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Ballhof in Hannover

Dorf nach Vorbild der Anti-Atomkraft-Bewegung gebaut

Von Andreas Schinkel

Klassenfahrt mit politischem Auftrag: Vor dem Ballhof in Hannover bauen Schüler ein Hüttendorf nach dem Vorbild der Anti-Atomkraft-Bewegung.
Junge Aktivistinnen bereiten die Aktion Hüttendorf auf dem Balllhofplatz vor.

Junge Aktivistinnen bereiten die Aktion Hüttendorf auf dem Balllhofplatz vor.

© Kris Finn

Versonnen zupft das Mädchen an den Gitarrensaiten, gleich neben ihr auf dem Ballhofplatz malen Jugendliche an einem Plakat. „Reload your dreams“ – erwecke deine Träume steht da in großen, roten Lettern. „Das ist hier alles Frieden pur“, sagt die 16-jährige Miriam und lächelt. Sie gehört zu den rund 50 Schülern, zu einem großen Teil aus der Integrierten Gesamtschule Roderbruch, die derzeit auf dem Platz vor dem Ballhof-Theater ein Hüttendorf aufbauen, nach dem Vorbild der Anti-Atomkraft-Bewegung in den achtziger Jahren. Die ersten Holzbaracken stehen bereits. Auch eine „Einführung in die Atompolitik“ haben die Jugendlichen am Sonntagachmittag bekommen.

Noch bis zum Sonntag leben sie auf dem Ballhofplatz, schlafen auf Luftmatratzen im Foyer des Theaters und beschäftigen sich in Workshops mit Castortransporten, Formen des politischen Widerstands, alternativen Wohnprojekten und nicht zuletzt mit Theater. Denn das Ganze wurde nicht von politischen Aktivisten ins Leben gerufen, sondern vom jungen Schauspiel Hannover.

Das Projekt von Schauspiel-Intendant Lars-Ole Walburg ist nicht unumstritten. CDU-Chef Dirk Toepffer erneuerte gestern seine Kritik am Hüttendorf. „Die Workshops haben kaum etwas mit Schauspielerei oder Theaterpädagogik zu tun“, meinte er. Die Grünen hielten dagegen. Toepffer mache sich mit seinen Äußerungen zum Teil der Inszenierung, sagte die Landtagsabgeordnete Gabriele Heinen-Kljajic.

Tatsächlich beteiligen sich die meisten Jugendlichen am Hüttendorf, weil sie ein Unbehagen verspüren. „Das ist nicht in Ordnung, dass Atomkraftwerke nun noch länger laufen sollen und noch mehr Müll produzieren“, sagt die 16-jährige Jessica und legt ihren Akkuschrauber zur Seite. Ein paar Balken der Kochhütte stehen bereits. Sie wolle hier ein Zeichen setzen, etwas bewegen, auch andere aufklären über die Gefahren der Atomenergie. „Das Theaterspielen ist für mich eher ein Nebenaspekt“, sagt sie.

Ein Windstoß fährt durch die Flugblätter auf dem Tapeziertisch und wirbelt die Aufrufe zur Castor-Demo im Herbst durcheinander. Der 16-jährige Karo ordnet die Blätter. „Ich bin hier, weil ich gegen Atomenergie bin – und auch Spaß haben will“, sagt der Gesamtschüler grinsend. Nach Klassenfahrt fühle sich das Ganze schon an, meinen viele. Aber nicht alle Lehrer goutieren die politischen Ambitionen ihrer Schüler. Manche Lehrer hätten die Aktion schlecht geredet, sagt Jessica. „Ich darf leider nur ein paar Tage mitmachen“, meint Kristina vom Johannes-Kepler-Gymnasium in Garbsen. Sie hat sich ein rotes Herz auf die Wange gemalt und blickt verzückt auf das vor ihr liegende Plakat. „Programm“ steht in großen, schwarzen Lettern darauf, darunter ist noch viel weißer Raum. „Das wird hier alles total toll“, sagt sie und fängt an zu pinseln.

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