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Aus der Stadt Digitale Pflanzenpflege gewinnt Cebit-Preis
Hannover Aus der Stadt Digitale Pflanzenpflege gewinnt Cebit-Preis
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00:17 23.03.2017
Von Jens Heitmann
Bekämpft Pflanzenkrankheiten mit einer App: Simone Strey.
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Hannover

Eigentlich waren Simone Strey und ihr Mann in Brasilien, um ihre Doktorarbeit über Kohlenstoffe im Boden zu schreiben. „Die Bauern waren jedoch viel mehr daran interessiert, wie es ihre Pflanzen geht“, sagt die Geografin. Schließlich können Krankheiten und Schädlinge die Ernte stark beeinträchtigen. So entstand die Geschäftsidee für „Plantix“: eine Smartphone-App, die auf Fotos Schädlingsbefall und Krankheiten bei Pflanzen erkennt.

Die Idee hinter der App ist vergleichsweise einfach: Jeder Befall erzeugt ein optisches Muster. Strey und sechs Freunde aus dem Umfeld der Universitäten in Hannover und Berlin haben eine Software entwickelt, die nur ein Handyfoto der Pflanze benötigt, um zu beurteilen, was ihr fehlt und wie man dies behandeln kann.

Inzwischen erkennt die App auf Basis von über 250 000 ausgewerteten Bildern schon mehr als 30 Pflanzenschäden automatisch - wie etwa Mangelerscheinungen an Tomaten oder Mehltau an Gurken.

Ihre Geschäftsidee treiben die Jungunternehmer über ein Start-up unter dem Namen PEAT voran - das Kürzel steht für „Progressiv Environmental & Agricultural Technologies“ und spiegelt auch den Anspruch der Gründer wider: Sie wollen insbesondere Kleinbauern in Entwicklungsländern helfen, ihre Erträge zu erhöhen. „Durch Pflanzenkrankheiten und Schädlinge gehen rund 30 Prozent der jährlichen Ernten verloren“, sagt Strey.

Genutzt wird die App bisher hauptsächlich von 35 000 deutschen Kleingärtnern. Viele Kleingärtner greifen vorschnell zur chemischen Keule, weil sie zu wenig über Pilz, Milbe und andere Schädlinge wissen. Wenn Nutzer jedoch Bilder ihrer befallenen Pflanzen der App übermitteln, bekommen sie Tipps zur Behandlung - mit jedem Foto lerne „Plantix“ dazu, sagt Strey.

Das Angebot für die Anwender ist kostenlos. Geld verdienen will das Start-up mit Lizenzen für die selbst entwickelte Software und mit den Daten, die sich aus den Fotos gewinnen lassen. Besonders interessant seien die GPS-Koordinaten, heißt es: Regierungen, Versicherungen und das Agribusiness hätten ein großes Interesse an Informationen über die Verbreitung von Schädlingen und Krankheiten.

Wenn kleine Start-ups solche Ideen entwickeln, lockt dies in der Regel Großkonzerne an - als Kunden, Konkurrenten oder auch als Kaufinteressenten. „Unsere Software ist aktuell die beste bei der automatischen Erkennung“, sagt Strey. Als Lizenznehmer freue sich Peat über jeden, als Übernahmekandidat sehe man sich noch nicht.

Wagniskapitalgeber haben das Start-up mit einer Million Euro ausgestattet. Auf der Cebit sind jetzt noch 50 000 Euro durch die Verleihung des „Innovation Awards“ hinzugekommen. Bis Ende dieses Jahres will Peat für seine App eine Million Nutzer gewinnen - gelingen solle dies über den Start auf dem indischen Markt, sagt Strey.

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