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Aus der Stadt Ein Blick auf die Geschichte des Maschseefests
Hannover Aus der Stadt Ein Blick auf die Geschichte des Maschseefests
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20:27 22.07.2010
Von Stefanie Kaune
Gleich zum Auftakt hoch hinaus: Zur Premiere des Maschseefestes im Sommer 1986 kam auch die Artistenfamilie Traber und sorgte mit einer spektakulären Hochseildarbietung für Staunen am Nordufer.

Ende Juli 1985. Um den Maschsee flanieren ein paar Spaziergänger, einige Radler und Läufer sind unterwegs. Abends leuchten die Laternen, und die Karpfen bleiben unter sich. Es ist Hochsommer in Hannover, und es ruht der See. Unvorstellbar wäre das heute. Schließlich startet Mitte der letzten Juliwoche längst jedes Jahr die größte, bunteste und längste Party der Stadt – das Maschseefest. Der Sommer 1985 sollte aber auch der letzte sein, in dem am Maschsee nicht gefeiert wurde: Im Jahr darauf wurde die Erfolgsveranstaltung aus Anlass des 50. Seegeburtstages aus der Taufe gehoben – heute werden die Besucherzahlen in Norddeutschland nur noch von der Kieler Woche übertroffen.

Zum 25. Mal wird in diesem Sommer gefeiert, schon ein Jahr vor dem Jubiläum konnten die Veranstalter vom Hannover Tourismus Service (HTS) einen Rekord verbuchen: 2,3 Millionen Besucher waren es, die 2009 an den 19 Tagen von Ende Juli bis Mitte August Livemusik, Kleinkunst und Gastronomie am See genossen, rund 40 Prozent der Besucher kamen nach HTS-Angaben von außerhalb der Region. Mit seiner „Qualitätsoffensive“, mit der wieder mehr Familien und bürgerliches Publikum neben der Partyfraktion gewonnen werden sollten, scheint HTS-Chef Peter Richter richtig zu liegen. Attraktivere Stände und Niveau bei der Gastronomie, mehr Kinderprogramm und kleine, ruhige Angebote auf den Bühnen gehören dazu. „Die Zahlen sind all die Jahre kontinuierlich gestiegen, haben sich aber zuletzt noch einmal nach oben entwickelt“, sagt Richter.

Angefangen hatte alles weitaus bescheidener. 70.000 Besucher zählte man im Premierenjahr, obwohl das Fest damals rund sechs Wochen lief. Allerdings waren es lediglich eine Handvoll Wirte, die versprengt an Nordufer, Geibelstraße, Löwenbastion und Maschseequelle ihre Stände bei der zu dieser Zeit noch „Maschseetage“ genannten Veranstaltung aufgebaut hatten. Die Gastronomen trauten dem neuen, unbekannten Ort nicht so recht – und mussten zum Großteil von den Organisatoren zum Mitmachen überredet werden. Ralph Jarrett und Harald Böhlmann hießen damals die Ideengeber. Der eine war Chef des Amtes für Fremdenverkehr und Geschäftsführer des Verkehrsvereins, des heutigen HTS. Der andere leitete damals das Kulturamt.

„Es ging uns um zwei Dinge“, sagt Böhlmann. Zum einen sollte zum 50. Maschseegeburtstag die frühere Tradition der Bootsausfahrten wiederbelebt werden, zum anderen sei damals in Hannover im Sommer zwischen dem Schützenfest Anfang Juli und dem Altstadtfest Ende August „tote Hose“ gewesen. Touristiker Jarrett hatte bei dem Gedanken einer sommerlichen Belebung der Stadt auch die Hotellerie im Auge, die in der Zeit ohne Messen freie Betten beklagte. „An eine Fortsetzung haben wir aber nicht gedacht“, meint Böhlmann. „Am Anfang mussten wir sogar Lagepläne in der Zeitung veröffentlichen, weil keiner wusste, wo die Maschseequelle ist.“ Doch der Erfolg gleich im ersten Jahr sprach für sich. Die Hannoveraner schienen nur auf eine solche Seeparty gewartet zu haben, die „Maschseetage“ wurden im Folgejahr wiederholt – jedoch nur noch 24 Tage lang. Und dann ging es immer weiter.

Schon im Gründungsjahr gab es die bis heute bewährte Mischung aus Gastronomie, Kleinkunst, Livemusik und Aktionen auf dem Wasser, die allerdings noch deutlich besser repräsentiert waren als heute. Ruderregatten, Motorbootrennen, geschmückte Boote und natürlich das Fackelschwimmen des Tauchclubs Hannover gab es – bis heute eine Konstante. „Früher haben sich die Sportvereine rund um den See mehr engagiert, das hat leider abgenommen“, sagt Jarrett. Der damalige Verkehrsvereinschef war wohl tatsächlich auf Mithilfe angewiesen – ganze 40.000 Mark umfasste sein Veranstaltungsetat. Nachfolger Richter, der dieses Jahr sein viertes Maschseefest organisiert, hat ein Budget von 700.000 Euro zu Verfügung. In all den Jahren hat sich das Fest selbst finanziert, die Stadt habe weder dem Verkehrsverein noch dem HTS Zuschüsse gezahlt, betonen Jarrett und Richter.

Wichtige Einnahmequelle sind die Standgebühren. Angefangen habe man mit Preisen zwischen 250 und 1000 Mark, sagt Jarrett. Mittlerweile werden je nach Lage und Größe fünfstellige Beträge gezahlt, und die Wirte drängeln sich um die Plätze. Einer, der von Anfang an dabei war und kein Jahr ausgesetzt hat, ist Rainer Aulich. „Ich habe immer an das Fest geglaubt“, sagt er. Heute gilt er mit seiner großen Standfläche am Nordufer als einer der „Platzhirsche“. Seit 15 Jahren dabei ist Hannover Concerts als Betreiber der Löwenbastion, wo große Teile der Maschseefest-Musik spielen. Und auch das Engagement so mancher Band hat Tradition: Zum 15. Mal treten an der Bastion jetzt Sweety Glitter auf, die Glamrocker mit Kultfaktor, ohne die ein Maschseefest nicht mehr vorstellbar ist.

Zwei Diskussionen haben das Fest dabei stets begleitet: die ums Wetter und die um den Lärm. Obwohl sich so manche Standbetreiber nach einem verregneten Sommer schnell eine Verlängerung wünschten, haben die Veranstalter standhaft versucht, kein Wunschkonzert aus dem Maschseefest zu machen. Mit einer Ausnahme: „Im Sommer 1993 gab es 14 Tage Regen, da haben wir eine Woche drangehängt“, sagt Jarrett. Dass auch die verregnet sein würde, konnte ja keiner wissen. Verlängert wurde das Fest ansonsten nur im Expo-Jahr, ebenfalls um eine Woche.

Geraume Zeit zuvor war das Maschseefest bereits dauerhaft verkürzt worden, von 24 auf 19 Tage. „Das war Anfang der neunziger Jahre und ein Kompromiss mit den Anliegern der Südstadt, die wegen Lärm geklagt hatten“, sagt Jarrett. Seither gibt es an den Montagen, Dienstagen und Donnerstagen auch keine Livemusik mehr. Doch der Kompromiss war offensichtlich nicht von Dauer: Nachdem die Lärmdiskussion zuletzt immer heftiger geführt wurde, hat Richter sich nun entschlossen, die Feuerwerke zum Auftakt und zum Ende abzusagen und noch strengere Auflagen für die Bühnen zu machen. Man wolle schließlich auch das 50. Maschseefest noch feiern, hatte er argumentiert. Und dann natürlich zugleich den 100. Geburtstag des Maschsees.
Das Maschseefest geht in diesem Jahr vom 28. Juli bis zum 15. August.

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