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Die Schule der Zukunft

Drei Sieger im Architektenwettbewerb um Neubau der IGS Mühlenberg

Von Andreas Schinkel

Die Schule der Zukunft: Die Stadt Hannover hat drei Sieger im Architektenwettbewerb um den Neubau der IGS Mühlenberg bekannt gegeben.
Glücklicher Sieger: Der Berliner Architekt Volker Staab konnte das Preisgericht vor allem mit dem Konzept eines Pausenhofs auf dem Sockelgeschoss überzeugen.

Glücklicher Sieger: Der Berliner Architekt Volker Staab konnte das Preisgericht vor allem mit dem Konzept eines Pausenhofs auf dem Sockelgeschoss überzeugen.

© Martin Steiner

Zum Pausengong stürmen die Schüler aus ihren Räumen und versammeln sich auf einer weitläufigen Terrasse im ersten Stock, die alle Klassenzimmer und Jahrgangshäuser miteinander verbindet. Von diesem erhöhten Pausenhof schauen die Kinder auf den Rasen des Sportplatzes gleich nebenan, den angrenzenden Mühlenberger Marktplatz und das neue Jugendzentrum gegenüber. Mit dem Finger zeigen sie auf die Orte, wo sie sich am Nachmittag treffen wollen. Wenn die Kinder später in ihre Klassenzimmer zurückkehren, eröffnen sich neue Welten. Einige Wände wurden verschoben, manche komplett entfernt, sodass die Lerngruppen fächerübergreifend neu geordnet werden. „Lernlandschaften“ nennen Pädagogen und Raumplaner solche „fliegenden Klassenzimmer“.

So könnte die Integrierte Gesamtschule Mühlenberg in vier Jahren tatsächlich aussehen, wenn sich der Entwurf des Architekturbüros Staab aus Berlin durchsetzt. Die Chancen für Volker Staab stehen nicht schlecht, denn eine Jury hat am Freitag nach zwölfstündigen Beratungen entschieden, seinem Entwurf den ersten Preis im Wettbewerb um den Neubau der IGS zu geben. Ein Preisgeld von 55.000 Euro sind dem Architekten damit sicher, ob Staab am Ende tatsächlich den Auftrag bekommt, hängt von den weiteren Beratungen ab. „Wir werden jetzt in die Detailplanung gehen und noch einmal mit der Schule und den anderen Nutzern, etwa den Mitarbeitern des Jugendzentrums, sprechen“, sagte Schuldezernentin Marlis Drevermann am Sonnabend. Dabei seien die zweit- und drittplatzierten Entwürfe durchaus noch im Rennen. „Alle drei Baukonzepte könnten umgesetzt werden“, meinte Wirtschaftsdezernent Hans Mönninghoff.

Es ist das größte Bauprojekt, das die Stadt Hannover zusammen mit ihrer Immobilientochter GBH in den nächsten Jahren stemmen wird. 55 Millionen Euro kostet das gesamte Vorhaben, vom Abriss des alten, verwinkelten Baus aus den siebziger Jahren bis zur Errichtung der neuen Schule. Eine Sanierung, so meint die Stadt, hätte sich nicht mehr gerechnet. Rund 2000 Schüler und 150 Lehrer müssen umziehen und gegebenenfalls provisorisch untergebracht werden. Würde sich der Entwurf Staabs durchsetzen, müssten die Kinder zwei Jahre in einer Art Containerdorf unterrichtet werden, denn die Planung des Architekten sieht zunächst den Abriss des alten Schulgebäudes vor. Schulleiter Michael Bax ist davon nicht begeistert, glaubt aber, dass Schüler und Kollegium genug Durchhaltevermögen besitzen.

„Mit der Aussicht auf eine schöne neue Schule schaffen wir das“, meinte er am Rande der Preisverleihung. Zudem gebe es ja hochwertig ausgestattete Unterrichtscontainer, die einem Klassenraum kaum nachstünden. „Wenn die Schule 100 Jahre steht, sind zwei Jahre Containerleben ein überschaubarer Zeitraum“, meinte Mönninghoff.

Etwas anderes stört den Wirtschaftsdezernenten am Siegerentwurf mehr: Er ist recht teuer. Der Toleranzbereich von zehn Prozent über dem Budget werde zwar nicht überschritten, heißt es in der offiziellen Begründung der Jury, doch verursache die erfahrungsgemäß teure Anmietung der Container nicht unerhebliche Zusatzkosten. Zudem schwebt über dem gesamten Vorhaben das Damoklesschwert der Genehmigung durch die Kommunalaufsicht. Denn die GBH will das Vorhaben über einen Kredit finanzieren, dem die Landesbehörde noch zustimmen muss. Hier liegt die Chance für den kostengünstigeren, zweitplatzierten Entwurf des Architekturbüros Dasch, Zürn, von Scholley aus Stuttgart. Sie können auf ein Containerdorf verzichten, da sie zunächst mit dem Neubau beginnen und erst nach dem Umzug der Schüler das alte Gebäude abreißen lassen. Ähnlich dem Konzept Staabs soll die IGS nicht mehr in einem großen, zusammenhängenden Gebäude untergebracht werden, sondern sich auf mehrere kleine Häuser verteilen. Kritisiert wurde am Entwurf der Stuttgarter aber die Anbindung an den Stadtteil. „Vom Mühlenberger Markt aus gesehen wird die Schule und mit ihr das Stadtteilzentrum nicht sichtbar. Man müsste als Ortsunkundiger dreimal nachfragen“, sagte die Vorsitzende des Preisgerichts, Architekturprofessorin Ingrid Burgstaller aus München.

Die Einbindung in den Stadtteil Mühlenberg war wohl eine der größten Herausforderungen für die Wettbewerbsteilnehmer. Offen sollten die Schulgebäude angeordnet werden, eine Brücke zum Viertel sollten sie schlagen, dennoch musste der schulische Raum vom öffentlichen getrennt bleiben. Eine Quadratur des Kreises.

Zur IGS gehören schon jetzt ein Jugendzentrum, eine Stadtteilbibliothek und eine theaterpädagogische Werkstatt. Diese öffentlichen Bereiche haben die meisten Wettbewerbsteilnehmer in einem separaten Gebäude zusammengefasst, das sie zwischen Schule und Mühlenberger Markt positionierten. So auch der drittplatzierte Beitrag vom Kasseler Architekturbüro Atelier 30. Deren insgesamt fünf Gebäude sind alle über einen Verbindungsgang erreichbar, sodass Besucher der öffentlichen Bibliothek auch in die Schule gelangen – und umgekehrt. Als Nachteil empfand die Jury, dass mehrere Jahrgangsstufen auf einer Geschossebene zusammengelegt wurden, und auch die Pläne von Atelier 30 kommen nicht ohne ein Containerdorf als Zwischenlösung für die Schüler aus.

Bis zum Frühjahr 2011 will man alle drei Pläne noch einmal durchsprechen. Erst dann wird sich zeigen, wie die neue IGS Mühlenberg tatsächlich einmal aussehen wird.

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