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„Auch das Ende ist ein soziales Geschehen“

Diskussion über Sterbehilfe „Auch das Ende ist ein soziales Geschehen“

Die SPD diskutiert über menschenwürdiges Sterben – und setzt bei dem Thema vor allem auf Selbstbestimmung. Mit dabei waren Bundestagsabgeordneten Edelgard Bulmahn, Caren Marks, Matthias Miersch und Kerstin Tack

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Die SPD diskutiert in Hannover über Sterbehilfe.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover . Eine zweite Meinung hätte der Diskussion gutgetan. Vielleicht sogar die Position eines Politikers, der nicht in der SPD ist. Doch ein solcher war nicht geladen. Und so blieben die sozialdemokratischen Bundestagsabgeordneten Edelgard Bulmahn, Caren Marks, Matthias Miersch und Kerstin Tack in der Üstra-Remise mit ihren Gästen unter sich, um das Thema „Menschenwürdiges Sterben ermöglichen“ zu diskutieren.

Der Bundestag debattiert derzeit über das ethisch heikle Thema, wie die Hilfe beim Suizid todkranker Patienten rechtlich geregelt werden kann. Vier Gesetzesentwürfe liegen dazu auf dem Tisch. Wie Miersch erklärte, tendieren die vier hannoverschen Abgeordneten allesamt dazu, den Entwurf von Karl Lauterbach (SPD) und Peter Hintze (CDU) zu unterstützen: Dieser will Ärzten unter bestimmten Voraussetzungen die Hilfe beim Suizid ermöglichen. Für die Sozialdemokraten ist das auch eine Frage von Patientenautonomie, Freiheit und Selbstbestimmung.

Leiser Widerspruch kam da noch am ehesten von Landesbischof Ralf Meister, der freilich eher die philosophischen als die juristischen Untiefen des Themas auslotete. Er appellierte daran, auch die Angehörigen der Patienten nicht aus dem Blick zu verlieren: „Auch die größte Freiheit ergibt sich immer aus der Bindung an andere“, sagte er. „Selbstbestimmung heißt nicht, nur sich selbst gegenüber verantwortlich zu sein.“ Das Sterben eines Menschen sei im höchsten Maße persönlich – und doch zugleich eine soziale Frage: „Auch das Ende ist ein soziales Geschehen.“

Hannover diskutiert über den Umgang mit Sterbehilfe: Dabei sind Dr. Gerald Neitzke, Hans-Jürgen Rosin, Edelgard Bulmahn, Dr. Matthias Miersch, Caren Marks, Kerstin Tack und Ralf Meister.

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Hans-Jürgen Rosin von der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben wies hingegen darauf hin, dass eine Mehrheit in Deutschland längst für eine Liberalisierung der rechtlichen Regelungen zum Sterben ist: „Als Menschenrechtsorganisation vertreten wir die Position: ,Mein Ende gehört mir‘“, sagte er: Ärzte sollten ebenso wie gemeinnützige Vereine die Möglichkeit haben, Patienten zu unterstützen, die sterben wollen.

Skeptisch zeigte sich an dieser Stelle Gerald Neitzke, Vorsitzender des Klinischen Ethik-Komitees der MHH: „Bei Vereinen gibt es nicht dieselbe Gewissenhaftigkeit wie dort, wo Beziehungen zum Betroffenen bestehen“, sagte er. Der Mediziner sah alle vier Gesetzesentwürfe eher kritisch: „Die rechtlichen Regelungen, die wir im Moment haben, funktionieren“, sagte er. Allerdings hätten verschiedene Ärztekammern – unter anderem in Niedersachsen – den Medizinern die Suizidhilfe verboten, sodass in Deutschland ein juristischer Flickenteppich entstanden sei.

Die ganze Diskussion war vor einigen Jahren angesichts dubioser Organisationen aufgekommen, die mit dem Tod Geschäfte machen wollen. Die SPD-Abgeordneten befürchten, dass der Bundestag nun am Ende eine Verschärfung der Regelung verabschieden könnte: Bislang ist Hilfe beim Suizid nicht strafbar. Aber in jedem Fall gilt am Ende wohl, was Landesbischof Meister sagte: Jede rechtliche Regelung stößt bei diesem Thema an ihre Grenzen. Da widersprach ihm im Saal niemand.

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