Der Grund: In Bezug auf die Hortplätze habe die zuständige Regionsverwaltung angekündigt, den Antrag auf Finanzierung der für diese Kinder unerlässlichen heilpädagogischen Betreuung abzulehnen oder die Eltern an der Finanzierung der Stelle zu beteiligen, klagt der Verein. Die je nach Einkommen schwankenden Kosten von 300 bis 600 Euro im Monat aber könnten viele Eltern nicht leisten, heißt es bei „Mittendrin“ – zumal diese zusätzlich zu den regulären Hortgebühren anfielen.
Gerade für alleinerziehende Mütter würde es so unmöglich, ihre Kinder zu betreuen. Ines Alabarta Schmidt etwa, alleinerziehende Mutter des siebenjährigen Patrick, fürchtet, ihren Job als Bankkauffrau aufgeben zu müssen, sollte die Betreuungsförderung auslaufen. „Dann muss ich zum Sozialamt gehen“, sagt die zweifache Mutter.
Bei der Region aber will man die Ankündigungen, denen zufolge Anträge nicht bewilligt werden sollen, noch nicht als letztes Wort verstanden wissen. „Wir prüfen derzeit, wie wir den Betroffenen helfen können“, sagt Sozialdezernent Erwin Jordan. Tatsächlich sei in manchen der Fälle mittlerweile grundsätzlich die weitere Förderung genehmigt worden, teilt die Region mit. Allein: Ob in einzelnen Fällen dennoch Zuzahlungen notwendig werden, ist noch unklar.
Dem neuerlichen Konflikt zugrunde liegt nach Ansicht beider Seiten jedoch vor allem das Fehlen einer landesweiten gesetzlichen Regelung für Krippen- und Hortkinder mit Behinderung. „In jedem Jahr aufs Neue ist es unklar, ob die Anträge bewilligt werden oder nicht“, sagt „Mittendrin“-Vorsitzende Elke Lengert. „Es wird Zeit, dass das Land eine bindende Regelung schafft.“
Für den „Kunterbunten Hort“ in der Lister Waldstraße etwa bedeutet die Ungewissheit für das im August beginnende Kindergartenjahr, dass von Planungssicherheit derzeit keine Rede sein kann. Vier der fünf hannoverschen Hortplätze für Behinderte sind hier angesiedelt. Ob die dortige Heilpädagogin aber weiter beschäftigt werden kann, wissen die Eltern nicht. Zudem geht ihnen der Kampf um die Plätze zunehmend an die Nerven. „Eltern behinderter Kinder haben sowieso viele Probleme“, sagt Vater Jan Vahlbruch: „Irgendwann fehlt dann für so etwas die Kraft.“
Derweil kritisiert man hinter vorgehaltener Hand auch bei der Region den „Eiertanz“, der aufgrund fehlender gesetzlicher Regelungen zu Krippen- und Hortplätzen für behinderte Kinder bei jedem Einzelfall aufgeführt werden müsse. Das Sozialministerium verweist derweil auf laufende Gespräche mit den kommunalen Spitzenverbänden, in denen Finanzierungsmodelle für integrative Kindergarten-, Hort- und Krippenplätze erörtert werden sollen. „Wir versuchen, eine tragfähige, landesweite Lösung zu finden“, sagt Sprecher Thomas Spieker. Das entbinde die Kommunen jedoch nicht davon, mit der Abarbeitung der Einzelfälle „ihre Hausaufgaben zu machen“.
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