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Aus der Stadt "Darf man auf dem Friedhof Kuchen essen?"
Hannover Aus der Stadt "Darf man auf dem Friedhof Kuchen essen?"
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20:18 18.07.2016
Von Bärbel Hilbig
Hannover Pastor Olaf Koeritz in der Herrenhäuser Kirche. Quelle: Alexander Körner
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Herr Pastor Koeritz, seit dem Frühjahr gibt es auf dem Stadtfriedhof Stöcken ein Café. Die Lage ist durchaus ungewöhnlich: Passt das da hin?

Ich kenne tatsächlich kein zweites Café, das auf einem Friedhof liegt. Grundsätzlich halte ich das aber für eine gute Sache. Friedhöfe habe ich immer als Orte der Begegnung erlebt, an denen Menschen mit ähnlichen Erfahrungen sich treffen. Manche kommen sogar extra, weil sie dort andere zum Reden finden. Wenn sie ihr Gespräch, das am Grab oder auf der Bank beginnt, unkompliziert im Café fortsetzen können, ist das eine ganz wichtige Sache.

Haben Sie selbst in letzter Zeit eine Beerdigung in Stöcken zelebriert? Wie reagiert Ihre Gemeinde auf das Café?

Die Menschen schätzen es sehr, dass sie jetzt nach der Beerdigung vor Ort zusammenbleiben können. Für Stöcken ist das wunderbar. Ich hatte jetzt sogar eine Beerdigung in Herrenhausen, nach der die Angehörigen in das Café auf dem Stöckener Friedhof gegangen sind.

Zur Person: Pastor Olaf Koeritz

Pastor Olaf Koeritz hat im September 2015 die Pfarrstelle in der evangelischen Kirchengemeinde Herrenhausen-Stöcken angetreten. Der 54-Jährige war vorher seit 1994 Gemeindepastor im ländlichen Hollenstedt, gelegen zwischen Hamburg und Bremen. Er lebt mit seiner Frau in einem Gemeindehaus direkt neben der Herrenhäuser Kirche. Das jüngste der vier Kinder hat vor dem Umzug nach Hannover den Haushalt verlassen.

In vielen Stadtteilen gab es früher eine Gaststätte, meist in Friedhofsnähe, die Trauergesellschaften traditionell nach der Beerdigung angesteuert haben. Fehlt das heutzutage?

Auf den Dörfern, wo ich früher tätig war, gab es das noch. In der Stadt, merke ich, ist es schwieriger geworden, in gut erreichbarer Nähe etwas Passendes zu finden.

Diese Feier mit dem skurrilen Begriff Leichenschmaus ist nicht jedermanns Sache. Besonders auf Heranwachsende kann es befremdlich wirken, wenn entfernte Verwandte nach den ersten Schnäpsen Anekdoten oder Witze erzählen. Raten Sie dennoch dazu?

Als ich Teenager war, ging es mir ähnlich wie beschrieben. Wie wichtig und sinnvoll so ein Leichenschmaus ist, habe ich erst später entdeckt, je länger ich im Beruf war. Die Beerdigung führt vor Augen, dass der Abschied endgültig ist. Für enge Angehörige ist es dann oft schwierig, in ein Leben ohne den Verstorbenen zurückzufinden. Das gemeinsame Kaffeetrinken, bei dem auch den fröhlichen Erinnerungen an den Toten Raum gegeben wird, tröstet. Außerdem begegnen sich Menschen, die sich oft sehr lange nicht gesehen haben und knüpfen neu an alte Beziehungen an. Das kann den Trauernden helfen. Wenn Angehörige nach der Beerdigung direkt nach Hause gehen, sind sie im schlimmsten Fall allein. Deshalb ist ein Ort wie so ein Café wichtig.

Das Café auf dem Friedhof steht aber auch anderen Besuchern offen. Ist die Sorge berechtigt, dass dies Trauernde stört?

Die Betreiber müssen sich überlegen, welche Gäste sie zu welcher Zeit bewirten. Eine Trauergesellschaft auf dem Weg zum Grab will nicht mit einer jubelnden Geburtstagsfeier konfrontiert werden. Da sind Sensibilität und Rücksichtnahme gefragt. Hier ist es schon ein Unterschied, ob man ein Café am Friedhof betreibt oder in der Innenstadt oder am Maschsee.

Im Café Anna Blume sollen Lesungen und kleine Konzerte stattfinden. Was halten Sie davon?

Ich halte das für eine gute Idee. Am Tag des offenen Friedhofs machen wir selbst als Kirchengemeinde zum Beispiel musikalische Veranstaltungen auf dem Herrenhäuser Friedhof. Es gibt viele gute Bücher, die sich mit Tod und Trauer befassen. Das würde sich für eine Lesung anbieten.

Manche Angehörige suchen auf einem Friedhof vor allem Ruhe und Abgeschiedenheit zum Trauern. Ist ein Gastronomiebetrieb aus dieser Sicht nicht doch pietätlos?

Es gibt sicher eine große Bandbreite der Empfindungen. Ein Friedhof ist natürlich ein Ort, an dem die Würde der Verstorbenen und die Totenruhe gewahrt werden müssen. Der Stöckener Friedhof ist aber auch ein wirklich schöner Park, in dem viele schlicht gerne spazieren gehen. Ich kenne auch manche, die dort mit dem Kinderwagen die Ruhe genießen. Und ich habe nicht den Eindruck, dass es Angehörige Verstorbener als störend empfinden, wenn auf dem Friedhof auch Leben herrscht.

Was für eine Rolle spielt dabei ein Café?

Ich finde es schön, dass die Friedhöfe hier in Hannover nicht an die Peripherie gedrängt sind wie in anderen Städten. Solch ein Ort für Trauer und Tod gehört zum Stadtleben. Das wird mit so einem Café noch einmal verstärkt.

Interview: Bärbel Hilbig

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