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„Ich schäme mich unendlich“

Ehrenamtlicher Kirchenmitarbeiter gesteht Missbrauch

Von Thorsten Fuchs

Der wegen sexuellen Missbrauchs angeklagte frühere Gruppenleiter der Christlichen Jungenschaft steht vor einer langen Haftstrafe. Der 45-jährige Peter E. hat am Dienstag vor dem Landgericht ein umfassendes Geständnis abgelegt.
War Gruppenleiter der Christlichen Jungenschaft: der 45-jährige Peter E.

War Gruppenleiter der Christlichen Jungenschaft: der 45-jährige Peter E.

© Lübke

Das Gericht hatte ihm dafür zuvor ein Strafmaß von mindestens sechs bis höchstens sieben Jahren in Aussicht gestellt. Den Opfern blieb damit eine eigene Aussage vor Gericht erspart. „Ich schäme mich unendlich dafür, dass ich so ein Schwein gewesen bin und diese Taten begangen habe“, sagte E.

Der gelernte Bäcker, der seit 1991 Gruppen der Christlichen Jungenschaft leitete, einer pfadfinderähnlichen kirchennahen Gruppe, schilderte, wie er sich zwischen 1993 und 1995 sowie von 2005 bis 2008 an vier Jungen aus seinen Gruppen verging. Wie sich Dienstag herausstellte, missbrauchte E. auch zwei weitere Jungen – diese Taten sind aber bereits verjährt. E. näherte sich den Jungen zunächst auf Freizeiten, wo er mit seinen Opfern abseits der Gruppe in seinem VW-Bus übernachtete, und später auch bei privaten Treffen.

Dabei kam es anfangs nur zu intimem Streicheln, später auch zu Oral- und ungeschütztem Analverkehr. Zum Teil hat E. all dies auch mit seiner Digitalkamera festgehalten. Die Jungen waren zwischen neun oder zehn und 15 Jahren alt. Körperliche Gewalt wendete Peter E. dabei nicht an. Das Wohlverhalten der Jungen sicherte sich E. dagegen durch Gunstbezeigungen und Freundlichkeit, die er offenbar gezielt dosierte. So lud er die Jungen zum Teil zu Wochenendausflügen ein, spielte mit ihnen Computerspiele oder ließ sie Bier probieren. Waren sie ihm dann allerdings nicht zu Willen, „bekam er schlechte Laune“ – so schilderten es die Opfer gegenüber einer Polizeibeamtin, die als Zeugin aussagte. Manche sahen in Peter E. offenbar einen Vaterersatz. Dieser habe „die Suche der Jungen nach Bezugspersonen so ausgenutzt, dass es zu sexuellen Handlungen kam“, erklärte der Psychiater Johannes Pallenberg, der E. im Auftrag der Staatsanwaltschaft begutachtet hat.

Das Vertrauen der Eltern wie auch der anderen Mitarbeiter der Christlichen Jungenschaft in E. war offenbar groß. Einige Väter hatten früher selbst die Jungenschaft besucht. Auch bei den Kollegen regte sich kein Verdacht. „Es war bekannt, dass seine Lieblinge bei ihm im Bus übernachten durften“, sagte eine Frau Dienstag, die zusammen mit E. eine Gruppe leitete. Auch hätten Jungen bei Gruppentreffen davon berichtet, dass sie am Wochenende bei E. übernachtet und von ihm Geschenke erhalten hätten.

Regeln für getrennte Schlafräume von Betreuern und Betreuten gebe es bei der Christlichen Jungenschaft nicht, erklärte die Gruppenleiterin auf Nachfrage des Gutachters. Die Jungenschaft gehört nicht zur Landeskirche, trifft sich aber in Räumen der Epiphanias-Gemeinde im Sahlkamp. Peter E. war nach Bekanntwerden des Vorwürfe von allen Funktionen entbunden worden. Welche Konsequenzen die Gemeinde oder die Christliche Jungenschaft darüber hinaus aus den Vorfällen gezogen haben, konnte ein Sprecher der Landeskirche Dienstag nicht sagen. Die Christliche Jungenschaft reagierte Dienstag nicht auf Anfragen.

Wie sehr die Taten die Opfer belasten, schilderten im Gerichtssaal zwei Mütter. Deren Söhne sind unter anderem bei ihren schulischen Leistungen eingebrochen und mussten psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. Ein weiteres, heute älteres Opfer, berichtete über seinen Anwalt von längeren Therapien und Suizidgedanken.

Peter E., der im Gefängnis nach dem Prozessbeginn von anderen Gefangenen bedroht wurde und seitdem in einer gesonderten Station untergebracht ist, bescheinigte der Gutachter eine vergleichsweise günstige Prognose. „Die Haft hat ihn schon jetzt erheblich beeindruckt“, erklärte Pallenberg. Der Prozess wird am 12. August fortgesetzt.

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  • Berichterstattung / Bezug zu aktuellen Fällen Dudu – 04.08.10
    Zunächst finde ich es unverhältnismäßig, dass die abartigen Praktiken des Täters mit immerhin minderjährigen Opfern
    in der Berichterstattung breit getreten werden. Dies sollte den Gerichtsverhandlungen vorbehalten sein.
    Was in den Fällen von schwerem RITUELLEM sexuellem Missbrauch (Jugendfreizeiten in Ameland) durch Berichte an die Öffentlichkeit gelangt, ist ebenfalls unglaublich : so sollen die Täter nicht etwa bestraft werden, sondern Sozialstunden leisten und ein Anti-Agressionstraining ableisten.
    Was wohl die Betroffenen und deren eltern dazu sagen ?
    Ich wäre für eine angemessene Strafhaft in Kombination mit verpflichtendem Anti-Agressionstraining.

    Dudu

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