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ARD verschwommen

Digitalradio stört Fernsehempfang in Hannover


In weiten Teilen Hannovers ist der Empfang des ARD-Programms gestört. Egal ob Limmer, List, Sahlkamp, Bothfeld oder Misburg – wer „Das Erste“ einschaltet, sieht seit Kurzem krisselige, verrauschte Bilder, oft mit Diagonalstreifen. Die Störungen treten beim analogen Kabelempfang auf und sind ohne jede Vorwarnung gekommen.
Mit dem doppelt abgeschirmten Kabel sieht man besser – zumindest die ARD.

Mit dem doppelt abgeschirmten Kabel sieht man besser – zumindest die ARD.

© Insa Catherine Hagemann

Hannover. Weder der Kabel-TV-Anbieter Kabel Deutschland noch die Landesmedienanstalt hatten die Kunden vor den massiven Störungen gewarnt. HAZ-Leser Otto Lübbe dachte beispielsweise zunächst, seine Fernsehgerät sei defekt.

Sowohl Kabel Deutschland als auch die Landesmedienanstalt nennen den gerade gestarteten Betrieb des neuen Digitalradios als Ursache. Seit der vergangenen Woche strahlt der „Telemax“ am Weidetorkreisel den neuen Funkstandard DAB+ mit einer deutlich höheren Sendeleistung ab als den bis dahin genutzten Vorläufer DAB (Digital Audio Broadcast). DAB sendet bereits seit dem Jahr 2000. Und auch damals gab es anfangs dieselben Probleme wie heute, heißt es bei der Landesmedienanstalt.

Das Problem: Kabel Deutschland nutzt im analogen Kabel dieselbe Frequenz für das ARD-Programm, die das digitale Radio per Funk für sich beansprucht. In Haushalten, in denen das Antennenkabel des Fernsehgeräts nicht besonders abgeschirmt ist, kann der Digitalradiosender deshalb den ARD-Fernsehempfang stören.

Bei der Landesmedienanstalt habe man angenommen, dass sich viele Haushalte wegen der Erfahrungen im Jahr 2000 bereits mit besonders abgeschirmten Kabeln ausgerüstet hätten, erläutert deren Technischer Leiter Detlef Pagel. Offenbar hat die Erhöhung der Sendeleistung beim Wechsel von DAB zu DAB+ in der vergangenen Woche aber neue Probleme bei weniger gut abgeschirmten Kabeln verursacht.

Die Frequenz des im Kabel betroffenen Kanals 5 sei von der Bundesnetzagentur für das Digitalradio vorgesehen, im Kabelfernsehen dürfe sie aber auch genutzt werden, sagt Pagel. Im Herbst sollen weitere Kanäle für das Digitalradio freigeschaltet werden, es könnte also erneut zu Problemen im Kabelfernsehen kommen. Wer aber jetzt doppelt abgeschirmte Kabel kaufe, sei auch dafür schon gerüstet.

Pagel weist aber darauf hin, dass der analoge Sendebetrieb im Kabelnetz ohnehin abgeschaltet werden soll. Bisher nutzten allerdings noch zwei Drittel der Kabelkunden Analogtechnik, während nur ein Drittel bereits mit einer zusätzlichen Empfangsbox auf dem Fernsehgerät das weitaus größere Angebot im Digitalkabel sehen.

Bisher wissen viele Kabel-TV-Nutzer offenbar nicht, wie sie die Störung beheben können, der große Ansturm auf die Elektromärkte Saturn und Media Markt ist in den vergangenen Tagen zumindest noch ausgeblieben. Auch im Fachgeschäft Thorenz in der Karmarschstraße haben manche Kunden in den vergangenen Tagen zwar von einem krisseligen Bild berichtet, dass es an dem neuen Digitalradio liegen könnte, war bisher aber nicht klar.

Abgeschirmtes Antennenkabel hilft

Analoge Kabelgucker können die Störungen mit der Anschaffung besonders abgeschirmter Antennenkabel beseitigen. Heike Koring, Sprecherin von Kabel Deutschland in Hannover, empfiehlt doppelt abgeschirmte Kabel mit der Kennzeichnung „Klasse A“ oder „Class A“, die mit mindestens 85 Dezibel (dB) abgeschirmt sind. Die Landesmedienanstalt in Hannover rät sogar dazu, noch stärker abgeschirmte Kabel mit wenigstens 85 dB zu benutzen. Auch Verbindungs- oder Verteilerstücke müssen entsprechend abgeschirmt sein. Ein Kabel kostet im Fachhandel ab 12 Euro. Sollten die Probleme dennoch auftreten, steht der technische Service von Kabel Deutschland unter der kostenlosen Rufnummer 0800-5266625 rund um die Uhr zur Verfügung.

Helmuth Klausing und Mathias Klein

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