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Wahlkampf: Polit-Promi Duell in Hannovers Süden

Wahlkreis Hannover-Stadt II Wahlkampf: Polit-Promi Duell in Hannovers Süden

Vor der Bundestagswahl am Sonntag werfen wir einen Blick auf die vier Wahlkreise in der Region Hannover. Im Wahlkreis Hannover-Stadt II kommt es zu einem Promi-Duell. Mit Ursula von der Leyen tritt die amtierende CDU-Verteidigungsministerin gegen die frühere SPD-Generalsekretärin, Yasmin Fahimi, an. 

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Yasmin Fahimi und Ursula von der Leyen werben um Stimmen.

Quelle: Kutter/Villegas

Hannover. Im Wahlkreis Hannover-Stadt II kommen zu einem Polit-Promi-Duell. Die amtierende CDU-Verteidigungsministerin tritt gegen die frühere SPD-Generalsekretärin an. 

Ursula von der Leyen (CDU): Expertin für Familien

Ursula von der Leyen spricht mit Marktbesuchern auf den Stephansplatz.

Quelle: Kutter

Eine Gruppe Mütter klönt zwischen Obstkisten und schaukelnden Kinderwagen - da kann Ursula von der Leyen (CDU) auf ihrer Tour über den Südstädter Wochenmarkt nicht vorbeigehen. Lächelnd bleibt sie stehen und wird sofort erkannt. Ob eine der Frauen etwas auf dem Herzen habe, fragt die Bundesverteidigungsministerin. „Die Suche nach einem Kindergartenplatz ist hier unglaublich schwierig“, meint eine der Frauen. Von der Leyen nickt. „Sie haben aber einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz“, betont sie. Es könne jedoch passieren, dass die Kommune einen Platz in einer anderen Kita zuweist. „Ich hatte damals auch drei Kinder in zwei verschiedenen Einrichtungen. Das war mühsam“, sagt von der Leyen.

Seit vier Jahren ist die hannoversche Abgeordnete nun schon Chefin des Verteidigungsministeriums, doch beim Wahlkampfrundgang auf dem Stephansplatz wird sie vor allem auf Familienthemen angesprochen: Wie schwierig es sei, Elterngeld zu beantragen, und ob die Vergabe von Krippenplätzen nicht zentralisiert werden könne. Von der Leyen ist dankbar für solche Fragen. „Das Thema Familie ist nach wie vor eines meiner großen Anliegen“, sagt die 58-Jährige, die sieben Kinder großgezogen hat. Aber wäre sie in eine Kneipe gegangen und nicht vormittags über einen Wochenmarkt geschlendert, wäre sie auf andere Themen angesprochen worden, mutmaßt sie.

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Von der Leyen ist ein politisches Schwergewicht, doch ihren Wahlkreis, Hannover-Stadt II, hat sie bisher nicht direkt gewonnen. Bei den vergangenen Wahlen musste sie sich SPD-Frau Edelgard Bulmahn geschlagen geben. Von der Leyen löste über gute Plätze auf den Landeslisten ihre Tickets nach Berlin. Das tat ihrer Karriere keinen Abbruch. Ihre politische Laufbahn startete sie als ehrenamtliche Ratsfrau in Sehnde. Später holte Christian Wulff, damals noch Oppositionsführer im Landtag, sie in sein Team. Wulff gewann die Wahl, von der Leyen wurde Sozialministerin. Dann klopfte Angela Merkel an die Tür und lud von der Leyen ein, in Berlin mitzumischen. Nach dem Wahlsieg 2005 wurde von der Leyen Familienministerin, danach bis 2013 Arbeitsministerin, jetzt ist sie oberste Chefin der Bundeswehr.

„Die Soldaten sind mir ans Herz gewachsen“, sagt sie tapfer und räumt zugleich ein, dass es ihr bisher anstrengendster Arbeitsplatz sei. „Im Familien- und Arbeitsministerium begann ab Freitag das Wochenende. Im Verteidigungsressort geht es schon wegen der weltweiten Einsätze rund um die Uhr weiter“, sagt von der Leyen.

Yamin Fahimi (SPD): Die Analytikerin

Yasmin Fahimi bietet an der Haltestelle am Küchengarten Kaffee an.

Quelle: Kutter

Frühmorgens an einer zugigen Stadtbahnhaltestelle in Linden, es regnet in Strömen. Yasmin Fahimi bietet den Wartenden eine Tasse Kaffee an, die meisten lehnen ab. Die SPD-Direktkandidatin bringt das nicht aus der Ruhe. „Der Wahlkampf ist für mich wie ein Spaziergang durch meine Heimatstadt“, sagt sie. Klar sei es anstrengend, von morgens bis abends unterwegs zu sein und den Menschen Rede und Antwort zu stehen, aber ihre Arbeit im Ministerium sei stressiger.

Die 49-Jährige mit iranischen Wurzeln ist Staatssekretärin im Bundesarbeitsministerium. Ihre Chefin, Andrea Nahles, kennt sie noch aus frühen Zeiten, als beide bei den Jusos, der Jugendorganisation der SPD, aktiv waren. Fahimi tritt als Direktkandidatin im Wahlkreis Hannover-Stadt II an, sie übernimmt die Nachfolge von Edelgard Bulmahn, die den Wahlkreis jahrelang für die SPD gewonnen hat. „Es ist eine Ehre, einen prominenten Wahlkreis zu bekommen“, sagt Fahimi. Der Druck ist groß: Die hannoverschen Genossen erwarten, dass Fahimi einen klaren Sieg einfährt.

Fahimi dürfte für die meisten Hannoveraner kein unbekanntes Gesicht sein. Knapp zwei Jahre hatte sie als Generalsekretärin eines der höchsten Ämter innerhalb der SPD inne. Nun könnte sie sich als verbeamtete Staatssekretärin zurücklehnen und auf die Arbeit im Hintergrund konzentrieren. Dennoch will sie ein Mandat erringen. „Mir fehlt die Bühne, um Menschen zu begeistern“, sagt Fahimi. Zudem ist sie überzeugt, dass sie in Zeiten eines heraufziehenden Populismus in Deutschland und der Welt Verantwortung übernehmen müsse. Frieden, Gerechtigkeit und Demokratie seien keine Selbstverständlichkeiten.

Globale Themen beherrscht die diplomierte Chemikerin zwar auch, aber richtig zu Hause fühlt sie sich in der Arbeits- und Sozialpolitik. Das hat mit ihrem Werdegang zu tun. Nach ihrem Studium in Hannover arbeitete sie zunächst für die gewerkschaftsnahe Stiftung „Arbeit und Umwelt“, später wurde sie Gewerkschaftssekretärin bei der IG BCE. „Da gehörten Betriebsbesuche zum Job, und immer, wenn ich ein Labor sah, juckte es mich in den Fingern“, erzählt Fahimi. Tatsächlich stand sie kurz davor, in der Chemie zu promovieren und eine Karriere in einem naturwissenschaftlichen Beruf zu beginnen. „Man überzeugte mich aber davon, weiter politisch tätig zu sein“, sagt sie.

Das analytische Denken aus der Wissenschaft hilft ihr bei der politischen Arbeit. Hier wie dort gehe es darum, den Dingen auf den Grund zu gehen. „Die Politik ist emotional, aber deutlich fordernder als die Chemie“, sagt Fahimi. 

Am 24. September haben die Bürger einen neuen Bundestag gewählt. Mehrere Kandidaten aus Hannover und dem Umland 
haben ein Mandat in Berlin errungen.

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Das ist der Wahlkreis 42 (Hannover-Stadt II)

  • Der südliche Stadtwahlkreis ist für die SPD bisher eine sichere Bank gewesen. Bei der vergangenen Bundestagswahl hatte SPD-Frau Edelgard Bulmahn einen Vorsprung von rund 9 Prozentpunkten vor ihrer Rivalin Ursula von der Leyen. Die kleineren Parteien haben auch dieses Mal kaum Chancen auf ein Direktmandat. Ihre Kandidaten müssen sich über die Landeslisten absichern, um den Einzug in den Bundestag zu schaffen. Gute Chancen hat dabei der Grüne Sven-Christian Kindler. Auch die FDP-Kandidatin Ulla Ihnen könnte ein Ticket nach Berlin ziehen. Sie steht auf Platz fünf der Landesliste, ist also auf ein gutes Stimmergebnis ihrer Partei angewiesen.
  • Nicht alle Parteien, die sich im Wahlkreis Hannover-Stadt II zur Wahl stellen, schicken zugleich einen Direktkandidaten ins Rennen. Die Freien Wähler, die Tierschutzpartei und die rechtsextreme NPD stehen auch auf dem Wahlzettel, aber nur in der Kategorie „Zweitstimme“. Gleiches gilt für Splittergruppen wie die ÖDP, V-Partei, das Bündnis Grundeinkommen, Demokratie in Bewegung (DiB) und die Partei Deutsche Mitte.
  • Der Wahlkreis Hannover-Stadt II umfasst grob gesagt die südlichen Stadtteile und zählt rund 280 000 Einwohner. Damit ist er etwas größer als der nördliche Wahlkreis (rund 260 000 Einwohner). Exakt 194 316 Wahlberechtigte wohnen im südlichen Wahlkreis. Auffallend viele jüngere Wähler sind darunter. Rund ein Drittel der Wähler ist unter 34 Jahre alt. Da verwundert es nicht, dass die Zahl der Singlehaushalte im Süden höher ist als im benachbarten Wahlkreis. Fast 89 000 Einpersonenhaushalte haben die Statistiker gezählt (im Norden sind es rund 73 000). Die Zahl der Arbeitslosen ist im südlichen Wahlkreis mit 7,1 Prozent leicht höher als im nördlichen Wahlkreis (6,8 Prozent). Der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund liegt im südlichen Wahlkreis bei knapp 30 Prozent, ebenso wie im benachbarten Wahlkreis.
  • Bei der vergangenen Bundestagswahl 2013 hat die SPD bei den Zweitstimmen 34,7 Prozent geholt, die CDU blieb knapp unter 30 Prozent. Drittstärkste Kraft wurden die Grünen mit 15,5 Prozent. Danach folgte die Linke mit 8 Prozent. Die FDP kam auf 4,3 Prozent, die AfD auf 3,4 Prozent. Aus den Splitterparteien stachen die Piraten mit 2,2 Prozent hervor, die anderen blieben unter einem Prozent.     
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