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„Vielleicht sind wir alle einfach zu anspruchsvoll?“

Advertorial „Vielleicht sind wir alle einfach zu anspruchsvoll?“

Sind e-Autos alltagstauglich oder nicht? Eine Woche hat Familie Wierse einen e-Golf im Alltagsbetrieb getestet. In unserem Interview zieht die Testfamilie jetzt ein Fazit. 

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"Das Fahren macht Spaß, die Schwäche ist die Reichweite": Tester Barbara und Ralf Wiese im Gespräch

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover . Eine Woche lang haben Sie für uns einen e-Golf im Alltagsbetrieb getestet. Wie ist Ihr Fazit?

Barbara Wierse: Für Stadtfahrten beziehungsweise für Fahrten aus dem Umland nach Hannover finde ich das Auto bestens geeignet. Da fahre ich nicht mehr als 100 Kilometer am Tag und kann es nachts bequem zu Hause aufladen.

Ralf Wierse: Ich finde es aus technischer Sicht ein ausgereiftes Auto. Es zu fahren macht Spaß, die Technik funktioniert, das Auto vermittelt ein tolles Fahrgefühl. Wenn da nicht das Thema mit der Reichweite und mit der Gesamtproblematik des Ladens wäre ... tägliches Laden finde ich persönlich nicht optimal.

Was ist aus Ihrer Sicht die größte Stärke des Wagens?

Barbara Wierse: Mir macht die Beschleunigung unheimlich Spaß, wenn man an der Ampel vorne steht und einfach so wegziehen kann.

Und die größte Schwäche?

Ralf Wierse: Die Reichweite, dass man dann doch sehr viel auf die Kapazitätsanzeige guckt. Ich habe ein bisschen mehr auf das Gaspedal gedrückt, sodass wir bei unserer längeren Tour mit weniger Kapazität als erwartet ankamen.

Barbara Wierse: Na ja, als ich irgendwann übernommen habe und gesehen habe, dass wir für die verbleibenden 50 Kilometer nur noch 90 Kilometer theoretische Reichweite haben, da habe ich den Eco-Plus-Modus angeschaltet, weil ich befürchtete, wir kämen nicht mehr an. Da wird man schon etwas nervös, wenn man nicht weiß, wo die nächste funktionierende Ladestation wäre. Und in dem Fall hätten wir auch gar keine Zeit gehabt zum Laden. Wir mussten pünktlich bei der Familienfeier sein.

Was war für Sie die größte Umstellung?

Ralf Wierse: Wir fahren seit 30 Jahren Auto und sind es gewohnt, dass ein Tankstopp nicht länger als fünf Minuten dauert. Da ist es ungewohnt, dass man jetzt Touren im Voraus planen muss und längere Stopps zum Aufladen in Kauf nehmen muss. Eigentlich erwarte ich, dass dieses Problem gelöst wird. Auch die technischen Kleinprobleme: Mich hat geärgert, dass bei der ersten Tour die Schnellladestation am Zielort nicht funktioniert hat, weil die Autorisierung der Tankkarte schwierig war. Sonst fährt man zur Tankstelle, und das Tanken klappt auf Anhieb.

Barbara Wierse: Vielleicht ist aber auch unser Anspruchsdenken als Autofahrer inzwischen enorm gewachsen. Ein Kollege von mir verzichtet komplett aufs Auto. Wenn er eines braucht, dann nutzt er Carsharing - und muss seine Touren daher auch planen.

Nach dem einwöchigen Test: Käme für Sie e-Mobilität derzeit infrage?

Barbara Wierse: Zum derzeitigen Zeitpunkt nicht als einziges Fahrzeug. Das größte Plus eines Autos im Gegensatz zum Nahverkehr ist ja die Flexibilität. Und wenn man die mit einem e-Auto auf weiten Strecken nicht hat, dann geht dieses Plus verloren.

So liefen die sieben Testtage

Unfallfrei ist die Testwoche mit dem e-Golf verlaufen – aber sie hat die Schwächen gezeigt, mit denen e-Mobilität noch kämpft. Die Kapazität des Wagens gibt VW mit bis zu 300 Kilometern an, doch um die auch nur annähernd zu erreichen, darf man nicht schneller als 95 Kilometer pro Stunde fahren und sollte Licht, Scheibenwischer, Radio und Klimaanlage ausschalten.

Das rasante Fahrgefühl aber hat die vierköpfige Familie aus Pattensen-Reden positiv überrascht, die technische Ausstattung des Wagens hat überzeugt. Er kostet 35 900 Euro in der Grundausstattung.

Mit dem e-Auto ist Ingenieur Ralf Wierse zur Arbeit nach Celle gefahren, Lehrerin Barbara Wierse zur Schule in die Südstadt, mit den Kindern wurden kurze Touren und Ausflüge bis 240 Kilometer unternommen. Ladeprobleme gab es bis zum Schluss: Beim Versuch, abends an der Station des ADAC in Laatzen zu tanken, wurde der Strom verweigert. Man braucht eine besondere Karte. Stehen blieb die Familie trotzdem nie: Die Wierses haben stets gut geplant.     

Aber Sie haben als Familie, die im Umland lebt, ja ohnehin zwei Autos.

Barbara Wierse: Es kommt hinzu, dass ein e-Auto noch sehr teuer ist. Vielleicht warten wir noch ein paar Jahre.

Nun gibt es ja den Wunsch der Politik, dass e-Mobilität stärker genutzt wird, aber Sie sagen nach dem Test: So richtig gut ist das alles noch nicht. Was müssten Hersteller oder Gesetzgeber konkret ändern?

Ralf Wierse: Beim Gesetzgeber denke ich etwa an Norwegen, wo sehr große finanzielle Anreize gemacht werden. Das Resultat können Sie im Stadtverkehr von Oslo sehen. Und dann muss Entwicklungsarbeit bei der Akkutechnologie geleistet werden. Es müsste nach Lithium-Ionen-Akkus etwas kommen, was leichter und schneller ladbar ist und mehr Kapazität hat.

Sie sind ja Ingenieur. Wie beurteilen Sie denn die Effizienz?

Ralf Wierse: Ich habe mal nachgerechnet. Der Verbrauch des Wagens liegt laut unseren Verbrauchsprotokollen bei etwa 15 Kilowattstunden auf 100 Kilometer. Bei rund 30 Cent Stromkosten sind das fünf Euro auf 100 Kilometer. Bei meinem Diesel aber liege ich mit den Spritkosten immer über 6 Euro auf 100 Kilometer. Das e-Auto ist also effizienter. Das ginge aber noch besser. Unser Testwagen ist zwar ein topaktueller Golf, aber eben kein als Elektrofahrzeug neu konzipiertes Auto. An der Stelle, wo ein Verbrennungsmotor saß, sitzt jetzt ein relativ kleiner Elektromotor. Würde man den Wagen auf Effizienz trimmen, würde man ihn bestimmt auf zehn Kilowattstunden pro 100 Kilometer bekommen.

Wie waren denn die Reaktionen in Ihrem Umfeld?

Ralf Wierse: Ich war überrascht, wie viele Kollegen und Bekannte mich schon am Auftaktwochenende und am ersten Arbeitstag angesprochen haben. Mein Eindruck ist, dass ein großes Interesse am Thema vorhanden ist. Aber die meisten Leute sind sehr neugierig auf das Thema.

Barbara Wierse: Bei mir in der Schule hat ein Kollege das Thema e-Mobilität sogar spontan zum Unterrichtsinhalt im Wahlpflichtkurs Ökologie gemacht. Die verfolgen die Berichterstattung und wollen die Aktion auswerten.

Mein Eindruck ist, dass sich Ihre Einstellung zum Auto schon in dieser einen Woche verändert hat. Erst waren Sie sehr skeptisch, vieles ging schief. Dann entstand ein Gefühl für das Fahren mit einem e-Auto.

Barbara Wierse: Generell ist man am Anfang mit einem neuen Auto immer aufgeregt. Besonders, wenn man wie beim e-Auto keine Erfahrung hat, wie weit die Ladung reicht.

Ralf Wierse: Richtig ist, dass wir mit der Zeit ein Gefühl für das Auto bekommen haben. Beim e-Auto scheint die Bandbreite des Verbrauchs viel größer zu sein als etwa beim einem Diesel, der immer zwischen fünf und neun Litern verbraucht: Wenn man etwas schwungvoller fährt, wozu das Auto ja einlädt, dann steigt der Verbrauch sofort ungewohnt stark an. Aber das ist sicherlich etwas, was zur Gewohnheit wird.

Hat Ihnen der e-Autotest denn Spaß gemacht?

Ralf Wierse: Auf jeden Fall!

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