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Durchdachte Stadtplanung kann Straftaten verhindern

Kriminalprävention in Hannover Durchdachte Stadtplanung kann Straftaten verhindern

„Soziale Kontrolle ist wirksamer als jede Überwachungskamera“, sagt Dirk Behrmann. Der Kriminalhauptkommissar vom Landeskriminalamt Niedersachsen beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Kriminalprävention im Städtebau. Die Annahme dabei ist, dass Straftaten durch eine durchdachte Gestaltung des öffentlichen Raums verhindert werden können.

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Der Wohnservice-Pavillon auf dem Vahrenwalder Jahnplatz dient seit 2008 als Treffpunkt für die Anwohner.

Quelle: Michael Thomas

Hannover. Dazu gehört, dass Architekten freundliche, helle Wohnanlagen schaffen, mit Hauseingängen, die gut einsehbar und beleuchtet sind. Dazu gehört aber auch, für die Bewohner die Möglichkeit zu schaffen, miteinander ins Gespräch zu kommen. „Da kann es schon reichen, eine Bank im Innenhof aufzustellen“, sagt LKA-Mitarbeiterin und Bauingenieurin Anke Schröder.

Am Jahnplatz in Vahrenwald ist dieses Konzept vorbildlich umgesetzt worden. Dort errichtete der Bau- und Sparverein nicht nur eine Bank, sondern gleich einen kleinen Glaspavillon, der den umliegenden Mietern als Anlaufpunkt dient. „Wir haben hier mehr als 1000 Kontakte im Monat“, sagt Heinz Wensing, der Vorstand des Vereins, und macht dabei einen sichtlich zufriedenen Eindruck. Die Genossenschaft besitzt und verwaltet in dem Stadtteil rund 3000 Wohnungen. Im Wohnservice-Pavillon hat Mitarbeiterin Heike Krause jede Menge zu tun. Bei ihr können sich die Mieter melden, egal ob sie jemanden brauchen, der nach dem tropfenden Wasserhahn schaut, oder jemanden, der hilft, die Einkäufe in die fünfte Etage zu tragen. 2008 war Eröffnung, und binnen weniger Monate wurde der Service-Pavillon zu einem beliebten Treffpunkt. „Die Mieter kommen hier ins Gespräch. Sie fangen an, sich füreinander zu interessieren. Das ist wichtig“, sagt Vorstand Wensing.

Ein gemeinschaftliches Miteinander, Fürsorge und Nachbarschaft sind aus Sicht der LKA-Experten ausschlaggebende Faktoren, damit Menschen sich in ihrer Umgebung sicher fühlen. Kriminelle haben es in solchen Wohnvierteln schwerer als anderswo. In den siebziger Jahren waren diese Erkenntnisse noch nicht gereift. Damals wuchsen auch in Hannover Wohntürme in den Himmel. „Heute wissen wir, dass das nicht funktioniert, wenn sich 200 Leute einen Eingang teilen müssen. Sie werden niemals miteinander ins Gespräch kommen, sich niemals als Nachbarn empfinden“, sagt Anke Schröder vom Landeskriminalamt. Auch Wohnbaugesellschaften haben inzwischen verstanden, dass sie darauf reagieren müssen. Wider die Anonymität lautet die Devise.

So bietet auch die Gesellschaft für Bauen und Wohnen Hannover (GBH) seit einigen Jahren „Mietertreffs“ an. „Die Leute trinken gemeinsam einen Kaffee und kommen ins Gespräch“, sagt GBH-Sprecher Frank Ermlich. Gerade in Wohnanlagen, in denen Angehörige unterschiedlicher Nationen unter einem Dach leben, haben die „Mietertreffs“ sich positiv ausgewirkt. „Wenn die Bewohner sich untereinander kennen, steigt ihr Verantwortungsgefühl für die gemeinsame Umgebung“, sagt Ermlich. Die Verschmutzung durch Flaschen im Innenhof und Müll im Treppenhaus habe spürbar abgenommen. Herumliegender Dreck hat zwar noch lange nichts mit einer Straftat zu tun, ist aber dennoch ein Thema der Kriminalprävention. „Unordnung, Vandalismus und antisoziales Verhalten stören das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen“, sagt Kriminalhauptkommissar Dirk Behrmann. Eine ungepflegte Umgebung, die ausstrahlt, dass sich niemand zuständig fühlt, zieht potenzielle Täter an. Forscher sprechen vom „Broken Windows“-Effekt: Sobald ein einziges Fenster zertrümmert ist, folgt schnell das nächste.

In vielen Kommunen, auch in Hannover, halten die Stadtplaner inzwischen engen Kontakt zur Polizei. Im Vorfeld einer Baumaßnahme erstellen die Beamten ein Lagebild. „Wir prüfen, welche Probleme es in dem Gebiet überhaupt gibt: Werden besonders viele Fahrräder gestohlen? Kommt es regelmäßig zu Einbrüchen oder Vandalismus?“, erläutert Behrmann. Zumeist erteilen die Beamten dann ganz einfache, lebenspraktische Ratschläge. „Da geht es zum Beispiel darum, dass ein Fahrradabstellplatz nicht versteckt liegen sollte“, sagt LKA-Mitarbeiterin Schröder. Neulich hat Dirk Behrmann einer Kommune empfohlen, in einem Neubaugebiet lieber eine Sackgasse mit Wendehammer anzulegen als eine Durchgangsstraße. „Das ist für Einbrecher deutlich unattraktiver“, sagt der Polizist. Die Fluchtrichtung ist vorgegeben, und bereits im Vorfeld der Tat, wenn etwa Täter ihre Objekte ausspähen, ist ein hohes Entdeckungsrisiko gegeben.

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