitet. Pädagoge habe er immer werden wollen, sagt er, schon allein wegen seines Engagements in der katholischen Jugendarbeit. Seine zweite große Leidenschaft ist die Pressearbeit. Zwischen 1987 und 1990 hat Heinemann als Pressesprecher des damaligen CDU-Umweltministers Werner Remmers ​gearbeitet.

Er hat Deutsch, Mathematik und katholische Religion studiert, bis zuletzt als Klassenlehrer Schüler bis zu ihrem Abschluss begleitet. Seine Freunde und Kollegen haben ihm einen Abschiedsempfang mit 250 Gästen bereitet.

Der Mann fürs Theater

Jörg Gabriel.

Quelle: Heidrich

Andere hören auf, er hat gerade erst angefangen: Jörg Gabriel (43) ​ist der neue Leiter der Freien Evangelischen Schule in Bothfeld. Er hat an der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Laatzen Deutsch, Geschichte und Darstellendes Spiel unterrichtet, ist zertifizierte Filmlehrer. Am Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung hat er zuletzt die Weiterbildung der inzwischen gut 100 Filmlehrer im Land mitkoordiniert. Kritikern, die meinen, Darstellendes Spiel sei kein richtiges Fach, schon gar keines, in dem man Abitur machen sollte, hält der zweifache Vater entgegen: „In dem Fach muss man Einsatz zeigen, seine Persönlichkeit einbringen, das ist genau das Gegenteil von abhängen.“ Als überzeugter Christ freue er sich, dass er seinen Glauben und seinen Beruf an der kirchlichen Schule  jetzt zusammen leben könne.

Von Saskia Döhner

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