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Aus der Stadt Diskussion über Fangewalt
Hannover Aus der Stadt Diskussion über Fangewalt
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08:09 22.03.2012
Von Felix Harbart
Das Podium in der Tellkampfschule: Fanforscher Prof. Gunter A. Pilz (3. v. l.) und 96-Experten sorgen sich um Gewalt in neuer Qualität rund um den Profifußball. Quelle: Joos
Hannover

Hubertus Gleitze begleitet Hannovers Fußballfans schon seit vielen Jahren, und früher, sagt der Polizist, „war die Lage übersichtlicher“. Gleitze ist sogenannter szenekundiger Beamter bei der Polizeidirektion Hannover. Er hat die Hochphase des „Hooliganismus“ in den achtziger Jahren erlebt, und er erlebt die zurzeit heftig diskutierte Renaissance der Fangewalt jetzt. „Die Gewalt ist gegenüber früher nicht mehr geworden“, sagt Gleitze in der gut gefüllten Aula der Tellkampfschule in der Südstadt. „Aber sie ist anders geworden. Heute kennt die Gewaltspirale keine Grenzen mehr.“

Als Partnerschule von Hannover 96 und im Rahmen ihres Konzeptes zur Gewaltprävention hat die Schule hannoversche Experten eingeladen, um über die jüngste Welle von Ausschreitungen von Fußballfans zu diskutieren. Da geht es um das Abbrennen von sogenannten Bengalo-Fackeln im Fanblock, um die verabredete Prügelei unter Hooligans (siehe Extrabericht) und um die Rolle, die die „Ultras“ unter den Fußballfans für sich reklamieren. Das Gewaltpotenzial, das sich derzeit in und vor allem um deutsche Fußballstadien entlädt, fügt sich für Prof. Gunter A. Pilz, Soziologe und Fanforscher aus Hannover, zu einer „Situation, die mir Sorgen macht“.

Wichtig bei der Diskussion ist, die einzelnen Gruppen von Fankurvenbesuchern auseinanderzuhalten. Pilz teilt sie  ein in „Kuttenträger“, „Ultras“ und „Hooligans“. Den Kuttenträger beschreibt er als mit Leib und Seele am Klub hängenden, unkritischen, den Ultra wiederum als mit Leib und Seele am Klub hängenden, kritischen Fan. Letzterer sei Teil einer „hoch faszinierenden, kreativen Jugendbewegung“, sagt Pilz. Der Hooligan wiederum sei eher lose mit seinem Verein verbunden, dafür umso mehr vom Wunsch getrieben, Gewalt auszuüben. Dafür diene ihm der Fußball mehr oder weniger als Vehikel.

Eben diese verschwunden geglaubte Spezies erlebt in Hannover besonders in dieser Saison eine Wiederauferstehung, sagt Polizist Gleitze. Dadurch, dass Hannover 96 erstmals seit Jahrzehnten wieder im Europapokal unterwegs sei, seien viele der alten Bekannten „wieder aufgetaucht“. Verändert habe sich lediglich der Ehrenkodex der Hooligans. Früher hätten sie Unbeteiligte in Ruhe gelassen und bei Schlägereien untereinander aufgehört, wenn der Unterlegene am Boden war. „Das hat sich massiv verändert“, sagt Gleitze. „Heute gehört für manchen sogar ein Raubüberfall auf einen unbeteiligten Fan zum ganz normalen Fangehabe.“

Michael Anolke vom Fanprojekt Hannover will zwar „nicht die Augen davor verschließen, dass wir ein Gewaltproblem haben“, findet aber doch, dass die gegenwärtige Situation „von den Medien ziemlich aufgebauscht wird“. Auch Veronika von Lintel vom Fandachverband „Rote Kurve“ sind die „Zuspitzungen“ der Medien ein Dorn im Auge. Dennoch stellt sie fest, dass das Fanleben nicht mehr so friedlich sei wie früher. „Heute kann es dich selbst dann erwischen, wenn du in einer anderen Stadt vorsichtig bist und kein Trikot und keinen Schal trägst.“

Einig ist sich das Plenum im Wesentlichen darüber, dass das Abbrennen von Pyrotechnik im Stadion nicht erlaubt werden sollte. Warum, haben zu Beginn der Veranstaltung schon zwei Schüler des Chemie-Leistungskurses klargemacht: „Bengalos erreichen Temperaturen von 1600 bis 2500 Grad und lassen sich nicht löschen“, haben sie gesagt. Und mehr muss man zu dem Thema eigentlich gar nicht wissen.

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