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Wieso starben drei Menschen auf den Gleisen?

In Kleefeld von Güterzug überrollt Wieso starben drei Menschen auf den Gleisen?

In der Nähe des Bahnhofs Karl-Wiechert-Allee sind am späten Montagabend drei Menschen von einem Güterzug überrollt und getötet worden. Die Polizei geht derzeit von einem Unglück aus. Zwei der Toten sind mittlerweile identifiziert.

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Die Polizei untersuchte am Morgen danach den Ort des Unglücks.

Quelle: Christian Elsner

Hannover. Am Morgen nach dem Unglück am S-Bahnhof Karl-Wiechert-Allee in Kleefeld deutet kaum noch etwas darauf hin, dass drei Menschen in der Nacht zu Dienstag ihr Leben verloren haben. Ein Güterzug hatte sie überrollt, etwa 20 Meter hinter dem Bahnsteig in Richtung Hannover. Hinter einer Absperrung stehen drei Beamte der Bundespolizei, zwei Mitarbeiter des Kriminaldauerndienstes und zwei Mitarbeiter der Deutschen Bahn. Sie warten darauf, die Strecke noch mal für kurze Zeit sperren zu können, um auf den Gleisen nach Hinweisen zu suchen. Anhaltspunkte, die erklären können, warum die beiden Männer und ihre Begleiterin auf den Gleisen unterwegs waren.

Der Bundespolizei zufolge hatte der Fahrer eines Güterzugs gegen 23 Uhr die Notfallleitstelle alarmiert und zunächst einen Unfall mit einer Person gemeldet. Später stellte sich heraus, dass drei Menschen mit dem Zug kollidiert waren. Ob der Fahrer die drei zuvor gesehen hat, vielleicht sogar ein Bremsmanöver eingeleitet hat, dazu schweigt die Polizei. „Das ist Teil der laufenden Ermittlungen“, sagt Sprecher Sören Zimbal. Für gewöhnlich fahren Güterzüge nachts mit etwa 120 Kilometern pro Stunde durch den Bahnhof. 

Nachmittags gab die Polizei bekannt, dass zwei der drei Opfer identifiziert seien. Es handelt sich bei ihnen um einen 18-jährigen Mann und eine 20-jährige Frau, beide lebten in Lehrte. Die Identität des dritten Mannes blieb ungeklärt. In der Nacht noch hatten die Rettungskräfte vermutet, dass die drei jungen Menschen gemeinsam Suizid begehen wollten. Mittlerweile geht die Polizei von einem Unfall aus. „Gespräche mit Zeugen und Angehörigen haben bisher keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass sich die jungen Leute das Leben nehmen wollten“, sagt Zimbal. Suizid könne beim derzeitigen Stand der Ermittlungen aber dennoch nicht vollständig ausgeschlossen werden. 

In der Nähe des Bahnhofs Karl-Wiechert-Allee sind drei Menschen von einem Güterzug überrollt und getötet worden. Die Polizei untersuchte den Unfallort.

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Es ist zumindest anzunehmen, dass die drei jungen Erwachsenen nicht zufällig auf die Gleise geraten sind, etwa um auf die andere Seite der Schienen zu gelangen. Denn an dieser Stelle gibt es keinen Überweg. Links verläuft eine geschlossene Lärmschutzwand, rechts trennen Büsche das Gleisbett von der Gegenrichtung. Zudem fanden die Ermittler auf einer Bank am Bahnsteig Taschen und Rucksäcke, die den Opfern gehört haben sollen. Der Fund wird derzeit kriminaltechnisch untersucht. Über gefundene Spraydosen oder frische Graffiti an den Wänden des Bahnhofs ist nichts bekannt. 

Kurz vor dem Unglück sollen die drei jedoch Alkohol konsumiert haben. Das hat ein Zeuge bestätigt. Zudem wurden in der Nähe der Unglücksstelle mehrere Alkoholflaschen gefunden. Nach Informationen der „Bild“-Zeitung sollen die Frau und einer der Männer unbekleidet gewesen sein. 

Die Bahnstrecke, Hauptverkehrsverbindung in Richtung Osten, musste nach dem Unglück etwa dreieinhalb Stunden gesperrt werden. Erst gegen 2.30 Uhr konnte die Bundespolizei die Strecke wieder freigeben. 24 Züge erreichten dadurch ihr Ziel mit massiver Verspätung, weil sie umgeleitet werden mussten. Der Lokführer des Güterzugs erlitt einen Schock. Er wurde abgelöst und ist in psychologischer Behandlung.

Von Isabell Christian

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Sophie Mühlmann hat 13 Jahre lang als Asienkorrespondentin in Singapur verbracht. Von dort aus bereiste und beschrieb sie die riesige Region zwischen Afghanistan, Ozeanien und Nordkorea. Zuvor war sie für den ARD-Hörfunk mehrmals als Korrespondentenvertretung und „Feuerwehr-Reporterin“ in China im Einsatz. Seit dem vergangenen Sommer ist sie nun Neu-Hannoveranerin.