„Kultur darf politisch sein, aber Politik darf Kultur nicht dominieren und majorisieren“, so Toepffer. Er sieht das Dorf nicht in erster Linie als Inszenierung, sondern als Protestform. „Der Aufruf, dass künftig mehr Menschen gegen Atomkraftwerke demonstrieren sollen, gleicht einem Aufruf einer Anti-Atom-Organisation, und das auf Kosten des Landes.“ Weiter heißt es: „Es wird ein Erlebniscamp Politik errichtet, in dem scheinbar der Nachwuchs an Demonstranten gefördert werden soll.“
In der Beschreibung des Projekts habe er gelesen, dass auch von einer noch zu politisierenden Jugend gesprochen wird. Dazu Toepffer: „Die Politisierung der Jugend ist wichtig, aber das ist wohl kaum Aufgabe eines Theaters.“ Regisseur Florian Fiedler rät er: „Er soll sich wieder darauf besinnen, dass er als Regisseur für ein Theater arbeitet und nicht vorrangig Mitglied einer Anti-Atom-Organisation ist.“
Lars-Ole Walburg, Intendant des Schauspiels Hannover, widerspricht. Es gehe bei dem Dorf um ein theatralisches Projekt. Dort werde sehr viel Theater gespielt, außerdem fänden Konzerte und Podiumsdiskussionen statt. Walburg meint, dass Toepffer Angst vor einer „Radikalisierung von Jugendlichen durch Workshops“ habe. Und: „In den Workshops wird es um Fragen wie Demokratieverständnis und Zukunftsaussichten von jungen und älteren Menschen gehen. Dass dabei auch der Raubbau an unserer Erde und vielleicht auch Ängste vor der derzeitigen Atompolitik geäußert werden, will ich nicht ausschließen.“ Das Schauspiel habe sich bemüht, auch Atomkraft-Befürworter zu Podiumsdiskussionen einzuladen. Das sei leider nur in einem Fall gelungen.
Die CDU im Stadtrat schloss sich der Sicht Toepffers an. „Das Thema sollte eher in der Politik diskutiert werden als im Theater“, sagte Fraktionschef Jörg Seidel. Nils Tilsen, kulturpolitischer Sprecher der FDP, bezeichnete die Inszenierung „als Skandal“. Das Projekt sei zudem unsensibel in einer Phase, in der die Stimmung durch die Debatte um den Atomausstieg ohnehin schon aufgeheizt sei. SPD und Grüne lobten dagegen den Mut Walburgs. „Ich finde die Herangehensweise, auch zeitkritische Fragen aufzunehmen, ist eine außerordentlich spannende Art der Inszenierung“, sagte Grünen-Chef Lothar Schlieckau. Ulrike Bittner-Wolf, kulturpolitische Sprecherin der SPD, erklärte: „Kultur hat in erster Linie das Ziel, dass sich Menschen mit Themen auseinandersetzen. Ich habe bei dem Projekt absolut keine Bedenken.“