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Scherben aufsammeln reicht nicht

Kommentar zur Raschplatz-Debatte Scherben aufsammeln reicht nicht

Trinkergruppen, Dreck und Unbehagen: Die Hannoveraner trauen sich nicht mehr auf den Raschplatz. Das ist eine unhaltbare Situation, vor der sich die Stadt nicht mehr wegducken darf – sie muss hart durchgreifen,  meint Andreas Schinkel.

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Regelmäßig sind Alkoholexzesse auf dem Raschplatz zu beobachten.

Quelle: Behrens

Hannover . Die Temperaturen steigen, die Sonne scheint – und hinter dem Bahnhof trifft sich wieder die Trinkerszene. Manch einer ist versucht, die Alkoholexzesse der Gruppen auf dem Raschplatz als wiederkehrendes Phänomen zu Beginn der warmen Jahreszeit hinzunehmen und dann zur Tagesordnung überzugehen. Hannovers Stadtverwaltung etwa nimmt diese Haltung ein: beobachten und abwarten, bis der Winter kommt. Das aber ist entschieden zu wenig. Der Raschplatz droht zu einem Ort zu werden, den die meisten Hannoveraner meiden – aus Angst und Ekel. Dabei sollte Konsens sein: No-Go-Areas darf es in Hannover nicht geben. Lösungen sind gefragt – und für die ist ein schwieriger Spagat zwischen ordnungspolitischer Härte und sozialer Fürsorge nötig. Es geht um die Wiedereroberung des Platzes für alle Bürger.

Der Raschplatz in Hannovers Innenstadt ist als Treffpunkt für Alkoholkonsum bekannt. Das hinterlässt dort seine Spuren. Ein Besuch.

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Hinter vorgehaltener Hand geben selbst Mitglieder der Rathausspitze zu, dass sie abends nur ungern über den Raschplatz schlendern. Bis zu 50 Trinker stehen dann zusammen, manche können nur noch liegen. Sich durch die Zechenden zu schlängeln, mag ein mulmiges Gefühl verursachen, aber die Angst vor Übergriffen ist unbegründet. Polizei und Wachdienste bestätigen, dass Streit und Handgreiflichkeiten nur innerhalb der Gruppe entstehen. Der Raschplatz hat kein Sicherheitsproblem. Aber er hat ein Hygieneproblem.

Menschliche Ausscheidungen jeglicher Art finden sich auf den Treppen, in dunklen Ecken und in den Fahrstühlen zur U-Bahn. Eigentlich hatte die Grundstücksgesellschaft HRG, Eigentümerin des Raschplatzes, gehofft, dass derart ekelige Verunstaltungen der Vergangenheit angehören. Vor drei Jahren wurde in der alten Polizeistation am Raschplatz eine kostenlose öffentliche Toilette eingerichtet. Die aber wird von einer bestimmten Klientel nicht benutzt. So muss die HRG dreimal täglich eine Putzkolonne über den Platz schicken.

Nicht nur den Stammtrinkern am Platz scheint ab einer gewissen Promillegrenze jegliches Schamgefühl abhandenzukommen. Die Wachdienste der HRG berichten, dass auch nächtliche Partygänger den Weg zur öffentlichen Toilette scheuen und sich auf dem Platz erleichtern. Dagegen hilft nur eines: ordnungsrechtliches Durchgreifen. Ein Stadtplatz ist keine Kloake, und das muss jedem klar sein.

Gern führt die HRG ins Feld, dass Platzverweise nur selten verhängt werden dürften, selbst dann, wenn jemand beim Urinieren erwischt wird. Den Wachdiensten und Polizisten drohten sogar Klagen. Mit ihrer Zurückhaltung aber macht es sich die HRG zu einfach. Klare Ansprachen und Regelvorgaben für die Trinker sind unerlässlich, und im Zweifelsfalle muss die HRG den Mut haben, es auf einen Prozess ankommen zu lassen.

Es geht nicht darum, die Trinkerszene vom Raschplatz zu vertreiben. Der Platz darf aber nicht allein von einer Gruppe okkupiert werden. Entscheidend ist, mehr Menschen zu bewegen, hinter dem Bahnhof zu verweilen. Zugegeben eine schwierige Aufgabe.

Kunstaktionen, wie sie der SPD vorschweben, könnten dazu beitragen, den Platz zu beleben. Klassische Konzerte, Auftritte von Bands, Darbietungen aus dem Kleinkunstbereich wären ebenfalls geeignet. Das Problem ist aber, dass auf dem riesigen Platz nur kleine Veranstaltungen stattfinden können. Strenge Fluchtwegebestimmungen verhindern, dass sich eine Vielzahl von Zuschauern versammeln darf. Daran hat die Stadt bei ihrem millionenschweren Umbau nicht gedacht. Ein Fehler, der jetzt umso schwerer wiegt. Gerade deshalb aber ist die Verwaltung in der Pflicht, sich an der Suche nach kreativen Lösungen zu beteiligen. Beobachten und Scherben aufsammeln – das reicht nicht mehr.

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