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„Shore, Stein, Papier“

Doku-Serie über Hannovers Drogenszene „Shore, Stein, Papier“

Vom ersten Schuss mit der Nadel bis zum Entzug im Methadonprogramm: Ein Ex-Junkie aus Hannover sorgt für Furore im Internet – mit einer You-Tube-Doku-Serie über seine bewegte Lebensgeschichte. In ganz persönlichen Worten gibt "$ick" einen tiefen Einblick in Hannovers Drogenszene.

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Will Präventionsarbeit leisten: $ick berichtet über seine Drogensucht.

Quelle: von Ditfurth

Hannover. Ein Mann mittleren Alters sitzt an einem großen hölzernen Küchentisch. Seine Haare sind kurz geschoren. Den rechten Arm zieren verschiedene Tattoos. Vor sich hat er nichts als eine Kaffeetasse und einen Aschenbecher. In der Hand hält er ein Feuerzeug. Den Hintergrund bildet ein alter Küchenschrank und eine groß gewachsene Yuka-Palme. Zwei Kameras filmen ihn aus zwei Perspektiven, wie er aus seinem Leben erzählt. Er redet und redet und redet, mal leise, mal gestikulierend und immer wieder lacht er auch zwischendurch. Mehr ist eigentlich nicht dran an der Doku-Serie „Shore, Stein, Papier“, die derzeit im Internet für Furore sorgt. Und doch werden die verschiedenen Teile der mittlerweile vier Staffeln von sehr vielen Menschen angeklickt. 500 000 waren es bis heute bei der allerersten Folge.

Der Protagonist der Serie, der unter dem Pseudonym $ick auftritt, um seine kleine Tochter zu schützen, hat tatsächlich eine Menge zu erzählen. Von Ende der achtziger Jahre bis Anfang 2000 war er in Hannovers Drogenszene unterwegs. Bereits als Jugendlicher rauchte er regelmäßig Shore, so nennen die Abhängigen auf der Straße Heroin. In den fast 200 ausschließlich online veröffentlichten Teilen der Serie berichtet er schonungslos von seinem Dasein als Junkie, von Gefängnisaufenthalten und den Tattoos, die er sich in den verschiedenen Haftanstalten von Mitgefangenen mit Gitarrenseiten unter die Haut stechen ließ und vom Leben auf der Straße. Die fünfte und letzte Staffel, die erneut vom Internet-Sender zqnce produziert worden ist, startet am 17. September. Heute ist der 41-Jährige, der seinen richtigen Namen auch beim Gespräch mit der HAZ nicht preisgeben möchte, seit drei Jahren weg vom harten Stoff, wie er sagt. Inzwischen hat er seinen alten Kontakten aus der Szene auch weitgehend den Rücken gekehrt, ist von Hannover nach Osnabrück umgezogen. „In meiner letzten Verhandlung hat der Staatsanwalt einen Umzug nahe gelegt, denn bei einem weiteren Wiedersehen vor Gericht würde er mir das Licht ausmachen – so hat er sich ausgedrückt“, sagt $ick.

Das Treffen mit dem 41-Jährigen findet am Hauptbahnhof statt. Die Innenstadt, zwischen Raschplatz und Steintor, war in der Zeit, als der er noch süchtig war, sein Revier. Hier besorgte er sich den Stoff und später, als er dazu übergegangen war, sich das Heroin direkt in die Venen zu injizieren, auch saubere Spritzen. Hier versuchte er sich das erste Mal am Dealen, hier fiel er gleich bei der Premiere auf einen Abzocker herein und wurde verprügelt. Heute hat er keine Probleme mehr mit einem Besuch in Hannover. „Die ersten zehn Mal war es komisch, inzwischen ist alles gut“, sagt er. Die Szene, die sonst sehr auf Verschwiegenheit setzt, nimmt ihm seine Offenheit nicht übel – weil er in seinen Berichten niemanden bloßstellt. Er nennt auch keine echten Namen. Die Personen, die seine Geschichten bevölkern, heißen „Der Pole“, „Der Halb-Franzose“ oder „Die Griechen“. „Wenn ich heute auf der Straße den einen oder anderen wiedersehe, freuen sie sich darüber“, sagt er. 

Das Ende der fünften Staffel ist gleichzeitig auch das Ende von „Shore, Stein, Papier“. Doch es gibt bereits Pläne für die Zeit danach. „Wir wollen ein Buch zu der Serie machen und sind im September in Hamburg an einem Theaterprojekt beteiligt“, sagt Paul Lücke vom Sender zqnce, der die Serie konzipiert hat. Überlegungen, die einzelnen Staffeln der Serie neu zusammenzuschneiden und mit Bonusmaterial auf DVD zu veröffentlichen, hat der Sender ebenfalls angestellt. Der 41-jährige $ick möchte in Zukunft gerne auch Präventionsarbeit leisten und Schulkindern von seinen Erfahrungen berichten. Ohne erhobenen Zeigefinger, wie er betont. „Vielleicht kann ich damit später sogar mein Geld verdienen – es wäre der erste legale Job in meinem Leben“, sagt der 41-Jährige.

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