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Aus der Stadt Ein Besuch beim Training der Mantrailer-Hunde
Hannover Aus der Stadt Ein Besuch beim Training der Mantrailer-Hunde
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19:46 29.12.2010
Von Tobias Morchner
Erst die Arbeit, dann kann getollt werden: Zur Belohnung der erfolgreichen Suche erhält Hündin Fanta Leberwurstpaste von Polizeikommissarin Kristin Strömsdörfer. Quelle: Nico Herzog

Fanta liebt den Schnee. Man merkt der erst vier Monate alten Polizeihündin an, dass sie am liebsten stundenlang in der weißen Pracht herumtollen würde. Doch Fanta ist nicht zum Spaß hier im Industriegebiet von Ahrbergen bei Hildesheim. Für die Hannoversche Schweißhündin steht eine harte Trainingseinheit mit Diensthundeführerin Kristin Strömsdörfer auf dem Programm: Fanta soll Nadine Leifeld, eine Kollegin der 28-jährigen Polizeikommissarin, aufspüren. Und dafür gelten genaue Regeln.

Gerade noch hatte Nadine Leifeld mit der Hündin gespielt, sich dann plötzlich ihrer Jacke entledigt, sie auf dem Boden liegen gelassen und sich ein Versteck hinter einem großen Überseecontainer gesucht. Fanta muss lernen, nicht sofort ziellos loszustürmen, sondern erst einmal über die Jacke zu laufen, um dort die Fährte der Beamtin aufzunehmen. Dann erst soll sie die Spur bis zum Ziel verfolgen. Fanta löst die Aufgabe problemlos. Als sie Nadine Leifeld „gefunden“ hat, springt sie vor Freude an ihr hoch. „Gut gemacht“, lobt die Hundeführerin und drückt dem Tier als Belohnung ein wenig Leberwurst aus einer Tube ins Maul.

In knapp zwei Jahren soll Fanta zusammen mit Hummel, einem Bloodhound, und dem Rüden Hudson, ebenfalls ein Hannoverscher Schweißhund, als sogenannter Mantrailer eingesetzt werden, also als Personenspürhund. Die Tiere können kleinste Geruchspartikel eines Menschen wahrnehmen, auch wenn es schon drei Wochen her ist, dass der Mensch sich an der betreffenden Stelle aufgehalten hat. Die drei Hunde sind die Ersten, die von der Polizei in Niedersachsen speziell für diese Aufgaben ausgebildet werden. Bislang hatten sich die Ermittler im Land von Behörden aus anderen Bundesländern derartige Spezialhunde geliehen. In manchen Fällen, wie beispielsweise im Mordfall Simone Müller, mussten die Polizisten sogar die Dienstleistungen von privaten Hundehaltern in Anspruch nehmen. Ein teures Unterfangen. Denn pro Einsatztag flatterte der Behörde eine Rechnung von rund 1000 Euro ins Haus.

Damit soll bald Schluss sein. Mit dem Erwerb der Hunde, der das Land Niedersachsen insgesamt rund 3000 Euro gekostet hat, und der Ausbildung der Tiere sind die hiesigen Behörden nicht mehr auf die Hilfe der Nachbardienststellen angewiesen. Seit August fahren Nadine Leifeld und ihre Kollegin Kristin Strömsdörfer alle zwei Wochen mit ihren vierbeinigen Lehrlingen nach Hof an der Saale zu einem erfahrenen Mantrailer-Ausbilder. „Dort trainieren wir im Schnitt zwei bis vier Tage und fahren anschließend mit einem Berg an Hausaufgaben wieder nach Hause“, erklärt Polizeikommissarin Strömsdörfer. Für die 28-Jährige ist es das erste Mal, dass sie einen Polizeihund ausbildet. Sie hat bislang bei der Bereitschaftspolizei Wolfenbüttel gearbeitet und sich auf den Job in Ahrbergen beworben. Seit August lebt sie jetzt mit Hündin Fanta zusammen. „Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als den ganzen Tag mit dem Hund zu arbeiten“, sagt sie. Kollegin Nadine Leifeld hat bereits vier Diensthunde geschult. „Aber das Training mit den angehenden Mantrailern ist auch für mich Neuland“, sagt die junge Frau.

Die jungen Hunde können in den ersten Monaten ihrer Ausbildung nur kurzzeitig belastet werden. Drei- bis viermal am Tag üben die Beamtinnen für je zehn Minuten mit den Tieren. Dann ist Schluss. In den kommenden Monaten werden sie die Anzahl und die Dauer der Trainingseinheiten jedoch Schritt für Schritt erhöhen. Später werden sie in der Lage sein, mit hoher Konzentration über einen langen Zeitraum hinweg intensiv nach vermissten Personen zu suchen. „Im Ernstfall wird der Hundeführer schneller müde als der Hund“, berichtet Nadine Leifeld. Die Mantrailer sind in der Lage, die Spur aufzunehmen, die ein Mensch durch Hautschuppen, Haare oder andere Partikel hinterlassen hat. Wichtig ist, dass die Suche von einem Ausgangspunkt startet, an dem sich der Gesuchte mit großer Wahrscheinlichkeit auch wirklich aufgehalten hat. Außerdem muss das Tier an einem Geruchsträger schnuppern können, den bestenfalls nur die gesuchte Person berührt hat. „Das kann eine Zahnbürste, ein Rasierapparat oder auch eine Unterhose sein“, erklärt Kommissarin Strömsfeld.

Doch das Schwierigste an der zweijährigen Ausbildung ist nicht das Training mit den Tieren. Viel wichtiger ist, dass die Hundeführer die Reaktionen ihrer Tiere genau verstehen können. „Wir müssen den Hund richtig lesen lernen“, erklärt Nadine Leifeld. Im Einsatz kann jede noch so kleine Bewegung oder Reaktion des Tieres von Bedeutung sein. Es liegt an der Interpretation der Polizistinnen, wie die Suche nach einer vermissten Person verläuft. „Die Schwierigkeit ist, dass das gleiche Ausdrucksverhalten bei jedem Hund etwas anderes bedeuten kann, und das müssen wir herausfinden“, ergänzt Kristin Strömsdörfer.

Für Hündin Fanta ist die Übungseinheit an diesem Tag beendet. Noch ein kurzes Tätscheln und dann darf sie endlich hinaus – zum Herumtollen im frisch gefallenen Schnee.

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