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Wilkenburg

Ein Bauernhof mitten im Wasser


Ein Bauernhof im Hemminger Ortsteil Wilkenburg ist regelmäßig von Wasser umschlossen: Michaela von Campe hat gelernt, mit dem häufigen Hochwasser zu leben.
Auch die Ställe der 50 Kaninchen stehen im Hochwasser – auf Stelzen.

Auch die Ställe der 50 Kaninchen stehen im Hochwasser – auf Stelzen.

© Michael Thomas

Ziege Ellie hat vom Hochwasser nichts mitbekommen. Obwohl ihr Stall seit Wochen vom Hochwasser der Leine umschlossen ist, hat sie am Montag Nachwuchs zur Welt gebracht. Zwei kleine Ziegen versuchen auf dem Heu bedeckten Boden noch unsicher, ein Bein vor das andere zu bekommen.

Den Stall erreicht Michaela von Campe derzeit nur mit Gummistiefeln – immerhin. Denn vor einigen Tagen brauchte sie noch die wasserdichte Wathose, um ihre Tiere zu versorgen. „Anders komme ich gar nicht hierher“, berichtet sie. Die 57-Jährige lebt im Hemminger Ortsteil Wilkenburg, wo sie sich auf dem Bauernhof ihres Bruders unter anderem um die Ziegen, Ponys, Hasen und Hühner kümmert. „Hannover hat sich eingedeicht und hier bei uns breitet sich das Wasser aus“, meint sie.

Seit drei Wochen steht auf Teilen des Bauernhofes das Wasser. „So lange hatten wir das noch nie“, berichtet von Campe. Derzeit sinken die Pegelstände zwar, aber nur ganz langsam. Es hat erneut geregnet und aus der Innerstetalsperre wird noch viel Wasser abgelassen. Am Montagabend hatte der Pegel Herrenhausen einen Stand von 5,14 Metern, das ist noch immer mehr als 30 Zentimeter oberhalb der höchsten Alarmstufe von 4,80 Metern. „Üblicherweise kommt das Hochwasser ganz schnell und dann fällt es nach zwei bis drei Tagen wieder“, erzählt die gelernte Fischmeisterin. Aber in diesem Jahr ist alles ein bisschen anders. Das Wasser hat Teile des Misthaufens weggeschwemmt, der Dreck hat sich dann vermischt mit aus den Ställen heraus geschwemmtem Futter für die Tiere – was eine riesige Schweinerei ergab.

In all den Jahren hat sich die Familie von Campe an häufiges Hochwasser gewöhnt. „Im Keller steht jetzt auch wieder Wasser“, erzählt die Wilkenburgerin. „Andere würden da pumpen, wir warten bis das Hochwasser zurückgeht. Der Keller ist auch vorbereitet. Beispielsweise wurde die Kühltruhe auf Steine gesetzt, um sie vor den Fluten zu schützen.“

Wie groß der Schaden auf den Äckern durch das dreiwöchige Hochwasser sein wird, kann von Campe noch nicht absehen. Der Winterweizen könne das Wasser möglicherweise gut wegstecken, aber die vielen Gänse, die sich derzeit auf den überfluteten Äckern aufhielten, würden unter Wasser nach den Trieben picken.

Sie fürchtet, dass auf den umliegenden Wiesen viele Igel und andere kleine Tiere durch das Hochwasser verendet sind. „Die konnten doch während des Winterschlafs gar nicht so schnell fliehen“, berichtet sie.

In den nächsten Tagen beginnt für von Campe das große Aufräumen. Dabei denkt sie auch nicht daran, dass es noch vor dem Frühjahr zu einem weiteren Hochwasser kommen kann. „Ich will hier alles wieder ordentlich haben“, sagt sie.

Mathias Klein

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