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Darf Haarmann eine Musical-Figur sein?

Massenmörder Darf Haarmann eine Musical-Figur sein?

Der Massenmörder Fritz Haarmann gehört seit Jahren zur Stadtfolklore dazu. Mittwoch ist die Premiere für ein Haarmann-Musical – nach einer öffentlichen Probe gibt es erste Diskussionen: Wie soll die Stadt mit dem Massenmörder umgehen? Der Nachfahre eines Opfers sagt: Es ist perfide, dass Haarmann ein Kunstobjekt wird.

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„Es ist perfide“: Christoph Veltrup ist Nachfahre eine Haarmann-Opfers und ist nach der Probe des Haarmann-Musicals nicht angetan.

Quelle: Stratenschulte/dpa

Hannover. Das sind die Fakten: Der gebürtige Hannoveraner Fritz Haarmann ermordete binnen sechs Jahren in seiner Mansardenwohnung an der Roten Reihe 24 Jungen und junge Männer zwischen zehn und 22 Jahren. Das Todesurteil gegen den Serienmörder wurde im April 1925 vollstreckt, der Tod kam mit dem Fallbeil. An Haarmanns Opfer erinnert ein Ehrengrab auf dem Stöckener Friedhof.

Am Schauspiel Hannover arbeitet Dramaturg Nis-Momme Stockmann seit einem Jahr an einem Musical, es heißt „Amerikanisches Detektivinstitut Lasso“ und ist benannt nach dem Aufdruck auf Visitenkarten des Polizeispitzels Haarmann. Mittwochabend erlebt das Stück seine Uraufführung. Doch noch ehe eine Minute auf der Bühne zu sehen war, streitet die Stadt darüber, ob ein Musical über einen Serienmörder eine zulässige Kunstform ist.

Erste Fotos vom Musical über den Massenmörder Fritz Haarmann am Schauspielhaus Hannover. Es trägt den Titel "Amerikanisches Detektivinstitut Lasso".

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Thomas Schwark etwa, Direktor der Museen für Kulturgeschichte Hannover, lehnt solch eine Inszenierung ab. „Ich finde es schwierig, ein Thema, das von Tragik, Verbrechen und Traumata handelt, zum Gegenstand von Unterhaltung zu machen. Und auch wenn es altmodisch sein mag: Es gibt so etwa wie Pietät den Nachfahren gegenüber.“ Schwark wünscht sich eher „kommentierende“ Formen der Haarmann-Darstellung, Rede und Gegenrede, nichts von oben, von einer Bühne herab.

Christoph Veltrup, 73 Jahre alt, ist einer dieser Nachfahren. Der Triebtäter Haarmann hat den Bruder seiner Mutter getötet, bis heute, sagt er, verbindet er mit dem Namen Fritz Haarmann ihren Schmerz über den gewaltsamen Tod. Veltrup sagt: „Es ist perfide, dass Haarmann zum Kunstobjekt stilisiert werden soll.“

In Hannover haben Haarmann-Darstellungen noch immer für öffentliche Debatten gesorgt. Stets ging es darum, ob das denn erlaubt sei. Haarmann mit dem Hackebeilchen als Figur im Adventskalender. Der Serienmörder als „Haarmann-Fries“, eine Arbeit von Alfred Hrdlicka, die im Sprengel-Museum versteckt ist. Eine große Fahne im Fanblock von Hannover 96, die das Porträt des Triebtäters zeigt. Haarmann wurde Teil der Stadtfolklore. Jetzt also ein Musical. Schauspielintendant Lars-Ole Walburg hat das Stück stets mit dem Argument verteidigt, dass man Fritz Haarmann kein Denkmal setzen wolle.

Montagabend war Christoph Veltrup Gast der öffentlichen Probe im Schauspielhaus. Er sah ein Musical, das sich über die mythische Figur Fritz Haarmanns mit der Frage beschäftigt, welche Rolle Kunst in der Gegenwart spielen sollte. Das immer Erwartbare, die Konformität zeigen und letztlich langweilen? Oder muss es möglich sein, Haarmann, den Kindermörder, das Monster, auf der Bühne Arien singen zu lassen? Kein Kind wurde Montag im Schauspielhaus geschlachtet, kein Polizist ermittelte, und dem Mörder wurde kein Denkmal gesetzt, um Haarmann als reale Figur ging es kaum. Veltrup war nicht ganz überzeugt. „Das ist als Thema nicht schlecht, aber es war Klamauk. Als Haarmann-Produkt immerhin schadet es niemandem.“

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