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Aus der Stadt So bunt trieben es Dieter Thomas Kuhn & Band
Hannover Aus der Stadt So bunt trieben es Dieter Thomas Kuhn & Band
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00:16 29.08.2017
Ein besonderes Geschenk der Fans. Quelle: Christian Behrens
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Wer seit über 20 Jahren schlechten Geschmack zelebriert, braucht sich mit Eitelkeiten nicht aufzuhalten. Der Schwabe Dieter Thomas Kuhn hat nicht nur seine überdrehten Schlagerversionen zur Marke entwickelt, er ist selbst zu einer trashigen Stilikone geworden. Da kümmert es kaum, dass unter dem Glitzerjackett die Hose spannt – solange die Fönfrisur hält. Kuhn ist bei seinen Konzerten längst mehr als ein Musiker: Er ist Gastgeber ausgelassener Partys, auf denen ihn seine Gäste meist noch an geschmackloser Buntheit überbieten.

Auf der Gilde Parkbühne waren Dieter Thomas Kuhn & Band zu Gast. Die Fans wetteiferten mit der Band um die schrillsten Kostüme und warfen sogar Unterwäsche auf die Bühne.

Perücken, Schlaghosen und Plastikblumen

Auch vor der Gilde Parkbühne sind 5000 Fans trotz vorangegangenen Regengusses wild entschlossen, jede Spur ihres Alltags wegzufeiern – das Konzert ist seit Wochen ausverkauft. Schon Stunden zuvor erregten sie in den Stadtbahnen Aufsehen mit wilden Perücken, Schlaghosen und Plastikblumen: als würden sie in eine Disney-Version des San Francisco der Siebzigerjahre reisen.

Dieter Thomas Kuhn gibt Gas

Kuhn gelingt die meisterhafte Balance, sein Publikum zu Taumel und Loslassen zu verführen, und dabei doch niemals seine ironische Grundhaltung aufzugeben. Respektvoll verbeugt er sich vor den besten deutschsprachigen Ohrwürmern, bevor er sie gnadenlos übersteigert. Er legt extra Schmelz in die Stimme und überzuckert sie mit einer Spur exotischen Akzents. Vor allem gibt er Gas: Seine Versionen sind schneller und mit Latin-Rhythmen und Bläsern aufgepeppt. So lässt er die Karnevals-Stimmung im Publikum geschickt zwischen Köln und Rio schwanken.

Überdosis Schlager

Kuhn und seine Kapelle schaffen es, selbst altgediente Schlager wie Roy Blacks „Schön ist es, auf der Welt zu sein“ noch weiter zu verschlagern. Diese Überdosis funktioniert sogar bei Chansons von Udo Jürgens und Balladen von Reinhard Mey, auch wenn deren Fans bei zackig mitgegegrölten Versionen sensibler Sehnsuchtsgeschichten wie „Ich war noch niemals in New York“ und „Über den Wolken“ ein gewisses Unbehagen verspüren mögen.

Leider enthält Kuhn dem hannoverschen Publikum seine Ska-Variante von Kraftwerks „Das Model“ vor, mit der er sich auf seinem aktuellen Live-Album selbst übertrifft. Dafür stößt er in den Zugaben mit Rio Reisers „Für immer und dich“ an die Grenzen seiner Methode: Dessen aufrichtige Zärtlichkeit und kitschfreie Tiefe verträgt sich schlecht mit schmachtendem Pathos. Aber da ist das Publikum bereits so schlagerbesoffen, dass sich solche Details mühelos wegschunkeln lassen.

Thomas Kaestle     

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