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Aus der Stadt Ein Hanseat im Lutherrock
Hannover Aus der Stadt Ein Hanseat im Lutherrock
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00:19 27.06.2015
Von Michael B. Berger
Eduard Lohse ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Quelle: dpa
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Hannover

Heute würde man ihn vermutlich „cool“ nennen. Eduard Lohse behielt in stürmischen Zeiten jedenfalls stets die Ruhe – vor aufbrausenden Studenten in den Jahren der großen Unruhe an den Universitäten ebenso wie vor protestierenden Pastoren später, als er hannoverscher Landesbischof war. Am Dienstag ist der gebürtige Hamburger in seiner Wahlheimat Göttingen gestorben, wo er in den Sechzigerjahren Rektor der Universität gewesen ist. Als Theologieprofessor hat er wohl noch größeren Nachhall gehabt als als Kirchenführer. Nicht von ungefähr prägen Worte wie „beeindruckend“ oder „große Tiefe“ die ersten Nachrufe.

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Der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und ehemalige hannoversche Landesbischof Eduard Lohse ist tot. Der international renommierte Theologie-Professor starb in Göttingen im Alter von 91 Jahren im Kreis seiner Familie, wie die hannoversche Landeskirche mitteilte.

In der Tat war Lohse, 1924 in Hamburg geboren, eine Respektsperson. Ein Hanseat im Lutherrock. Dabei war ihm männlich-autoritäres Gehabe, das auch hohe Kirchenleute an den Tag legen können, völlig fremd. Zurückhaltend im Ton, überzeugend im Duktus, redete er stets argumentativ. Obwohl ihm, der zwischen 1942 und 1945 auch als Schnellbootkommandant im Krieg war, das Militärische überhaupt nicht fremd war. Das mag ihn mit Bundeskanzler Helmut Schmidt verbunden haben, dem er als Seelsorger in den Zeiten des Terrors der Rote-Armee-Fraktion diente und dessen Frau Loki er vor wenigen Jahren beerdigte. Schmidt schätzte die „Urteilskraft und moralische Integrität“ des Protestanten, der zwischen 1971 und 1988 an der Spitze der hannoverschen Landeskirche stand und von 1979 bis 1985 als EKD-Ratsvorsitzender das höchste Amt des Protestantismus in Deutschland bekleidete.

1971 war Lohse als Nachfolger Hanns Liljes zum dritten Landesbischof der hannoverschen Kirche gewählt worden – auch als Kontrastprogramm zum autoritären Charismatiker Lilje, der in seinen letzten Jahren den Kontakt zur protestierenden Jugend verloren hatte. „Lohse, dem es als Universitätsrektor gelungen war, die kritische Studentenschaft produktiv für die Universität einzusetzen, ist für seine Fähigkeit zu integrieren gewählt worden“, urteilt der niedersächsische Kirchenhistoriker Professor Hans Otte. Auch später als Landesbischof habe er seine Integrationskraft wiederholt unter Beweis gestellt, als gegen Gorleben aufbegehrende Pastoren mit dem Landeskirchenamt völlig über Kreuz lagen.

Als Lohse Bischof wurde, war er als Professor für Neues Testament international bereits bekannt. Sein Ruhm als Gelehrter nahm auch im Ruhestand nicht ab. Bücher wie „Umwelt des Neuen Testaments“ oder Lohses Bearbeitung des Römerbriefes sind auch heute noch Klassiker der theologischen Fachliteratur. Die Revision der Lutherbibel geschah in seiner Amtszeit. Seine Pfingstseminare mit Horst Hirschler, dem Nachfolger im Bischofsamt, waren für Göttinger Studenten ein Erlebnis: Da trafen ein überaus gelehrter Exeget und ein gelernter Starkstromelektriker aufeinander – und die Funken sprühten.

Auch nach seiner Pensionierung verfasste Lohse weiter theologische Aufsätze, nahm Gastprofessuren in Rom oder in Jerusalem wahr. Bis zuletzt übte er sich in Bibelübersetzungen und -interpretationen. „Ich bin dankbar, dass ich durch Gottes Hilfe einen klaren Kopf behalten habe“, pflegte er zu sagen. Noch im Mai dieses Jahres hielt er eine Bibelarbeit vor der Landessynode in Hannover. Am Dienstag starb Eduard Lohse in Göttingen im Kreise seiner Familie. Er sei ein „herausragender Brückenbauer“ zwischen theologischer Forschung und kirchlicher Praxis gewesen, würdigte ihn Landesbischof Ralf Meister, der auch die Trauerfeier am 4. Juli leiten wird. Lohse wird nach alter Tradition auf dem Klosterfriedhof in Loccum begraben.

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