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Diesen Film sollten alle Lehrer sehen

Dokumentarfilm "Zwischen den Stühlen" Diesen Film sollten alle Lehrer sehen

Dieses Kinodebüt hat bereits vier Preise eingefahren: Der ehemalige Schillerschüler Jakob Schmidt hat einen Dokumentarfilm über Lehramtsreferendare gedreht, der ab Donnerstag in den Raschplatz-Kinos zu sehen ist.

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Filmdebüt: Jakob Schmidt mit seinen Filmplakaten bei der Vorpremiere in den Kinos am Raschplatz. 

Quelle: Meding

Hannover. Bei der Vorpremiere im voll besetzten Graffiti am Montagabend gab es bereits zahlreiche Lacher - und viele bedrückte Fragen an den Regisseur im Anschluss. Denn was die drei Protagonisten in ihrer Ausbildungszeit an einem Gymnasium, einer Gesamt- und einer Grundschule erleben, ist teils erschreckend, erschütternd, zuweilen unfassbar skurril und von außen betrachtet einfach nur lustig.

Da ist Anna, die mit ihrer Klasse komplett überfordert ist und ständig lamentiert, dass sie Machtausübung gar nicht möge. Kein Wunder, dass die Schüler ihr vom ersten Tag an auf der Nase herumtanzen. Offenbar hat ihr niemand während des Studiums gesagt, dass sie für den Lehrerberuf völlig ungeeignet ist, wenn sie nicht an sich arbeitet. Auch im Referendariat sagt es ihr kein Betreuer auf direktem Wege. Nachdem sie weinend im Lehrerzimmer merkt, dass es so nicht weitergeht, nimmt sie Rhetorikunterricht, sagt freiwillig die Abschlussprüfungen ab und versucht an einer anderen Schule einen Neustart.

400 Stunden Filmmaterial hat Schmidt nach eigenen Angaben allein mit den drei Protagonisten gedreht. Eigentlich waren es fünf Hauptdarsteller, aber der Film wäre zu lang geworden. In schonungsloser Offenheit lassen sich Schulleiter mit Erkenntnissen über die Mängel des Schulsystems zitieren. Auf die erschrockene Frage einer Referendarin, ob sie etwa schon am ersten Tag alleine in der Klasse stehe, lautet die Antwort: „Sie dürfen ein Handy mitnehmen, aber bitte keine Waffe.“ Wie ernst der lockere Spruch ist, zeigt sich bei Aufnahmen aus den Klassenzimmern einer Berliner Schule. Wenn keine muslimischen Feiertage sind (dann sind sie nämlich ziemlich leer), wird mit Federmappen und Plastikflaschen gekämpft. Die verzweifelten Rufe der angehenden Lehrerin („Nun seid doch mal ruhig, ey!“) nimmt Tumult niemand wahr.

Referendar Ralf kommt mit arroganter Autorität und hohem Bildungsanspruch deutlich besser durch als Anna, lehrt allerdings auch am Gymnasium. Bedrückend das Elterngespräch mit Katastrophenschüler Omur, in dem Ralf der Mutter einen delikaten Tipp gibt. Ihrem Sohn, der Hesse nicht versteht, möge sie doch im Buchhandel Sekundärliteratur besorgen. Sie schaut fragend, er diktiert: „Schreiben Sie auf: Se-kun-där-li-te-ra-tur.“ Armes Schuldeutschland.

Am besten macht sich Katja, die mit viel Elan, Empathie und Selbstreflexion startet. Trotzdem registriert sie irgendwann: „Ich kann das erste Mal nachvollziehen, dass viele Lehrer an Burn-out leiden. Wie soll ich das 35 Jahre durchhalten? Oder zehn? Oder auch nur fünf?“

Erstaunlich ist, wie sensibel die Aufnahmen gelungen sind. Auf Fragen aus dem Kinopublikum berichtet Schmidt, dass das Kamerateam den Schülern irgendwann nicht mehr aufgefallen sei, und die Referendare seien vom Unterricht derart gefordert gewesen, dass sie alles ausgeblendet hätten. Der Film könnte zum Kultfilm für Referendare werden. Noch besser aber wäre es, wenn Lehramtsstudenten im ersten Semester ihn sehen würden.

Vorführungen: Graffiti, ab Donnerstag täglich 14.15 Uhr, ab nächstem Mittwoch dann auch spätere Termine.

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