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Dieser Hund kann helfen – für 15 000 Euro

Assistenzhund Dieser Hund kann helfen – für 15 000 Euro

Längst können Hunde viel mehr als Blinden im Lebensalltag helfen. Jetzt fordert die Behindertenbeauftragte des Landes, auch solche Tiere mit in den Katalog der Krankenkassen aufzunehmen, die an Demenz oder Depressionen erkrankten Menschen helfen.

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Bei Albträumen das Licht anknipsen: Sandra Grethe hofft, dass sie Boxerrüde Paul zum Assistenzhund ausbilden lassen kann. Selbst bezahlen könnte sie das nicht. 

Quelle: Hagemann

Hannover. Hilfsmittelverzeichnis ist ein sehr bürokratisches Wort. Und dennoch ist es der Schlüssel für die Zukunft von Boxerrüde Paul und dessen Besitzerin Sandra Grethe. Denn sollte die Ausbildung von Boxer Paul als Assistenzhund für posttraumatische Störungen und Asthma in den Hilfsmittelkatalog aufgenommen werden, wird sie auch von der Krankenkasse bezahlt. Und Sandra Grethe kann wieder angstfrei auf die Straße.

Die Landesbauftragte für Menschen mit Behinderungen, Petra Wontorra, setzt sich derzeit für die bessere Anerkennung der Assistenzhunde ein - und erfährt dabei Unterstützung von Sozialministerin Cornelia Rundt. „Die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in allen Lebenssituationen ist ein wichtiges Anliegen der Landesregierung“, betont Rundt. Mittlerweile stünden Hilfsmittel unterschiedlichster Art zur Verfügung, um Barrieren zu überwinden. Einige dieser Hilfsmittel seien wohlbekannt, etwa Rampen und Schrägen oder taktile Beschriftungen, die Sehbehinderten die Orientierung erleichterten. „Bekannt sind auch Blindenführhunde, die blinden Menschen als Hilfsmittel zur Mobilität dienen.“

Weniger bekannt ist, dass zunehmend auch Menschen mit anderen Behinderungen und chronischen Erkrankungen mithilfe speziell ausgebildeter Assistenzhunde die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erleichtert oder gar erst ermöglicht wird. „Für Blindenführhunde gibt es bereits gesetzliche Regelungen, die aber noch nicht durchgehend für andere Assistenzhunde gelten“, betont Wontorra. Sie begrüßt daher den jüngsten Beschluss der Landesregierung, sich für die rechtliche Gleichstellung unterschiedlicher Assistenzhunde einzusetzen und diese ebenfalls in die Hilfsmittelverzeichnisse der Kostenträger aufzunehmen.

Hier können Hunde helfen

Neben den Blindenführhunden sind die Vierbeiner bei Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen im Einsatz. So gibt es Assistenzhunde für Lebenspraktische Fähigkeiten – diese Hunde können etwa Lichtschalter und Türklinken bedienen sowie Wäsche aus einem Trockner holen. Sogenannte Mobilitäts- und PTBS-Assistenzhunde (posttraumatische Belastungsstörung und/oder dissoziative Störung), Autismushunde, Assistenzhunde für Menschen mit psychischen und psychiatrischen Erkrankungen, Demenz-Assistenzhunde und Medizinische Warn-, Anzeige- und Signalhunde. Dazu zählen Hunde, die vor Epilepsieanfällen, Unterzuckerung bei Diabetes, Asthmaanfällen, Schlaganfällen oder allergischen Reaktionen ihrer Besitzer warnen. Informationen über den Verein Assistenzhunde gibt es bei Nicole Brunner unter assistenzhunde@web.de oder unter assistenzhunde-deutschland.de.

Knapp 15 000 Euro soll die Ausbildung von Boxerrüde Paul kosten, die etwa 200 Stunden in Anspruch nehmen würde. Sandra Grethe wurde dafür an eine Ausbilderin in Eckernförde verwiesen, die zwecks Anleitung von Mensch und Tier nach Hannover kommen würde. „Als Frührentnerin mit ergänzender Sozialhilfe kann ich das nicht leisten“, sagt die 42-Jährige. Neben ihrer Asthmaerkrankung leidet sie an einer sogenannten posttraumatischen Störung, die durch jahrelange Gewalterfahrung in ihrer Ehe hervorgerufen wurde. „Mein Hund hilft mir schon jetzt im öffentlichen Leben“, sagt Grethe. Steht sie in einer Schlange, setze er sich vor oder hinter sie, „damit mir die Menschen nicht zu nahe kommen“. Als ausgewiesenen Assistenzhund könnte Grethe ihren Paul überall hin mitnehmen. „Bei Panikattacken oder Flashbacks kann der ausgebildete Hund mich trösten und schützen oder wenn ich nachts Albträume bekomme das Licht anknipsen.“ Schon jetzt hat Boxer Paul gelernt, ihr das Notfalltäschchen mit den Asthmamedikamenten zu bringen, wenn sie einen Hustenanfall bekommt.

„Die verschiedenen Hundeausbildungen müssen gleich behandelt werden“, sagt Wontorra. Was dabei zulässig und sinnvoll ist, sei zwar schwierig abzugrenzen und müsse daher genau definiert im Hilfsmittelverzeichnis auftauchen. Bislang werden Kosten nur übernommen, wenn sie zur Befriedigung von Grundbedürfnissen des täglichen Lebens erforderlich sind. Bei Blindenhunden wird dies von der Rechtsprechung bejaht, denn sie kompensierten das fehlende Sehvermögen. Bei anderen Assistenzhunden ist dies dagegen nicht der Fall, weil sie oft nur bestimmte, enger umgrenzte Funktionen wahrnehmen. Für die Aufnahme von Assistenzhunden ins Hilfsmittelverzeichnis ist auf Bundesebene eine gesetzliche Änderung erforderlich.

Sandra Grethe hofft darauf. Die Hannoveranerin möchte einfach wieder angstfrei vor die Tür.

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