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Aus der Stadt Drevermann: „Museum wird kein Betonklotz“
Hannover Aus der Stadt Drevermann: „Museum wird kein Betonklotz“
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20:08 03.02.2014
Von Conrad von Meding
„Ich habe in Hannover gelernt: Diese Stadtgesellschaft ist sehr diskussionsfreudig“: Dezernentin Marlis Drevermann. Quelle: Gabriel Poblete Young
Hannover

HAZ-Redakteur Conrad von Meding sprach mit Hannovers Kulturdezernentin Marlis Drevermann.

Frau Drevermann, fangen wir mal mit einer echten Geschmacksfrage an: Wie finden Sie selbst den jetzt endgültigen Entwurf für die Erweiterung des Sprengel Museums?

Hochelegant. Ich sage Ihnen: Das Äußere wird zum Inneren passen. Wir reden bei diesem Museum über einen Schwerpunkt der Klassischen Moderne, das wird man dem Gebäude ansehen.

Uns wundert diese große Diskrepanz in der Wahrnehmung. Offenbar finden alle, die an dem Entstehungsprozess beteiligt waren oder den Vorträgen der Architekten gelauscht haben, den Fassadenentwurf erstklassig; wer aber nur das von den Architekten erarbeitete Computerbild der Fassade sieht, der schlägt vielfach die Hände über dem Kopf zusammen. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Ich kann zunächst einmal nur für mich sprechen. Ich verfolge den Prozess seit Anbeginn, natürlich zusammen mit dem eng eingebundenen Stadtbaurat und vielen anderen Fachleuten. Ich weiß deshalb, dass das Ergebnis sehr ausdifferenziert sein wird. Es wird so gut sein, dass damit jetzt die Ausschreibung erarbeitet werden kann.

Nach der Überarbeitung im Herbst gab es die erste Entrüstung, weil viele Zweifel an schwarzem Beton als Fassadenbaustoff hatten. Damals hieß es, die Oberflächen würden nicht nach Beton aussehen, sondern durch das Polieren einen tiefen Glanz erhalten. Davon ist jetzt ein schmales Relief geblieben.

Wenn Sie die Werkproben sehen, dann erkennen Sie, dass die Weiterentwicklung genau die Ideen der Jury aufgegriffen hat. Es ist kein schwarzer, sondern ein anthrazitfarbener Werkstoff. Er erhält durch das Polieren eine zurückhaltende Farbigkeit und eine geradezu terrazzoähnliche Oberfläche, weil die Einschlüsse im Material sich herausformen. Das besonders glänzende, polierte Relief umfasst das Gebäude wie ein Band. Sie finden zudem vertikale und horizontale Strukturen in der Fassade vor, die ihr Lebendigkeit verleihen. Und schließlich gibt es ja auch noch die Fenster an drei Stellen.

Mit Verlaub: Fenster sind Verbindungen zwischen Innen- und Außenraum. Bei diesem Entwurf aber guckt der Museumsbesucher nicht aus dem Museumsraum durch ein Fenster hinaus, sondern er geht in eine Loggia, um von dort aus hinauszublicken. Umgekehrt kann auch niemand durch die Fenster ins Museum schauen: Ich sehe von außen durch die Scheiben wieder nur eine schwarze Loggia-Rückwand.

Richtig ist: Der Entwurf der Architekten kombiniert für den Ausstellungsraum Kunstlicht mit Tageslicht. Das Tageslicht aber fällt nur von oben hinein. Und das ist für das Betrachten der Werke auch am Besten, weil so unerwünschte Reflektionen ausgeschlossen werden. Um Tageslicht von der Seite zu vermeiden, zugleich aber den Besuchern die Möglichkeit zu geben, während des Rundgangs innezuhalten und den Blick in die Ferne schweifen zu lassen, sind die Loggien in die Fassade gebaut. Lassen Sie sich überraschen: Dort eröffnet sich ein fantastischer Blick auf den Maschsee.

Das bedeutet aber auch: Trotz der Fenster ist alles schwarz, 75 Meter lang, 20 Meter hoch. Das sind 1500 Quadratmeter schwarzer Betonklotz direkt an einem Naherholungsgebiet.

Es wird kein Betonklotz, sondern ein skulpturaler Ausdruck städtebaulicher Konstruktion, der geeignet ist, die internationale Position des Museums weiterzuentwickeln. Und was besonders schön ist: Das Architekturbüro Meili + Peter betrachtet seinen Auftrag mit dem gewonnenen Wettbewerb nicht als abgeschlossen. Das Büro folgt der Tradition der historischen Baukunst, als Architekten stets auch Baumeister waren und umgekehrt. An der Entwicklung der Fassadenoberfläche wird sehr intensiv gearbeitet, Markus Peter war in Werkstätten und hat dort den Prozess des Mischens und Polierens begleitet. Im Moment können wir nur Computervisualisierungen sehen, die erster Ausdruck einer Idee sind. Später werden Sie das Ergebnis intellektueller Handwerkskunst vor sich haben.

Vielleicht resultieren die Sorgen vieler Hannoveraner einfach auch daraus, dass die Baubranche seit den siebziger Jahren verspricht, die stets gerade neueste Art, mit Beton zu arbeiten, sei nun der Weisheit letzter Schluss.

Auch mit dieser Frage beschäftigen sich die Architekten von Meili + Peter intensiv: Wie wird diese Fassade altern? Wie werden die Kanten nach einigen Jahrzehnten aussehen, wo bilden sich Wasserläufe? Heute staunen wir über die Schönheit von Bauwerken, deren Alter 200 Jahre und mehr beträgt. Diesen Prozess zu antizipieren, das ist für die Architekten das Ziel auch bei diesem Gebäude.

Nun zählt ja zum Bestand des Sprengel Museums auch das Vermächtnis von Niki de Saint Phalle mit rund 400 Exponaten. Hannover hat der Künstlerin, deren Werk sehr farbenfroh ist, schon die ganz in grau gehaltene Niki-Promenade in der City gewidmet. Was meinen Sie, würde Niki zur neuen Museumsfassade sagen?

Vielleicht würde sie die ganz wunderbar finden, weil dieses Gebäude nicht in Konkurrenz zu der Kunst im Inneren treten will, sondern sie erhöhen will. Es gibt auf der ganzen Welt Museen, in denen das Hängen von Werken schwierig ist, weil der Architekt in Konkurrenz zur Kunst getreten ist. In den Jurysitzungen war uns aber klar: Wir wollen ein Museum, das eigene Akzente setzt, das Schönheit vermittelt, das aber selbst nicht zu bunt, zu laut wird. Und ganz ehrlich: Hätte die Jury einen Entwurf mit Glasfassade ausgewählt, dann hätte es ebenso Diskussionen gegeben. Eine Glasfassade aber braucht Hannover dort garantiert nicht.

Die Verärgerung mag bei vielen aber auch daher rühren, dass jetzt, wo erstmals verlässliche Bilder des endgültigen Fassadenentwurfs gezeigt werden, alle Entscheidungen längst gefallen sind.

Ich habe in Hannover schnell gelernt: Diese Stadtgesellschaft ist sehr diskussionsfreudig. „Kunst im öffentlichen Raum“ war der erste große Dialog, als ich hier angefangen habe, und er hat mir großen Spaß gemacht. Man muss aber auch wissen: Wir können es nie allen recht machen. Wir haben gleich nach dem Wettbewerb die besten Entwürfe öffentlich ausgestellt, wir haben mehrere öffentliche Diskussionen zu dem Gebäudekonzept gehabt, die Ratsgremien waren intensiv eingebunden. Es ist aber auch eine demokratische Regel: Wenn Beschlüsse gefasst und Entscheidungen getroffen sind, dann sollte man diese umsetzen. Bestimmt werden wir weiter diskutieren, auch über das Sprengel Museum. Und ich bin mir sicher, dass wir uns Ende 2014 freuen werden über einen gelungenen Erweiterungsbau für das schöne Sprengel Museum.

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Seit Jahrzehnten ist die Erweiterung für das Sprengel Museum geplant - der Fassadenentwurf löst nun aber Irritationen aus. Die Wellen schlagen hoch. Noch immer erreichen täglich etliche Leserzuschriften die Redaktion, die sich, fast ausschließlich kritisch, mit dem nun endgültigen Fassadenentwurf für das Sprengel Museum auseinandersetzen.

Conrad von Meding 03.02.2014

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