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„Pädophile Menschen sind draußen gefährlicher“

Diskussion im Astor-Kino „Pädophile Menschen sind draußen gefährlicher“

Im Astor-Kino haben Experten am Montag über den richtigen Umgang mit pädophilen Neigungen diskutiert – aus Sicht der Opfer und der behandelnden Psychiater. „Pädophile Menschen sind draußen gefährlicher, als wenn wir sie regelmäßig sehen“, meint Sexualmediziner Tillmann Krüger von der MHH.

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Podiumsrunde im Anschluss an den Film „Stigma“.

Quelle: Samantha Franson

Hannover. Ein Mann erzählt seine Geschichte. Schon während der Pubertät bemerkte er dieses merkwürdige Interesse an kleinen Mädchen. Er sah sich Bilder in Versandhauskatalogen an, immer stärker wurde später sein Wunsch, Fantasien in seinem Kopf in das wahre Leben zu bekommen. Er überlegte, ein Kind zu sich nach Hause zu locken.

Als das Verlangen immer mächtiger wurde, missbrauchte er seine Tochter und berührte sie an Stellen, die ein Vater nicht berühren sollte. Er nutzte den Spaß seines Kindes am Schmusen und Gekitzeltwerden. Eines Nachts legte er sich zu ihr ins Bett, sie erschrak, Papa, was machst du hier, und er verließ, selbst erschrocken, den verbotenen Ort. Der Trieb hatte den langen Kampf gegen die Verdrängung gewonnen. Der Mann beschreibt, wie seine Tochter ihn fragt, ob sie seinen Penis küssen soll. Jahre später hat er eine Therapie beendet. Er habe sich unter Kontrolle, wünsche sich immer noch eine Beziehung zu einem Mädchen. Als er seiner Tochter seine Neigung gesteht, bricht sie den Kontakt ab.

Es ist die wahre Geschichte eines Mannes, von zwei Schauspielern in Dialogform dargestellt. Der halbstündige Film „Stigma“ von Peter Jeschke und Jens Wagner wurde am Montagabend auf Einladung des Bündnisses „White IT“, einer Initiative gegen Kinderpornografie, in einem kleinen, aber voll besetzten Astor-Kino gezeigt. Wagner, auch Sprecher des Hilfsnetzwerkes „Kein Täter werden“, sagt über den Film: „Wir wollten wertfrei den inneren Konflikt und Strategien der Verharmlosung zeigen.“ Eine dieser Verharmlosungsstrategien: das Kind wolle den sexuellen Kontakt auch.

Viele Besucher im Kino haben beruflich und im Ehrenamt mit Pädophilie zu tun. „Stigma“ war Anlass für die Frage, wie man mit Pädophilie umgehen sollte. Ingo Fock vom Verein „gegen-missbrauch“, der betroffene Opfer vertritt, beeindruckte der Film nicht sehr. „Der gute Mann löst bei mir kein Mitleid aus. Er hat Grenzen überschritten. Er wäre auch nicht stigmatisiert in seiner Familie, wenn er seine Fantasien im Kopf behalten hätte.“ Er könne aber anerkennen, dass der Mann Hilfe gesucht habe.

Nicht jeder ist ein Täter

Pädophil zu sein ist nicht gleichbedeutend damit, Täter zu sein. Zwischen Neigung und tatsächlichem Vergehen an einem Kind besteht ein großer Unterschied. Netzwerke wie „Kein Täter werden“ versuchen, mit Beratungsstellen Pädophilen zu helfen, sich zu kontrollieren. Aber pädophil, also Kinder liebend, darf man das sagen über Männer, die Jungen und Mädchen sexuell missbrauchen und vielleicht für ihr Leben schädigen? Manche im Kino stören sich an Begriffen. Täter seien „pädokriminell“, meint eine Besucherin. Ingo Fock gefällt nicht, dass bei Pädophilen von Neigung gesprochen wird, er nennt den Drang, Partnerschaften mit Kindern haben zu wollen, eine „Verhaltensstörung“.

Solche eher linguistischen Debatten indes findet der Sexualmediziner Tillmann Krüger von der MHH wenig hilfreich. Auch Aussagen, Tätern werde mehr geholfen als Opfern, begegnet er mit der Aussicht, die medizinische Hilfe bringe. „Pädophile Menschen sind draußen gefährlicher, als wenn wir sie regelmäßig sehen.“ Die Frage, wann denn ein Patient als geheilt gelten kann, beantwortet er so: „Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, wie nirgends in der Psychiatrie.“ Man könne aber Risikofaktoren benennen. Alkohol zähle dazu, Einsamkeit und fehlende Hilfe. „Soziale Ausgrenzung ist kein Mittel, um mehr Sicherheit zu erreichen. Es braucht Anlaufstellen.“ Fock dagegen beklagt, dass es wesentlich mehr Angebote für Täter gebe, während Opfer von Missbrauch oft Monat um Monat auf eine Erstbetreuung warten müssten.

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