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Haben Sie etwas zu verzollen?

Reportage vom Flughafen Langenhagen Haben Sie etwas zu verzollen?

In den Sommerferien herrscht Hochbetrieb am Flughafen. Bundespolizei und Zoll haben dann alle Hände voll zu tun. Sie suchen nicht nur nach Waffen und Schmuggelware im Gepäck der Reisenden. Oft helfen sie auch mit einem Ersatzpass, dass Urlauber ihre geplante Reise überhaupt antreten können. Ein Besuch.

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Zollsekretär Marc Wirries, 22, an seinem Arbeitsplatz.

Quelle: Katrin Kutter

Hannover. Der rote Koffer hat schon ein paar Ehrenrunden im Terminal B des Langenhagener Flughafens gedreht, als Peik Huke ihn vom Gepäckband nimmt. „Das ist ein sogenanntes ,Rush‘-Gepäckstück“, erklärt der Zollhauptsekretär und zeigt auf die gestrichelte Markierung am Etikett der Fluglinie. „Das heißt, das ist ein Gepäckstück, das am Abflugflughafen verloren gegangen ist.“ Gerade zur Ferienzeit, wenn die Zahl der Fluggäste steigt, ist das nicht unüblich. Obwohl Hannover eher zu den kleineren Flughäfen gehört, passieren hier im Schnitt 20.000 Personen pro Tag die Ankunfts- und Abflugterminals. Mehr als 5 Millionen Reisende jedes Jahr.

„Es kann aber auch sein, dass die nachgeschickten Koffer bei einem früheren Flug nicht mitkamen, weil das Flugzeug sonst überladen gewesen wäre“, erklärt Huke. Das sei immer wieder der Fall, wenn Anschlussflüge mit Reisenden aus Saudi-Arabien in Hannover landeten. „Die Pilger bringen dann 20-Liter-Kanister mit Wasser aus dem Zamzam-Brunnen in Mekka mit“, sagt Huke. Der Flüssigkeit wird heilende Wirkung nachgesagt, weil die Quelle nach muslimischem Glauben im Paradies ihren Ursprung hat. „Wenn die Pilger wegen der Kanister das Maximalgewicht ihres Gepäckes überschreiten, verzichten sie oft lieber auf ihre Kleidung als auf das Wasser“, berichtet Huke. Ihre Koffer, genau wie die von Urlaubern, deren Gepäck auf der Reise verloren ging, kommen dann wenige Tage später in Hannover an. Nachdem die Mitarbeiter des Zolls den Koffer kurz kontrolliert haben, wird er am Flughafen aufbewahrt, bis der Eigentümer ihn abholt.

Adidas? Adidos!

Auf manch einen wartet dabei eine böse Überraschung, wenn der Zoll in dem Gepäck anmeldepflichtige oder sogar illegale Gegenstände findet. Immer wieder bringen Urlauber Korallen und Tierpräparate mit, die unter das Washingtoner Artenschutzabkommen fallen, finden Beamte des Zolls mehr als die nicht anmeldepflichtigen 10 000 Euro  bei den Reisenden oder öffnen Koffer, die bis zum Rand mit gefälschten Markenprodukten vollgestopft sind. „Wenn die Leute in der Türkei Schuhe von „Adidos“ statt Adidas oder eine Handtasche von „Prado“ statt Prada für sich selbst kaufen und die Teile nicht mehr als 430 Euro gekostet haben, beanstanden wir nichts“, sagt Marc Wirries, der seit vier Jahren beim Zoll arbeitet. Finden die Beamten aber eine riesige Anzahl an billigen Produkten, deren Preis die 430-Euro-Marke zwar nicht überschreitet aber allein die Menge darauf hindeutet, dass sie für den gewerblichen Handel bestimmt sind, beschlagnahmt der Zoll die Fälschungen.

Seepferdchen, Korallen und sogar Schildkröten - Zur Ferienzeit stellt der Zoll besonders viele exotische Dinge aus dem Gepäck der Reisenden sicher. Ein Besuch am Flughafen in Langenhagen.

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Obwohl er nur einen einzelnen Speck  aus Moskau mitgebracht hat, müssen  Viktor und seine Frau Natalia Rempel das Mitbringsel aus Russland dennoch an Wirries Kollegin Lisa Eggert abgeben. „Wir können in diesem Fall nicht garantieren, dass das Fleisch den Gesundheitsanforderungen in Deutschland entspricht“, sagt sie. Da die Eheleute auch keine Papiere vorweisen können, die die Voraussetzungen für eine Einfuhr bestätigen, kommt der Speck in eine spezielle versiegelte Mülltonne. „Ist diese voll, wird sie komplett in einer Müllverbrennungsanlage vernichtet“, sagt Eggert. Sicherheit geht vor.

Das hat sich auch Artur Koi gedacht. Der 27-Jährige will nach Gran Canaria fliegen und hat kurz vor seiner Abreise festgestellt, dass sein Personalausweis seit sechs Monaten abgelaufen ist. „Als ich dann bei der Fluggesellschaft angerufen habe, sagte man mir, ich solle mich bei der Bundespolizei melden“, sagt Koi. Nun steht er etwas verunsichert vor Polizeiobermeister Wolfgang Ungelenk. Der kann ihn aber schnell beruhigen: „Gran Canaria ist spanisches Hoheitsgebiet und da können sie auch mit einem Personalausweis einreisen, der schon bis zu zwölf Monate abgelaufen ist“, erklärt der 52-Jährige nach einem Blick in die aktuellen EU-Reisebestimmungen.

"Kein Geld, kein Ausweis, kein Flugticket"

Nicht jedes Problem von Reisenden ist jedoch so leicht zu lösen. „Heute war schon eine Rumänin hier, die kein Geld, keinen Ausweis und kein Flugticket hatte“, sagt Ungelenk. Sie wollte jedoch in die Türkei reisen und vertraute offenbar darauf, dass die Bundespolizei das für sie möglich mache. „Die Frau hatte aber einen Aufenthaltstitel für Deutschland, und wir konnten in diesem Fall nichts für sie tun“, sagt Ungelenk. Kommt aber ein Deutscher mit einem ungültigen Reisepass, der unbedingt reisen muss, etwa weil ein Verwandter im Ausland beerdigt wird, können die Beamten ihm einen Reiseausweis als Passersatz oder einen Notreiseausweis ausstellen. So können die Betroffenen dann doch noch ihre Reise antreten.

So schnell die Bundespolizei im Notfall so ein Ersatzdokument noch am Tag der Abreise ausstellen kann, so schnell kann das damit verbundene Procedere auch zu Problemen für manch einen Reisenden führen. „Vor ein paar Stunden habe ich einem Deutschen, der auf Mallorca wohnt, einen Reiseausweis ausgestellt“, erzählt Ungelenk. „Als er weg war, musste ich die Staatsanwaltschaft kontaktieren und ihr seine Adresse durchgeben.“ Der Mann wird wegen Betrugs von der Behörde gesucht, war aber zwischenzeitlich ins Ausland gegangen und hatte keine Adresse hinterlassen. Nachdem diese jetzt bekannt ist, kann die Justiz ihn vorladen. Andere Reisende, die bereits abgeurteilt wurden und bei der Passkontrolle im System der Bundespolizei auftauchen, werden direkt festgehalten. Sie müssen dann eine Haftstrafe antreten oder eine Ersatzleistung zahlen.

Eine Anzeige erwartet manch einen Reisenden aber auch, wenn er Waffen oder gefährliche Gegenstände mit auf einen Flug nehmen will oder nach Deutschland bringt. „Im Handgepäck finden die Mitarbeiter des Flughafens kaum noch Unerlaubtes“, sagt der stellvertretende Inspektionsleiter der Bundespolizei, Hartmut Dallmann. „Seit den New Yorker Terroranschlägen von 2001 kennen sich fast alle Reisenden extrem gut mit den Bestimmungen aus.“ Was problemlos in das aufgegebene Gepäck darf, wissen manche aber nicht so genau. „Es kommt immer wieder vor, dass in Deutschland wohnende Ausländer für ihre Verwandten technische Maschinen mitbringen wollen“, sagt Dallmann. Das geht jedoch nur, wenn sie neu und unbenutzt oder zuvor gewartet und dabei entlüftet wurde. Teilweise finden die Beamten der Bundespolizei bei der Kontrolle des aufgegebenen Gepäcks Motorsägen, die sie direkt anwerfen und damit einen Baum fällen könnten. „Solche Gegenstände findet man aber leicht“, sagt Dallmann. „Das Benzin oder andere Betriebsstoffe darin riechen immer extrem.“

Was darf mit, was nicht?

Einreise:

Bevor Reisende aus dem Urlaub Andenken mit nach Deutschland bringen, sollten sie sich genau über die erlaubten Freimengen informieren. Während aus Nicht-EU-Staaten problemlos mehrere Liter hochprozentiger Alkohol ausgeführt werden können, erlaubt der Zoll nur die Einfuhr von einem Liter pro Person. Zudem sind 200 Zigaretten, 100 Zigarillos, 50 Zigarren oder 250 Gram Rauchtabak von der Einfuhrabgabe befreit.

Im Ausland gekaufte Waren bis zu einem Wert von 430 Euro sind ebenfalls zollfrei. Um die Preise zu belegen, sollten Reisende die Quittungen der Produkte aufheben.
Ebenfalls sollten Reisende darauf achten, dass sie keine Drogen, unerlaubte Waffen oder mehr als die 10 000 erlaubten Euro in bar mit nach Deutschland bringen oder ausführen.
Vor allem bei Andenken ist Vorsicht geboten. Rund 5000 Tier- und 28 000 Pflanzenarten sind nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen besonders geschützt. Korallenstücke, Tierpräparate oder Produkte, die aus seltenen Tieren hergestellt wurden, sind verboten. Der Zoll beschlagnahmt solche Mitbringsel und leitet sie an das Bundesamt für Naturschutz weiter. Dort wird dann entschieden, ob eine Anzeige gestellt wird.

Auch vor der Mitnahme von Lebensmitteln sollten sich Reisende im Vorfeld gründlich informieren. Einzelheiten zu den gültigen Bestimmungen finden Urlauber im Internet unter www.zoll.de. Detaisl können auch unter der Telefonnummer (03 51) 44 83 45 10 erfraget werden.

Ausreise:

Reisende dürfen im Handgepäck nur Behältnisse mit maximal 100 Milliliter Flüssigkeiten mit in das Handgepäck nehmen. Diese müssen alle in einen transparenten, wiederverschließbaren 1-Liter-Beutel gepackt werden. Waffen, sowie spitze oder scharfe Gegenstände wie Messer dürfen genau wie brennbare Stoffe oder Sprengstoff nicht ins Handgepäck.

Wer legal ein Waffe besitzt, kann diese in seinem Koffer mitnehmen. Diese muss aber vor der Reise angemeldet werden. Messer mit einer Klingenlänge von mehr als sechs Zentimetern müssen ebenfalls in den Koffer. Sie müssen nicht angemeldet werden. Jedoch sollten sich Reisende zuvor erkundigen, ob die Messer im Zielland nicht unter das Waffengesetz fallen.

Sprengstoffe, chemische und toxische Substanzen sowie brennbare Gegenstände dürfen auch nicht in das aufgegebene Reisegepäck. Dazu gehören neben mit Benzin betriebenen Maschinen unter anderem auch funktionstüchtige Taucherlampen. Schrauben die Urlauber vor dem Reiseantritt jedoch die Birne aus der Lampe und entfernen die Batterien oder Akkus, kann das Sportgerät bedenkenlos mitgenommen werden.

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