So kann’s kommen in der Evolution: Da hat man als Saurierbaby gerade die hartnäckige Eierschale seiner Erstbehausung geknackt, guckt raus, das Leben beginnt, und – zack! - ist es auch schon wieder vorbei. Weil Liliensternus Hunger hat. Liliensternus hat eigentlich nichts anderes als Hunger, ohnehin ist Hunger ein ganz entscheidender Faktor für die Evolution. Jedenfalls zu Zeiten von Liliensternus. 200 Millionen Jahre ist das her, ein Zeitraum, den man sich kaum vorstellen kann. Was an diesem Wochenende in der hannoverschen TUI Arena passiert, soll der Vorstellung dessen, was damals passiert ist, ein bisschen auf die Sprünge helfen. Denn auf dem Expo-Gelände sind die Saurier los.
„Im Reich der Giganten“ heißt die Liveshow zur gleichnamigen BBC-Serie, und so eine Show hat es in der Tat noch nicht gegeben. Bisher gab es die echtesten Dinosaurier im Museum, im Fernsehen und im Kino zu sehen. Doch nun stapfen die monströsen Viecher in Originalgröße und so gut wie echt durch die Mehrzweckhalle an der Expo-Plaza. Und sausen zusammen mit einem Paläontologen in zwei Stunden durch 170 Millionen Jahre, durch Trias, Jura und Kreidezeit. Und wenn Geschichte laufen lernt, dann richtig: Brachiosaurus schaukelt mit einem Gardemaß von 22 Metern Länge und zwölf Metern Höhe durch die Halle, oder wie der im Verhältnis winzige Forscher anschaulich erläutert: „Zwei Omnibusse lang, ein dreistöckiges Haus hoch“. Schließlich soll man ja auch was lernen.
6000 große und kleine Neugierige sind beim Auftakt am Donnerstagabend da, knapp 40 000 werden in den sieben weiteren Shows bis Sonntag folgen. Erdentwicklung als Familienentertainment. Auch deshalb fließt im Gegensatz zum wirklichen Dinoalltag kein Blut. Die Saurier – auch die Freunde der Fleischmahlzeit – wollen hier eigentlich alle nur spielen. Und drohen. Und dabei fauchen, krächzen, grollen, grunzen und brüllen sie so furchterregend, dass der eine oder andere Augenzeuge jenseits der Bande ganz weit in seine Sitzschale rutscht.
Für das Fauchen, das Brüllen und die körperliche Fitness der imposanten Hauptdarsteller ist eine Truppe Spezialisten oben auf der Tribüne im Einsatz. Mit ausgefeilter Computertechnik, großen Joysticks und Keyboardtastaturen können die Saurier ihre Hälse, Mäuler und Schwänze bewegen oder den Zuschauern auch mal zublinzeln. Damit sie sich fortbewegen, sind sie zudem bemannt. Die kleineren mit einem Läufer, der trotz leichtester Materialien rund 45 Kilo Gewicht umherzuwuchten hat, die auf seiner Hüfte lasten. Brachiosaurus, Torosaurus mit seinem großen Nackenschild oder der stachelige Stegosaurus - dicker Panzer, kleines Hirn – werden mit kleinen Scootern durch die Arena gefahren. „Das Zusammenspiel ist irre kompliziert“, hat Timo Ben Schöfer festgestellt. Er ist einer von zwei Schauspielern, die als Forscher „Huxley“ den Conferencier der Tourneeproduktion geben.
Es gäbe eine ganze Menge zu erzählen. Doch wer 170 Millionen Jahre an einem Abend zusammenfassen will, muss sich auf die Highlights beschränken. Immer wieder treffen Saurier aufeinander, um zu zeigen, wer Chef im Trias oder im Jura ist. So richtig kann es dabei allerdings nicht krachen, da die Leichtbaukörper sonst Schaden nehmen würden. Aber ein – magnetisch gehaltenes – Horn bricht schon mal ab. Wuchtige Orchestermusik und eine großzügige Lichtshow erledigen den Rest. Einen echten Rockstar hat die Show auch, und der kommt, wie es sich gehört, zum Schluss. Tyrannosaurus Rex. Imposante Erscheinung, ein Kopf wie ein Kleinwagen. Ein Sound wie AC/DC.
Natürlich Fleischfresser. Ein echter Gattungsvertreter hätte vermutlich erstmal den kompletten Block U 10 verspeist, schließlich kann er „mit einem Maul voll 70 Kilo herunterschlingen, also ungefähr zwei Topmodels“, wie Forscher Huxley erläutert. Doch dieser hier ist eine „Sie“ und zum Glück für U 10 nicht von Hunger, sondern von Mutterinstinkten getrieben. Denn der T-Rex ist ein Familientier, und da sein Filius gerade Ärger mit zwei Feinden hat, muss Mutti ein bisschen griffig werden. Es ist nicht schwer zu erraten, wer hier als Sieger vom Platz geht. Hinterher wird familienintern ausgiebig geschmust. Und jenseits der Bande erleichtert applaudiert. Und am Ende laut gejubelt.
Was lernen wir? Erstens: Tyrannosaurier haben doch ein großes Herz. Zweitens: Wenn man mal wieder nach der Urzeit gefragt wird, weiß man Bescheid. Und drittens: Wenn ein Dino nach einem benannt wird, hat man es endgültig geschafft. Wie Mark Knopfler. Der „Masiakasaurus knopfleri“, ein auf Madagaskar entdeckter Saurier, ist an diesem Wochenende zwar nicht in der TUI Arena. Dafür kommt sein Namensgeber im Mai. Ob er so ein Spektakel bieten kann wie die Dinos an diesem Wochenende, bleibt abzuwarten.
Für die weiteren sieben Shows am Freitag (19 Uhr) sowie Sonnabend und Sonntag (jeweils 11, 15 und 19 Uhr) gibt es noch Karten an den Vorverkaufsstellen und an der Abendkasse.
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Kommentare
Tote Körper Mediator – 30.01.10
Na, dann macht Euch mal schnell auf, Ihr Leute vom Ordnungsamt. Vielleicht ist da ja noch eine Vitrine oder gar ein Veranstaltungsverbot zu verhängen. Denn die bösen Macher der Leichenschau im Brit. Pavillon haben sich da doch sicherlich mit reingehängt in die Show?Dino´s mar – 29.01.10
Wir waren gestern da und fanden es echt spitze! Jeder der Karten hat darf sich darauf freuen :)Dino Show Heiko – 29.01.10
Wir sind mit unserer Tochter am Sonntag in der Show.Bin schon ganz gespannt"
genial george – 29.01.10
bombastisch - hingehen und staunen - ich und mein neffe waren sehr begeistert.