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Aus der Stadt "Man darf die Schule nicht stigmatisieren"
Hannover Aus der Stadt "Man darf die Schule nicht stigmatisieren"
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07:51 10.08.2017
Von Saskia Döhner
Die Grundschule Mühlenberg muss dringend Ganztagsschule werden, fordern Landtagspolitiker. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Kai Seefried (CDU) sprach von einem pädagogischen Notstand an Schulen in sozialen Brennpunkten. Am Mühlenberg sei die Arbeitslosigkeit von 16 auf 18 Prozent gestiegen, der Anteil von Bewohnern mit Migrationshintergrund von 52 auf 62 Prozent. Das Land müsse dafür sorgen, dass Schulen in solchen Gegenden genügend Sprachlernklassen und Sozialarbeiter bekämen.

Heiner Scholing von den Grünen warnte vor einer Stigmatisierung. "Dieses Thema darf man nicht in den Wahlkampf ziehen, eine Lösung gelingt am besten, wenn alle Beteiligten, Kita, Schule, Stadt und Landesschulbehörde, zusammenarbeiten." Die Grundschule Mühlenberg müsse dringend saniert und auf Ganztagsbetrieb umgestellt werden. "Das Gebäude muss Lust aufs Lernen machen." Nach den Plänen der Stadt soll die Grundschule Mühlenberg aber frühstens 2021 Ganztagsschule werden. Die rot-grüne Landesregierung habe einiges bewegt, durch ihr Ganztagsprogramm und den Ausbau der Schulsozialarbeit, sagte Scholing. "Ausruhen dürfen wir uns darauf aber nicht." Wichtig seien präventive Maßnahmen, damit so eine Brennpunktschule sich gar nicht entwicklen könnte.

Seefried betonte, dass ohne den öffentlichen Druck der Eltern keine Bewegung in das Thema gekommen sei. Silvia Bruns (FDP) sagte, Hauptgrund für die Missstände sei eine verfehlte Wohnungspolitik der siebziger Jahre. Solange es am Canarisweg einen Leerstand von 30 Prozent gegeben hätte, seien genügend Kita-Plätze vorhanden gewesen. Der geballte Zuzug von Migranten habe zu den Problemen geführt. "Wir müssen auch darüber diskutieren, wieviel Zuzug ein Stadtteil verträgt." Bruns warf den Grünen im Bezirk Linden-Limmer vor, den dringend notwendigen Bau von drei Kitas in Linden und Ricklingen über Monate verschleppt zu haben, weil sie grundsätzliche Bedenken gegen PPP-Projekte hätten.

Stefan Politze (SPD) sagte, auf kommunaler Ebene hätte die CDU keine eigenen Vorschläge eingebracht. "Nun springt die Landtagsfraktion auf eine Pressekampagne auf, um Nektar daraus zu saugen." Man dürfe die Missstände nicht nur auf die Schulen reduzieren, es gehe um die soziale Struktur im Stadtteil. "Zusammenhalt entsteht nicht über Nacht, das  ist ein langer, mühsamer Prozess." Mit reinen ordnungspolitischen Maßnahmen wie mehr Videoüberwachung am Mühlenberg werde man das Problem nicht lösen. Politze verwies auf zahlreiche Maßnahmen, die schon liefen, wie einen Runden Tisch dazu, wie Sinti- und Roma-Kinder besser in die Schulen integriert werden könnten.

Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) sagte, der Erzieher und Lehrer in solchen Brennpunkten leisteten einen hervorragenden Beitrag für den sozialen Zusammenhalt. Land und Kommune arbeiteten eng zusammen, um die Missstände zu beheben: "Ich bin sicher, dass wir uns in eine positive Richtung bewegen." Sie warnte vor Aktionismus, kurzfristige Maßnahmen würden nicht bringen.

CDU-Nachwuchspolitiker Jesse Jeng, der die Debatte mitverfolgte und im nächsten Januar selbst als Landtagskandidat antritt, sagte, er freue sich, dass endlich Dynamik in das Thema gekommen sei: "Nun kann man die Probleme am Mühlenberg nicht mehr länger ignorieren."

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